Und plötzlich bin ich alt
Von ehemaliges Mitglied Samstag 23.10.2021, 17:34
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Trauer und Einsamkeit als Begleiter des Alters
Was erwartet den Menschen im Alter?
Einsamkeit im Seniorenheim oder Zeit mit der Familie?
Die Kindheit ist die kürzeste Zeit des Lebens, danach folgt die Jugendzeit, das Sprungbrett in das Leben, die Zeit des Erwachsenseins erstrahlt sich über den längsten Zeitraum, er ist das Leben, was uns zeichnet, den Abschluss bildet das Alter.
Das Alter, welches oft traurig und einsam endet.
Eine alte Dame wird von einem lustlos dreinblickenden jungen Zivildienstleistenden im Krankenhaus vor eine Tür zum Warten geschoben.
Ihr Blick leer gegen die Tür geheftet. Sein Blick genervt, dass er nicht seine Whats-App-Nachrichten checken kann, sondern hier, bei einer alten Dame herum stehen muss, bis sie vom Arzt übernommen wird.
Ihre Falten erzählen von einer Kindheit, aufgewachsen zur Kriegszeit.
Stumme Bilder kreisen um sie, viel Gelächter, als sie noch als kleines Mädchen mit ihren Freunden durch Bäche sprang, sich über Obst an Weihnachten freute, harte Zeiten mit ihrer Familie meisterte, als Jugendliche die Freuden des Ausgehens genoss, mit ihrer großen Liebe eine Familie gründete, Kinder und den Haushalt zu jeder Zeit pflichtbewußt erledigte, ihre Enkelkinder aufwachsen sah und sich nebenher dem Wandel der Zeit fügte.
Sie war ein Mensch, der gelebt hatte, Fehler machte, Freuden genoss, schwere Zeiten überstand und sich vom Leben leiten ließ.
Sie schenkte ihren Kindern Leben, begrub ihren Mann, fing immer wieder neu an und fand ihr Leben.
Nun ist sie alt, ihre Familie hat sie in eine Seniorenresidenz einquartiert, mit den kleinen Habseligkeiten, die sie seit Gezeiten ehrt und wahrt, sie an ihr Leben erinnert.
Die Kinder haben entschieden und sie beugt sich. Sie meinen es schon gut.
All die alten Leute um sie herum.
Die Kleinen kommen in den Kindergarten, die Alten in eine Seniorenresidenz. Nur mit dem Unterschied, dass die Kleinen wieder abgeholt werden.
All die Jahre hat sie selbstlos Kinder und Familie zusammen gehalten, hat alles für ihre Kinder getan, opferte sich im Leben mit ihnen aus Liebe auf.
Nun ist sie alt, kann nicht mehr und wird anderen Menschen übergeben.
Sie ist gestürzt, kam ins Krankenhaus und es wurde mehr entdeckt.
Nun sitzt sie im Rollstuhl vor der Tür, die Jugend und das Leben im Rücken, die wartende Tür vor sich. Ob sie sich für immer schließt, wird ihr das Schicksal zeigen.
Was sie jedoch weiss ist, dass Menschen niemals im Krankenhaus von der Erde gehen, sondern weit vorher schon.
In der Zeit, in der man selber merkt, dass man selber nicht mehr das pulsierende Meer ist, welches nach dem Horizont trachtet, sondern jener ist, der zwar immer zu sehen sein wird, aber niemals mehr zu greifen sein wird.
Bea