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Rohrrreiniger zu Hilfe holen? Nicht schon wieder!

Von tastifix Dienstag 25.06.2024, 09:24 – geändert Donnerstag 11.07.2024, 05:47

Früh des Morgens, kurz bevor der Herr des Hauses zum Dienst und die Tochter zur Schule autbracheern, lief das Wasser in der Spüle nicht mehr ab:
„Ist verstopft. Ein Fall für die Rohrreiniger!“
„Vielleicht geht’s ja auch anders .…“, schielte ich grübelnd in die Runde.
„Mama, gib eine Pfefferminztablette rein und gieß Cola hinzu!“
„Bloß das nicht. Dann schießt der Dreck meterhoch!“, bremste ihr Vater.
Zweifelnd betrachtete ich meine blitzblanke weiße Hochglanzküche. Nein, dafür war sie mir zu schade. Tja - aber was nun?
Der Rest der Familie entschwand und überließ mir so die Lösung des Problems.

Kurz entschlossen hievte ich einen Eimer mit 10l heißen Wassers hoch, hielt ihn schräg und das Wasser platschte mit Schwung ins Spülbecken. Doch es bewirkte gar nichts. Stattdessen spritzte es nach allen Seiten und mir auf Hände und Arme, die sich sofort stark röteten. Auf der Haut bildeten sich mehrere winzige Blasen, die gemein zu brennen begannen.Tapfer ignorierte ich es und goss weiter, klar ohne jeden Erfolg. Das Wasser schwappte dagegen gar über den Rand des Beckens, der Küchenboden glich einer einzigen Pfütze.

Doch die Schmerzen wurden zu heftig, ich lief ins Bad, trug eine Salbe auf und verpasste mir ein Mullbindenkleid vom kleinen Finger bis zum Oberarm sowie vom Hals bis unter den Pony. Immerhin achtete ich trotz des Schreckens noch darauf, dass wenigstens zwei Schlitze für die Augen sowie zwei Löcher für die Ohren frei blieben. Meinem Spiegelbild flüsterte ich zu:
„Siehst aus wie eine tote Mumie!“
Inzwischen fühlte ich mich seelisch dermaßen matschig, dass ich die Blödsinnigkeit dieser Bemerkung nicht mehr registrierte.

In der Küche war das Wasser auf den Bodenfliesen während der paar Minuten meiner Abwesenheit rasch abgekühlt. Die Pfüftzenlandschaft zu meinen Füßen frustrierte mich. Ich versuchte es mit Galgenhumor:
„Kneip-Kuren sind ja gesund. - Und Kälte nimmt Schmerzen!!“

Es brachte mich auf eine Idee. Im Mund den Henkel des Putzeimers mit Aufnehmer, robbte ich wie ein Seehund durch die Pfützen zur Spüle und tauchte immer abwechselnd mein Gesicht und die Arme in die dort mich umwogenden Eiswasserwellen. Zwar minderte der dann klitschnasse, Kühlschrank temperierte Mull das Brennen, verwandelte mich aber in einen tropfenden Stalagtiten, den allerdings die Tatsache, dass er sich von der Stelle zu rühren vermochte, von seinen Namensvettern in den bekannten Höhlen wesentlich unterschied.

„Aber die schlottern nicht vor Kälte!“, murrte ich.
Meine Zähne dagegen klapperten eine bemerkenswert laute Klappermelodie und ich überprüfte besorgt, ob meine Gliedmaßen etwa schon halb abgestorben waren. Vorsichtig hob ich den linken Arm und bewegte den rechten kleinen Zeh:
„Puuh, Glück gehabt!“

Die Wischarbeit nahm ich denn mitnichten mehr auf, sondern stolperte ins Badezimmer. Hastig schnitt ich mir die Arktisverbände vom Körper.
„Ist direkt wieder nen bisschen wärmer!“
Trotzdem noch frierend und plötzlich heftig niesend verkroch ich mich mit einer extra großen Wärmflasche ins Bett, deckte mich mit drei riesigen Oberbetten bis zur Haarspitze zu und begann kurz darauf erneut zu tropfen. Diesmal jedoch vor Hitze.
´H..Hahahaatschi!!`
„Nicht mit mir! Tote Mumien werden nicht krank!!“, hämmerte ich mir ein und vergaß zum zweiten Mal, welchen Unsinn ich da redete.
Vorsichtshalber verblieb ich den restlichen Tag in meinem selbst gewählten Backofen. Gegen Abend nieste ich nicht mehr und fühlte mich fast wieder okay, zumal die Brandsalbe sehr gut wirkte.

Später dann verließ ich den schützenden Schwitzkasten und marschierte mutig sowie auch mit sehnender Hoffnung im Herzen vor meinen Schneewittchenspiegel.
„Sag an: Wer sieht am gesündesten aus in meiner Familie?“
„Der Papa Deiner Kinder in seinem Büro und Deine Töchter in der Schule sehen gesund aus, aber Du hier vor mir siehst tausendmal gesünder aus als sie!!“
Misstrauisch beäugte ich mich. Mir sah, wie auch sonst immer vor diesem verrückten Tag, etwas Wachsbleiches entgegen.
„Eine Leiche auf Urlaub! - Ist ja normal für mich!“
Ich war zufrieden. Der Spiegel hatte die Wahrheit gesagt.

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