Möchtest Du auch ...??
Von
tastifix
Montag 09.08.2021, 09:57 – geändert Montag 09.08.2021, 10:09
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tastifix
Montag 09.08.2021, 09:57 – geändert Montag 09.08.2021, 10:09
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In unserer Familie tat es niemand. Meine Eltern nicht und schon gar nicht wir Kinder. Zumindest unsere frühe Kindheit lang durften wir das mit Fug und Recht von uns behaupten. Aber danach ...
Mein sehr viel älterer Bruder zählte sich mit seinen fast 16 Jahren bereits zu den selbstverständlich außerordentlich selbstbewussten Twens, deren selbstsicheres Gehabe jedoch die Erwachsenen nicht für wahre Münze nahmen. Brachte nämlich einer aus seiner Clique eine Idee an, folgte daraus gleich ein Serienspektakel. Denn allein in der Gruppe fühlten sie sich stark, nur dort ließ sich in etwa verbergen, wie labil sie eigentlich noch waren. Wäre dem nicht noch so gewesen, wäre nämlich nie passiert, was dann zuhause folgte.
Kleine Schwestern bewundern ihren großen Bruder, umso mehr, wenn dieser schon viel erwachsener zu sein scheint. Was sie aber noch nicht durchschauen, ist, dass der Bruder und dessen Freunde nur so tun als ob.
Ich war eine solche kleine Schwester, 9Jahre jung, die ihren Bruder fast vergötterte, in ihm neben meinem Vater den Inbegriff alles Männlichen sah. So riss ich denn auch in maßlosem Entsetzten meine Kinderaugen weit auf, als ich eines Nachmittags etwas Schreckliches entdeckte. Es roch so eigenartig aus dem Kinderzimmer. Neugierig schlich ich näher und stieß die Tür auf. Mein Bruder lehnte lässig gegen den Tisch und hielt etwas zwischen den Fingern der rechten Hand. Mit der linken wischte er beinahe beleidigter Miene vor seinem Gesicht herum. Wieder und wieder. Mein Herz begann wild zu klopfen.
Auf einen Schlag war mir klar:
Der machte etwas Verbotenes. Etwas, was meine Eltern garantiert auf die berühmte Palme brachte, falls sie dahinter kommen würden. Denn es war fast noch schlimmer als vor dem Schlafengehen nicht zu beten.
Dann drohten mir meine schwesterlichen Augen aus den Höhlen zu treten. Auf den zweiten Schlag hatte ich nämlich erkannt, was eigentlich er da machte: Der rauchte! Mein Bruder, mein großes Vorbild, qualmte, was das Zeug hielt!! Wir würden es auch nicht geheim halten können, denn im Zimmer stank es mittlerweile wie die Pest. Selbst zu lüften würde so schnell nichts mehr nützen. Der Rauch hatte sich ruckzuck in jeder noch so winzigen Ritze festgesetzt.
Doch es sollte noch heftiger werden: Mein Bruder, der eindeutig gleich mir ein unvermeidbares Donnerwetter von oben, ääh, eher von Seiten unserer Erziehungsberechtigten erwartete, hatte die Ausweglosigkeit seiner Lage längst erkannt und sagte sich wohl:
´Noch ´nen bisschen mehr ist jetzt auch egal!`
Er spann also weitere noch halbstärkere Überlegungen und nahm sich tatsächlich ein sehr dreistes Experiment vor, in dem ich eine wesentliche Rolle übernehmen sollte. Er wollte mich in die Gepflogenheiten der Jugend einweisen und rechtfertigte dies mit:
´Immerhin ist sie ja schon 9!!`
Kurz entschlossen schickte er sein Gewissen in Urlaub, zog eine zweite Zigarette aus der Schachtel, zündete sie an, stellte sich neben mich und steckte mir, der mir der Mund vor Schrecken immer noch offen stand, den Glimmstengel zwischen die Zähne. Ich gierte nach neuem O-O und atmete tief ein. Das hätte ich ahnungsloses Küken besser sein lassen sollen … Weil ich mich an dem Zeug furchtbar verschluckte, begann ich zu spucken und heftig zu husten.
´Iih! Ist das ekelig!!`
Es schüttelte mich nur so. Puterroten Kopfes röchelte ich wie aus dem letzten Loch. Der ungewöhnlich frische Teint meiner Wangen vermochte mich keinesfalls zu trösten. In mir stieg Wut hoch.
´So eine Gemeinheit! Wie kann er nur …?!!`
Eigentlich wollte ich ihm entgegen schleudern, was ich da von ihm hielt. Die Anstrengungen hätte ich mir getrost ersparen können, denn meine Stimme war fast weg. Was ich noch so gerade hinbekam ... Krähengezeter war Sopran dagegen.
„Ha..ast Du … se … n..ch … all..??“
Wie gern hätte ich den letzten Buchstaben auch noch angehängt, um danach die Wirkung meiner Bemerkung garantiert ganz doll auskosten zu dürfen. Doch dies blieb mir verwehrt. Das doofe Mini-E fand den richtigen Lautweg nicht und steckte in der Kehle fest.
Dies war Grund genug für mich, noch saurer zu werden als ich es ohnehin schon war. Nun nicht allein auf meinen Bruder, sondern zusätzlich auf den dämlichen Buchstaben, der sich meinem kindlichen Willen dermaßen unverschämt erfolgreich widersetzte. Kurz darauf war eine Zitrone süß gegen mich. Prompt bremste ich mich auch nicht länger:
´Wenn schon nicht so, dann eben anders!`
Es tat den dritten Schlag:
Ich holte aus und haute zu!
Wenigstens das klappte!!
Mein Bruder bekam übrigens Zigarettenschachtelentzug und obendrein noch eine ganze Woche Hausarrest.
Äätsch!!!