Neu hier? Lies hier über unser Motto gemeinsam statt einsam.
Mitglied werden einloggen




Passwort vergessen?

4 3

Fremd

Von tastifix 23.10.2022, 15:00 – geändert Dienstag 25.10.2022, 11:25

Es hatte lange gedauert. Er war plötzlich da, an einem Ziel, dass er sich vorgestellt hatte ohne eine Ahnung davon zu haben, was ihn hier erwarten würde. Ihm war nur klar, dass er so ausschauen musste wie sie. Sonst würden sie sein Anderssein bemerken, erschrecken oder auch aus Angst aggressiv werden. Wie gefährlich Aggressivität werden konnte, wusste er gar nicht. Er ahnte nur, dass dies für ihn nicht gut wäre. Verunsichert ob all des Unbekannten, das ihn umgab, lief er zögerlich weiter über den harten platten Boden, an den Seiten eingerahmt von größeren Steingebilden mit jeweils einer hohen und mehreren kleineren Öffnungen.

Die Wesen, die ihm begegneten, beachteten den so schweigsam an ihnen vorbei schlendernden Spaziergänger nicht sonderlich. Er schien, gekleidet wie ein Bauer, ein solcher aus den Bergen zu sein. Jene lebten oftmals sehr isoliert mit ihren Tieren und besuchten den Ort nur anlässlich der Einkäufe, der Vieh- und Lebensmittelmärkte. Ein paar grüßten ihn freundlich, doch er nickte nur. Deshalb wandten sie sich dann wieder ab.

Neugierig schaute er sich um und sah dem geschäftigen Trubel ringsum zu. Es wurde verkauft und gekauft. Doch ihn plagten weder Hunger noch Durst. Aber ständig stärker wurde der Wunsch, sich mit jenen Wesen auszutauschen. Fast am Ende des platten Bodens angelangt, entdeckte er ein etwas kleineres Steingebilde, dessen Öffnungen mit eigenartigen Klappen verschlossen waren. So, wie er es hier öfters beobachtet hatte, klopfte auch er dann mit der Hand dagegen. Es antworteten schlurfende Schritte, ein älteres Wesen trat heraus und schaute ihn freundlich fragend an. Weil dessen Blick dermaßen offen war, erklärte er mit Mimik und Gestik, dass er hier fremd wäre und viele Fragen hätte. Doch diese Art der Verständigung erwies sich als sehr umständlich. Aufmerksam formte er erste Wörter nach, verstand rasch deren Bedeutung und bildete einfache Satzfetzen. Bald verließen sie endgültig die Ebene der bislang fast stummen Konversation und unterhielten sich in der hier üblichen Sprache.

Er erfuhr, dass dieser Planet ´Erde` hieß, jene Wesen sich ´Menschen` nannten und auch über deren Lebensweise. Als sein Gegenüber geendet hatte, versicherte er ihm, dass er aus Neugierde wie auch in friedlicher Absicht gekommen sei und sein Volk sehr darauf hoffe, dass sein Besuch den Beginn einer Freundschaft zwischen ihnen bedeuten könne.
„Ich habe mich so verkleidet, damit sich niemand erschrickt, wenn er mich in meiner wirklichen Gestalt sieht.“
„Würdest Du Dich denn mir jetzt zeigen?“
„Ja, wenn Du Vertrauen zu mir hast!“
Der Andere nickte. Hocherfreut verschränkte der Fremde die Hände und schaute zum Himmel, und, wie es schien, weiter und weiter ins All hinein. Im nächsten Moment stand dem Menschen nicht länger ein Fremder in Bauernkleidung gegenüber, sondern eine hohe, sehr muskulöse Gestalt mit übergroßen fast schwarzen Augen, die ihn nun aber herzlich anblickten.
„Ich stamme von weit her, von einem mehrere Galaxien entfernten Planeten. Wir kennen keine Häuser wie Eure, sondern nutzen die riesigen Höhlen der Felsen. Alles, was wir brauchen, denken wir uns herbei. Mangel irgendwelcher Art kennen wir nicht und keine verschmutzte Luft, die Krankheiten verursachen könnte. Genauso gibt es keine kriegerischen Auseinandersetzungen. Wir leben in Frieden miteinander. All dies zusammen trägt dazu bei, dass wir uralt werden und deshalb solche gewaltigen Entfernungen wie die zwischen Eurer Erde und unserem Planeten überwinden können!“
Er schwieg kurz. Dann fragte er:
„Ich bin Erek. Und wie heißt Du?“
„Martin! - Schade, eine solche Reise bleibt uns dagegen vielleicht für immer verwehrt!",murmelte Martin nachdenklich.
„Eines Tages“, meinte Erek lächelnd, „eines Tages wird es möglich sein - in ferner Zukunft! - Aber nun muss ich zurück in meine Welt! Martin, mach`s gut, denke ab und zu an mich und erzähle den Anderen über mein Volk!“
Wieder verschränkte Erek die Hände, schaute erneut in die Ferne, trug wieder die Kluft eines Bauern und wanderte davon.

Martin, der Mensch und des Alien Erek`s neuer Freund, berichtete allen Bewohnern des Ortes, was geschehen war und betonte feierlich:
„Vergesst es nie wieder: Wir sind nicht die Einzigen!!“

Du möchtest die Antworten lesen und mitdiskutieren? Tritt erst der Gruppe bei. Gruppe beitreten

Mitglieder > Mitgliedergruppen > Kreativ Schreiben > Forum > Fremd