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Hermann und das neue Schlafzimmer

Von oscarlo Freitag 10.11.2023, 07:09

Hermann, war ein ziemlich sparsamer Mensch. Jedenfalls, was seine eigene Familie betrifft. Das "eingesparte" Geld gab er regelmäßig als Spende in seiner katholischen Kirche ab. Er hoffte sich so, von seinen sonstigen Sündern frei zu kaufen.
Das bedeutet aber ein ziemlich schweres Leben für seine Frau Trudel . "Waschmaschine brauchst du nicht...meine Mutter hatte auch keine" das war so ein typischer Spruch von ihm.
Sie lebten auch schon ca. 20 Jahre mit den gleichem Mobilar. Das einzige, was neu war, war eine defekte Glühlampe im Kronleuchter im Wohnzimmer. Der war zwar 5- flammig aber nur 2 der Lampen durften leuchten...auf Hermanns Geheiß.
An einem Sonntag im April, die ersten Sonnenstrahlen hatten den Kirchgang erträglich gestaltet, kam er zum Mittagessen mit einem leuchtenden Gesicht.
"Trudel du wolltest doch immer ein neues Schlafzimmer, oder?" ....darauf Trudel " Ach du alter Krakel...wir haben gar kein Geld für ein neues Schlafzimmer, was hast du nun wieder angestellt? "...Hermann schwieg, aber ein listiges Grinsen aus seinen Augen zeigte, daß er strategisch vorging.
Nach dem Kaffeetrinken am Nachmittag hielt er es nicht mehr aus: " Trudel, ich habe ein neues Schlafzimmer gekauft, das bekomm ich nächste Woche Sonnabend. " Ein "neues Schlafzimmer " ..sowas gab es noch nie bei Hermann. " Klar am Sonntag gekauft ...welcher Laden hatte denn auf? " fragte Trudel misstrauisch. " Keiner, ich hab in der Kirche für 150 Mark das vom Küster gekauft...der hat ein neues und braucht sein altes nicht mehr. Und seins hat noch einen riesigen großen Holzschrank...echt Eiche, kein Presspan" sprudelte es aus ihm hervor. Gertrud resignierte...was sollte sie auch tun, er war der Herr im Haus.
Am kommenden Sonnabend hatte Hermann einen Kollegen und 3 männliche Familienmitglieder zusammen getrommelt um den großen Schrank ins Schlafzimmer zu transportieren. Er wohnte in einer alten Fabrikantenvilla mit Marmorstufen und Wendeltreppe im 2.Stock. Der Schrank wurde vom Vorbesitzer mit einem LKW angeliefert..er liess sich nicht demontieren und war sauschwer. Hermann führte das Kommando." Vier Mann - vier Ecken....ich geh vor und mach die Türen auf ", war seine kurze aber bestimmte Einweisung. Und weg war er. Die Männer schauten ungläubig und stemmten das Riesenteil die ersten Treppenstufen hoch. Unter ziemlich viel Mühe und noch mehr Gefluche, schafften sie es bis in die Hermanns Küche. Dort war Feierabend. Hermann hatte vergessen den Schrank auszumessen und die Tür war definitiv zu klein. Also wieder runter....Hermann ging wieder vor. Unten gab es für alle eine Flasche Bier...Hermann hatte nur zwei gekauft und eine trank er selber. Er nannte das christliches teilen. Herman wäre nicht er selbst gewesen, wenn er keine neue Idee hätte. Den Schrank zu Feuerholz zu machen...neee das kam nicht in Frage.
"Wir machen es anders...schaut mal nach oben, da ist eine Seilrolle unterm Dach von den Handwerkern. Da binde ich ne Wäscheleine an. Das Fenster kann man aushängen und es ist groß genug, ich hab es ausgemessen" sprach er und holte Trudels alte Leine aus dem Keller. Diese wurde durch die Rolle gezogen und um den Schrank geschlungen. Zwei der Männer sollten ziehen, einer den Schrank gerade führen und der vierte ging nach oben um ihn ins Schlafzimmer zu ziehen, wenn er oben wäre. Guter Plan..naja kam aber von Hermann.
Er selbst wollte auch an der Leine ziehen. Und los gings. Der Schrank hob sich ca. 10 cm vom Boden ab und ....dann krachte er wieder runter. Ihm folgte die Seilrolle, welche dem Gewicht des Schrankes nicht gewachsen war und knapp neben dem Kopf des Schwagers, der den Schrank führen sollte, einschlug. Nach dem ersten Schreck lachten alle erleichtert auf und hofften, daß Hermann den Schrank nun zerhacken würde.
Aber nein...schnell holte er aus dem Schuppen den alten Leiterwagen, der ihm seit der Flucht aus Brieg in Schlesien gute Dienste leistete. " So wir bringen ihn in den Garten und ich stell ihn in die Laube...also macht ihn schön fest und schafft ihn raus...ich mach die Türen auf und räum in der Laube alles frei, daß er rein kann"...sprachs und setzte sich auf sein Rad und war weg. Die vier Männer kannten Hermann ja...also legten sie den Schrank auf den Leiterwagen, banden ihn fest und zogen los. Zwei vorn , zwei hinten. Es waren etwa 3km bis in den Garten und es ging auch bergauf. Aber sie waren guten Mutes, denn Hermann meinte, es wäre noch ein Kasten Bier im Garten. Nun der Mut verliess sie ziemlich schnell. Nach etwa 300 Metern gab es einen Krach und der Wagen stand schief. Ein Rad war gebrochen. Was nun ? Nun, einer musste nun immer die Achse hoch halten und sie fuhren unter wilden Flüchen weiter. Sie wechselten sich ab...aber es war doch die Hölle.
Im Garten angekommen, jammerte Hermann nur wegen des Rades...mit viel Mühe konnten sie den Riesenschrank in die Laube schieben...er passte genau bis unter die Decke und füllte das kleine Laubenzimmer zur Hälfte aus. Was schreib ich hier von Laube ? Es war ein Bausatz, den man als Hühnerstall verkauft hat. Hermann hat ihn dann als Laube "umgebaut". Die 5 tranken noch locker den Kasten Bier aus, damit hatte die Aktion noch einen Sinn.
Ca. 6 Monate später gab es in der Gegend einen ziemlichen Sturm. Hermann hatte für seine "Laube" beim Bau kein Fundament gemacht. So hatte es der Sturm nicht schwer einen durchgefaulten Eckpfosten zu knicken. Hermann schlief zu der Zeit in der Laube. Er hörte den Sturm und auch das zerbrechen des Pfosten und befürchtete das Schlimmste. Mit einer Taschenlampe (Strom hatte er nicht im Garten) leuchtete er nach oben und sah ....der Schrank hat die Laube vor dem Einsturz gerettet. Sie stand so noch etwa 14 Jahre bis der Garten verkauft wurde.
So hatte Hermanns Erfindergeist und sein Gottvertrauen auch diese Geschichte zu einem guten Ende gebracht.
(G. P.)

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