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Ein Spaziergang durch den Englischen Garten

Von stefanpachmayr Freitag 23.09.2022, 09:54

Er ging durch den Hofgarten, durchquerte den Tunnel, der zum Englischen Garten führte und schlenderte am Köglmühlbach entlang. Kühl und frisch war die Luft an diesem Morgen. Zu seiner Rechten lag das Haus der Kunst, während links ein Stück der Berliner Mauer die Besucher an Frieden und Einheit erinnerte. Bald sah er das Japanische Teehaus, ging über die Brücke des Schwabinger Bachs und gelangte auf die große Wiese. Im Hintergrund war schon der Monopteros zu erkennen. Er ging allein. Das machte ihm nichts aus, gerne war er mit seinen Gedanken bei sich selbst und ließ sie schweifen. Der Schotter knirschte unter seinen Schuhen. Die Sonne schien an diesem Montag im Mai und es waren bereits viele Leute unterwegs. Eltern mit ihren Kindern, ältere Menschen und natürlich auch verliebte Pärchen. Er ging weiter entlang der Wiese und gelangte bald zum Chinesischen Turm, wo er sich im anliegenden Biergarten in die Sonne setzte, eine kalte Radlermaß bestellte und die Sonnenstrahlen genoss. Seine Gedanken verloren sich beim Biertrinken.
„Warum bin ich auf der Welt? Wozu bin ich? Wohin gehe ich? Gibt es Gott?“
Er strich sich den Bierschaum vom Mund.
„Schmarrn“, gab er sich selbst die Antwort, „Gott ist tot, nicht erst seit Nietzsche, jeder ist seines Glückes Schmied, carpe diem. Das ganze Leben ist nur ein Wartesaal vor dem Tod, das ist seit Godot bekannt.“ Er hätte noch lange so in der Sonne bei seiner Maß philosophieren können, aber er zog es vor, sich eine Zigarette anzuzünden und weiter zu spazieren. Er schaffte es aber nur bis zum Biergarten am Seehaus, wo er sich ebenfalls wieder niederließ und eine weitere Radlermaß bestellte.
„Ganz schön warm heute“, dachte er sich und bestellte sich, da es schon Mittagszeit war, einen Steckerlfisch.
„So kann man es aushalten, die Sonne scheint, das Bier schmeckt und ein Steckerlfisch, was braucht man mehr?“
„Vielleicht eine Begleitung?“, fragte ihn seine innere Stimme.
„Wen meinst du?“, antwortete er ihr, „vielleicht meine Frau, die sich bald von mir scheiden lässt? Nein, da bleibe ich lieber für mich allein.“ Inzwischen fühlte er sich außerstande weiterzugehen und schmiedete Pläne, wie er von hier wieder zurück in sein geliebtes Café Monokel in der Innenstadt zurückkehren könnte.

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