Zebrastreifen sind lästig ...
Von
tastifix
Dienstag 20.07.2021, 11:49
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tastifix
Dienstag 20.07.2021, 11:49
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Es geht um die aparten Zeichnungen, die quer über die Straße verlaufen. Sie sind ja nicht dorthin hin gezaubert worden, um den Eindruck des tristen Straßenpflastergraues ein wenig abzumildern und ein bisschen Fröhlichkeit aufkommen zu lassen, sondern es ist als weitaus ernster zu bedenken.
Schon oft ist gemunkelt worden, dass wir Deutschen aussterben würden. Als einer der möglichen Gründe hierfür fallen mir die häufigen Differenzen zwischen Autofahrern und Fußgängern ein. Angeblich ist der Mensch ja in jedem Alter lernfähig, doch, denke ich da an so manche Autofahrer, bezweifele ich es sehr stark. Wenn ich nämlich an deren Reaktion auf Lustig-Schwarz-Weiß denke ...
Da gibt es die überängstlichen Fahrer, die, um ja bloß nicht gar noch eine Mikrobe (wie blamabel) ins Jenseits zu befördern, ihrem Auto tatsächlich auf 50km-Strecken, dann nur im Mini-Schritt-Tempo, einen eher relativ langen Straßenbummel gönnen. Sie wollen sich lieber für den dadurch verursachten erhöhten Blutdruck anderer Verkehrsteilnehmer verantwortlich zeichnen als für platt gefahrene Fußgänger. Dafür haben wir ja durchaus Verständnis, oder?
Dann ist da noch eine zweite Gruppe der Vorsichtigen. Bereits aus der 1km-Entfernung rutschen sie nervös auf dem Sitz hin und her, zwinkern angestrengt mit den Augen und löchern ihren Beifahrer mit Fragen:
„Du, ist dahinten nicht irgendetwas?"
„Wie? Wo? Ich seh` nix!"
„Ja, dort. Da blitzt doch etwas. Na klar!"
Wie die Mitglieder der Gruppe1 rollt auch jener Angehörige der Gruppe2 äußerst vorsichtig auf dieses nur vage erkennbare Etwas zu.
„Siehste, hab ich ja gewusst!"
„Was?"
„Ja, guck doch hin! Ein Zebrastreifen!!"
Dann extra langsam kriecht der Wagen noch näher an dieses Wunderwerk moderner Malkunst heran und stoppt im gebührenden 3m-Abstand davor. Stolz schaut der Fahrer zum Beifahrer. Der guckt ein wenig zweifelnd zurück, denn weit und breit ist kein Fußgänger zu sehen. Erst nach der aus Höflichkeit und vor allem wegen der Straßenverkehrsordnung geziemenden, einsamen 2min-Wartezeit vor dem weiterhin leeren Zebrastreifen, gibt der Fahrer erneut Gas. Was sein Begleiter auf dem Beifahrersitz in dem Moment über ihn denkt, verschweige ich hier besser.
Die dritte Autofahrerunion ist denn so ganz anders geartet. Deren Mitglieder, die es sich leisten können, bevorzugen Luxusschlitten vom Porsche an aufwärts bis hin zu Rennwagen, deretwegen eigentlich einige neue Baustellen zwecks Straßenverbreiterung anstehen würden. Sie fühlen sich als Könige, nein, Kaiser oder eher Oberkaiser der Straßen und nehmen für ihre Gesinnungsgenossen (und vor allem für sich selber) rigoros eine grundsätzliche Vereinfachung bestimmter Verkehrsregeln vor: Geschwindigkeitsbeschränkungen gelten nur für die Anderen. Dabei scheren sie sich um die Straßenverhältnisse nicht die Bohne. Was nicht frei ist, wird frei gemacht! Ampeln akzeptieren sie im besten Falle noch als aber dann recht unattraktive Deko-Ausgaben. Dass die jedoch eine wichtige Aufgabe erfüllen und nicht nur zum Spaß herum stehen, haben diese Pseudo-Flugsaurier aus dem Gedächtnis gestrichen.
Einer der Raser registriert flüchtigen Blickes von weitem einen solchen bekannten schwarz-weißen Straßengürtel. Keinesfalls bremst er ab, sondern braust unbekümmert drauflos. Die Ampel davor ist rot, egal! Überquert gerade eine alte gehbehinderte Dame die Straße, wird sie im schlimmsten Falle zur Kühlerfigur. Wenn sie Glück hat, meldet sich des Fahrers Gewissen und er ruft Polizei und Krankenwagen herbei. Hat sie Pech, liegt sie platt am Boden, derweil der Fahrer ungerührt von dannen düst. Weshalb sollte er sich auch der Verantwortung stellen!? Ein Fußgänger mehr oder weniger, was soll es??
Die Fahrerflucht gelingt und er wird vielleicht nie gefasst!!