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Extrem höfliche Bedienung, g

Von tastifix Samstag 30.07.2022, 09:53 – geändert Samstag 30.07.2022, 10:04

Tja, ich stand im Supermarkt vor der Kasse und mindestens sieben Kunden vor mir.

Eine nette ältere Dame hinter mir:
„Ja, hier stehen wir nun ...“
Ich zurück:
„ ... und des garantiert noch ´ne ganze Weile!“
Die junge Dame vor mir:
„ Die zweite Kasse … Dort sitzt ja jemand. Ob die vielleicht … ?“
„Hm! Hmmm!“, murmelte ich.

Wir scherten aus der Schlange aus, positionierten uns sicherheitshalber schon mal zwischen langer Schlange links und noch nicht vorhandener Schlange rechts und beobachteten die Frau dort mit Argusaugen, bereit, uns mit einem waghalsigen Hechtsprung die vordersten Warteplätze an Kasse Zwei zu reservieren. Derweil ordnete jene Kassiererin im Zeitlupentempo Zigarettenschachteln ein.
Der jungen Frau vor mir wurds zu dumm:
„Entschuldigen Sie: Öffnen Sie?“
„Gleich!“, kam genervt, begleitet von ziemlich vorwurfsvollem Blick. „Ich sortiere gerade Schachteln ein.“
Ungerührt ob der murrenden Kunden ordnete sie in aller Gemütsruhe weiter. Wir standen uns unnötigerweise mehrere Minuten die Beine in den Bauch.

Die junge Frau wagte es ein zweites Mal:
„Öffnen Sie denn jetzt die Kasse?`“ , fragte sie sehr freundlich.
„Ja!!“
Diesmal fiel der Blick sehr giftig aus.
Egal! Die ältere Dame hinter mir und wir hechteten auf Warteposition 1,2 und 3 an Kasse Zwei und atmeten auf. Das hätten wir besser gelassen, denn nun wurde noch heftiger gemeckert. Es war anscheinend ein unverfrorener Verstoß gegen den Kundenknigge gewesen, so durch die Blume darauf hinzuweisen, dass Schachteln nicht weglaufen und man sie also durchaus erst später hätte einräumen können.
„Sie waren aussprochen höflich!", raunte ich ihr zu. „Wird man ja wohl noch dürfen, wenn es an Kasse Eins nicht voran geht!“
Nein, brave Kunden hatten schweigend zu warten und sei es, fast bis zum Geschäftsschluss.
Es folgte dann ein kurzer verbaler Schlagabtausch zwischen Kassiererin und Kundin. Letztere erwies sich als sehr pfiffig und würzte alles mit Humor. Ihr Gegenüber gab sich sehr bald geschlagen, rang sich ein Lächeln ab und die Kundin verstaute aufatmend den Einkauf.

Jetzt kam ich an die Reihe. Die Miene der Kassierin verdüsterte sich sichtlich:
„Soo wenig? Nuuur die Paprika?!!!“, versetzte sie pikiert.
„Ja!“
So allmählich fühlte ich mich zurückversetzt in die Schulzeit, wenn ein Eintrag ins Klassenbuch drohte. Nur, dass diese Szene hier jetzt weitaus lächerlicher war. So entschied auch ich mich, alles mit Humor zu nehmen.
„Jaa, aber immerhin doch drei davon!“, lag es mir auf der Zunge, verkniff es mir aber.
Was ich mir jedoch nicht verkniff, war:
„Ich weiß ja, es ist nicht gerade viel, aber ich könnte ja nochmals durchs Geschäft marschieren und von jedem Regal mindestens einen Artikel mitnehmen. Dann wäre es wahrscheinlich okay, oder?“
Es erschien mir wie ein Wunder: Jetzt lachten nicht nur die beiden Damen und ich, sondern selbst die Kassierin schmunzelte.

Doch im Stillen war ich mir nicht so ganz sicher:
"Nee, dann würd` sie anmerken: ´Soo viel?!!!`"

Draußen erklärte ich der Jüngeren.
„Hach, bin ich jetzt erleichtert. Nun marschier´ ich mit ruhigem Gewissen nachhause!“
Wir grinsten, wünschten einander einen schönen Nachmittag und verabschiedeten uns voneinander.

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