Todesgefahr ...
Von
tastifix
Montag 02.08.2021, 09:16
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tastifix
Montag 02.08.2021, 09:16
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„Mamaaa?“
Schreckensbleich betrat Tochter N. die Küche.
„Was ist denn?“
Mir schwante nichts Gutes.
„Unten saust so`n großes brummendes Vieh dauernd gegen die Lampen. Keine Ahnung, was das ist!“
Prompt wurde mir mulmig und ich entschied, besser mal nachzusehen. Mit dicker Zeitung bewaffnet, schlich ich die Treppe hinunter in den Keller, N. im Sicherheitsabstand von zwei Stufen zögerlich hinterdrein. Gut nur, dass ich ihre ängstliche Miene nicht sah, denn sonst wäre ich Oberangsthase vielleicht sofort umgekehrt.
„W..Wo denn?“
Vor der Hobbyraumtür blieb ich erstarrt stehen. Drinnen sauste eine sichtlich nervöse deutsche, etwa 3cm lange Wespe gegen die Leuchtstoffröhren, angezogen von der Helligkeit und auf der verzweifelten Suche nach Freiheit.
´Der sollte man jetzt besser nicht zu nahe kommen!`
Inzwischen hatte sich uns T. zugesellt, die ältere meiner 20-jährigen Zwillinge. Erklärungen waren unnötig. Ein einziger rascher Blick zur Decke reichte ihr völlig aus. Nun standen dort drei furchtsame Wesen. Ich kläglich zu N.:
„Wie kriegen wir die wieder ´raus? Töten will ich sie nicht. Aber, falls die uns erwischt … !??“
„Wir schalten das Licht aus. Die will ins Helle. Vielleicht fliegt sie ja in die obere Diele. Von dort aus kannst Du sie nach draußen scheuchen.“
Meine Gehirnwindungen arbeiteten auf Hochtouren:
´Hört, hört: ´Du`!! `
Hoffen stand in ihrem Gesicht.
„Hoffentlich findet die den Plan auch gut!“, brummelte ich.
T. dagegen schwieg sich weiterhin aus. Es hatte ihr die Sprache verschlagen.
Urplötzlich mutierten wir zur mutigen Miniarmee. Drei Menschen contra Killerwespe. Derweil ich sie mit einem hypnotisierenden Blick ´Bleib noch einen Moment dort sitzen!` auf ihren Platz zu bannen versuchte, knipste ich gleichzeitig hastig die Lichter aus. Danach flitzten wir feige die Treppe hinauf. Im fliegenden Lauf schnappte ich mir Hund ´Knödelchen` (Die Wespe war ja kein durch die Luft segelnder Ball!) und verbarrikadierte mich mit Töchtern plus Vierbeiner im Wohnzimmer.
Wenige Minuten später:
„Mama, ob die jetzt hier oben ´rum spukt …?“
Fiese Suggestivfrage! Es hieß doch:
„Guckst Du mal nach?!“
Reizende Kinder! Schickten in dieser lebensbedrohlichen Lage ihre Mutter in die Arena und gingen auch noch zu Recht davon aus, dass ich mir garantiert keine Blöße geben, sondern wirklich aktiv werden würde. Ein paar Sekunden danach schielte ich durch einen nur handbreiten Türspalt und kontrollierte furchtsam Decke sowie Wände: Nichts! Dies beruhigte mich keinesfalls. T., inzwischen der Worte wieder mächtig:
„Hier oben summts nicht. Also ist die noch unten!“
Ich, recht beeindruckt:
„Von wem bloß hast Du diese überragende Intelligenz geerbt?“
Ihre schlagfertige Antwort:
„Wenn ich das nur wüsste … ?“
Etwa eine Viertelstunde hockten wir Vier dort und bewachten argwöhnisch den Zwischenraum Tür-Boden. Nicht, dass die Wespe sich ... ! Zumal die jetzt inzwischen ziemlich gereizt war.
N.:
„Mama, und jetzt??“
Wow! Sie machten sich ja ebenfalls Gedanken, wie es weitergehen sollte. Unser ungebetener Gast hatte die höfliche Einladung ins Erdgeschoss ignoriert. Also mussten wir leider brutaler vorgehen, damit wir den endgültig los wurden.
„Hääh, was willst Du denn damit?“
Irritiert starrte T. auf den Milchtopf in meiner Hand.
„Drüber stülpen, was sonst!“
Als wahrlich todesmutige Kriegerin mit Panik bis in die Haarspitzen, schlich ich nach unten. Hinter jedem Bild an der Wand, in jeder Ecke könnte sie sitzen, nur darauf lauernd, wann wir uns zeigen würden, um dann wie eine Minirakete hervorzuschießen und einen wütenden Überraschungsangriff zu starten. Jeden Winkel durchforstete ich.Wieder nichts! Frustriert musterte ich zu guter Letzt den Teppichboden … Da! Offensichtlich total groggy vom panischen Flug saß die Wespe regungslos etwa einen halben Meter entfernt von mir.
„Was, wenn die ihre letzten Kräfte mobilisiert und mir ins Gesicht saust …??“
Ein Schritt und noch ein zweiter auf sie zu. Dann:
„Kinder, ich hab` sie!!“
Mit letztem Mut hatte ich ihr per kühnem Schwung den Milchtopf übergestülpt. Peng! Das Minimonster war gefangen, wir gerettet.
Die Gesichter meines Nachwuchses gewannen allmählich wieder an gesunder Farbe. So ganz überstanden war es aber noch nicht. Ein Risiko blieb. Denn T.`s. Zwillingsschwester K. träumte wie üblich noch dem Mittag entgegen und ahnte ja nichts.
„Hoffentlich stolpert sie gleich nicht über den Topf und stößt ihn um. - Und, wie die Wespe dann darauf reagiert …? Die hat ja genügend Zeit gehabt, sich körperlich und psychisch zu erholen.“
Entsetzter Blick meiner beiden Töchter.
„Oh oh, das wird bestimmt echt lustig, Mama!“, kam von N. .
Als zusätzlicher Rettungsring fiel mir der schwere Schnellkochtopf ein.
„Der hält deren Stolperattacken stand. Und den kann die Wespe nicht anheben! - Eine gute Idee??“
T.`s Kommentar dazu:
„Wirklich genial, Mama!!“
Es klang etwas ironisch. Aber zum Glück beließ sie es dabei. Schonfrist für mich.
Fix holte ich mir das besagte Gefäß. Etwas mutiger geworden verpasste ich im Keller dem Milchtopf mit einem zweiten, noch lauteren `Peng!` jene gewichtige Mütze. Gerade noch rechtzeitig. Denn schon hüpfte K. die Treppe herunter.
„Du, vorm Hobbyraum steht der Schnellkochtopf auf dem Boden. Dadrunter sitzt eine Wespe. Tritt nicht gegen den Topf, sonst sind wir arm dran!“
Sie war tatsächlich schon richtig wach, nickte verständig und beschrieb um jenen Wespengefängnishochsicherheitstrakt einen weiten Bogen. Ums Wohlergehen des Insektes machte ich mir keine Sorgen. Monsterchen wurde unter dem doppelten Zylinder ja nicht gekocht und ausreichend Luft bekam es auch.
Und doch plagte mich erneut Kopfzerbrechen.
„Überlegt mal mit, wie wir das Vieh in die Freiheit entlassen können, ohne aber ein schmerzhaftes Abschiedsgeschenk entgegen nehmen zu müssen!“
Verlegenes Schweigen. Dann meinte K.:
„Schieb` doch vorsichtig etwas drunter. Dann kannst Du sie ´raus tragen.“
Rasch holte ich mir aus der Küche die flache Metallscheibe, mit der ich sonst Kuchen vom Backblech löste. Den Schnellkochtopf verfrachtete ich zurück in den Schrank. Den Milchtopf im Keller hob ich seitlich etwas an und schob die Scheibe darunter. Ganz langsam und sehr vorsichtig.
„Nicht, dass die Wespe im allerletzten Moment ...“
Aber zum Glöck krabbelte sie auf die Scheibe.
Fix trug ich das Scheibe/Milchtopf-Gebäude nach draußen vors Haus und setzte es mitten auf dem Weg ab. Meine Kinderschar hatte sich stillschweigend geeinigt, mich nun besser allein agieren zu lassen. So riss ich hastig den Topf mit der rechten Hand in die Höhe, wagte sogar einen flüchtigen Blick ´Gott sei Dank, die bleibt sitzen!`, flitzte zurück ins Haus und knallte sicherheitshalber die Eingangstür fest zu.
Atemlos stand ich dort, den nun belustigten Blicken meiner Töchter ausgesetzt. Sie waren ja in Sicherheit gewesen.
„Willst Du die Kuchenscheibe etwa liegen lassen? Die sieht dort zum Wimmern aus!“
Klar kam das wieder von N. . Ich, halb beleidigt:
„Quatsch!!“
Ich gönnte mir die Frist zweier schön langer Minuten, riskierte dann einen Blick nach draußen zur Scheibe und atmete auf:
„Juhuuh, das Biest ist weg!“
Anscheinend hatte sich die Wespe von ihrem Schock erholt und sich auf den Heimflug zu ihrer Familie gemacht.
„Hoffentlich wohnt die nicht in unserer Nähe!!“
Ich klaubte die Kuchenscheibe auf und schlurfte zurück ins Haus. Drinnen lehnte ich mich völlig erschöpft an die Wand. Überstanden!
Zu früh gefreut.
Ein gellender Schrei T.`s aus der Jugendetage:
„Mama, ganz schnell! Jetzt ist sie in meinem Zimmer!!“