Die Apachenbrüder aus dem Schwarzwald.
Von
Fiddigeigei
07.02.2021, 10:56
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Fiddigeigei
07.02.2021, 10:56
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Kleiner Bär
Nur weil Winnetous Name bereits belegt war, gab man mir den Namen „Kleiner Bär“. Mein bester Freund, der zwei Jahre älter als ich war und bereits Indianererfahrung hatte, wandelte seinen Indianername von „Fliegender Feder“, mir zu Liebe in „Großer Bär“ um.
Dazu bedarf es ein „Palaver“, dass mit einigen Ritualen verbunden war. Als erstes mussten wir zu unseren Friedenspfeifen Tabak besorgen, der mangels Masse nicht gekauft werden konnte, und schon des Abenteuerwillens auf Indianerart besorgt werden musste.
Unsere Pfeifen bestanden aus weißem Ton, waren sehr zerbrechlich und kosteten 50 Pfennige, was damals viel Geld bedeutete und welches wir uns mühselig durch viele Arbeit verdienen mussten. Arbeiten, die absolut unter der Würde eines stolzen Krieger der Apachen lag.
Im kleinen Städtchen unserer Jugendzeit gab es einen Tabakladen. Vor dessen Tür stand ein in Lebensgröße abgebildeter Indianischer Krieger mit vollem Federbusch, Lederleggins und einem Tomahawk. Den bestaunten wir gerne und dachten dabei an unseren Federschmuck der aus nur einer Feder bestand- wir waren ja keine Häuptlinge-, die wir einem entrüsteten Gockel, hinterlistigerweise aus dem Schwanz gezogen hatten.
Schwestern- ich war mit vieren solchen Squaws reichlich gesegnet- nähten nach vielem Bitteln und Betteln und unter Zugaben von Geschenken ein Stirnband, an dem dann der eroberte Kopfschmuck gesteckt wurde. Natürlich sprach von uns keiner von lächerlichen Hühnerfedern, nein, die hatten wir im tödlichen Zweikampf mit einem Adler erobert.
Aber in diesem Tabakladen, in dem es wunderbar roch, gab es noch etwas, was Jungen und Männer magisch anzog. Ihren Namen weiß ich nicht mehr. Sie war schön, schlank, leichtfüßig, hatte lange schwarze Haare, einen dunklen Teint und sprach Hochdeutsch mit einem rauchigen Klang. Sie war ganz anders als unsere alemannischen Mütter, geheimnisvoll, fremd und faszinierend. Sie stammte aus Südwestafrika und ihr Mann, der damals ebenfalls in dieser Deutschen Kolonie lebte, hatte sie, als die Kolonien nach dem 1. Weltkrieg verloren gingen, in unser langweiliges Nest verschleppt.
Tabak zu besorgen war nicht einfach. Zwar gab es fast kein Haus, welches nicht in einem kleinen Gärtchen Tabak anbaute, aber diese Oasen des Genusses waren streng bewacht und selbst für listige Indianer nur unter Todesgefahr erreichbar.
Ein Späher hatte uns von einem Tabakvorrat berichtet, der zwei Häuser weiter auf einem Boden( wir sagen Speicher) seinem Gebrauch entgegentrocknete. Bei eine Gratwanderung über die Dächer, ganz nach Indianerart, holten wir uns, was gebraucht wurde. Schnell einige Blätter von der Leine gepflügt und unters Hemd gestopft und dann geräuschlos zurück ins eigene Wigwam.
Der Nachmittag war da, wo wir uns trafen. Wir zündeten ein kleines Lagerfeuer auf einer verschwiegenen Waldlichtung an. Der Schnitt mit einem ziemlich rostigen Taschenmesser, welches in der Flamme „steril“ gemacht wurde, in eine Fingerkuppe tat weh, aber Indianer kennen keinen Schmerz. Nun musste, um die Mutprobe zu Ende zu bringen, jeder beim anderen das heraustretende Blut aufsaugen;- was etwas ekelig war.
Damit war der Kleine- und der Große Bär auf ewig als Blutsbrüder verbunden. Zum Zeichen und zur Beschwörung des Aktes, stopften die Roten Brüder- jetzt für ewig verbunden im Leben und Tode- eine Tonpfeife mit dem gestohlenen Tabak und ließen diese, nachdem der Große Bär Rauch in alle Himmelsrichtungen geblasen hatte, zwischen den Blutsbrüdern hin und her wandern.
Schon nach den ersten, und es waren wirklich die ersten Züge im Leben des Kleinen Bären, wurde ihm ganz schummerig und speiübel, die Welt begann sich um ihn zu drehen. Es gelang ihm gerade noch mit einem Sprung in eine Hecke zu gelangen und dann............!
Übrigens dem Großen Bären ging es nicht anders, auch er suchte bald die Hecke auf, - um dem mächtigen Indianergott Manitu, der dort oben in den Ewigen Jagdgründen eigentlich seine Hand über uns hätte halten sollen-, zu opfern.
Aus den beiden Rothäuten waren plötzlich grüngesichtige Marsmännlein geworden.