Es war nur ein kleiner Beitrag, aber ...
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tastifix
Mittwoch 27.07.2022, 10:07
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tastifix
Mittwoch 27.07.2022, 10:07
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Die junge Frau stand auf der Anhöhe, starrte deprimiert auf verdorrte Felder, karge Wiesen und dann auch hinüber zu dem kleinen Wald
„Alles kaputt!“
Bereits wochenlang hatte es nicht mehr geregnet und, fielen ab und an wenige Tropfen, nahm die harte, bröckelige Erde sie nicht mehr auf. Unwillkürlich dachte Annelie daran, wie es früher hier gewesen war: Prächtige Bäume streckten sich dem Himmel entgegen, auf den Feldern wuchsen reiche Ernten heran und die Wildblumenwiesen hatten die Leute erfreut.
„Vorbei!“, murmelte Annelie, „ gut, dass er es nicht sehen muss!“
„Er“ war ihr vor kurzem verstorbener Onkel, der ihr, weil er selber kinderlos geblieben war und sie sich bestens verstanden, alles vererbte: Das schöne verwinkelt gebaute Fachwerkhaus, zu dem damals unter einem breiten Rosenbogen hindurch entlang hübscher Blumenbeete eine Auffahrt führte und das mit den mit Wiesenblumen bepflanzten Kästen vor jedem Fenster sehr romantisch wirkte, die Wiesen und auch die zwei angrenzenden Felder.
Er war es gewesen, der ihr in besonderer Weise die Liebe zur Natur und damit die Achtung vor allem tierischen und pflanzlichen Leben vermittelte. Stundenlang schwärmte er vom Gesang der Vögel, schilderte seine Begegnungen mit verschiedenen Tieren aus Wald und Wiese und beschrieb die Schönheit der Pflanzen. Selbst das winzigste Blümchen fand noch seine Beachtung. Die kleine Annelie hatte begeistert zugehört und es prägte sie.
Und nun, viele Jahre später, musste sie sehen, wie alles vernichtet wurde. Nicht allein wegen der anhaltenden Trockenheit, sondern ihr kam unwillkürlich der Gedanke daran, was der Mensch mit seinen Übergriffen in der Natur anrichtet.
´Dürfen wir mit der Tierwelt umspringen, wie es uns gerade passt? Brauchen wir unbedingt noch weitere riesige Hotelanlagen, für die die Natur weichen muss, den Tieren endgültig ihr Lebensraum-genommen wird? Und – brauchen wir Baumhäuser, für die gesunde Bäume gefällt werden? Nur der menschlichen Geltungssucht wegen??`
Sie wusste für sich die Antwort:
„Nein! Alles müsste im Gleichgewicht bleiben!!`
Jene Erinnerungen weckten eine Sehnsucht, die stärker und stärker von ihr Besitz ergriff.
„Es gibt Hoffnung!“, sagte sie laut.
Ja, es gab die Möglichkeit, es anzugehen.
„Es gehört jetzt alles mir: Das Haus, die Wiesen und auch die Felder! Ich kann etwas ändern!!“
Auf einmal glitt ein zögerliches Lächeln über ihr Gesicht. Die nur negativen Gedanken verloren an Gewichtigkeit und es formten sich bereits Ideen:
´Ich werde eine Oase aus diesem Fleckchen Erde machen. Nicht allein für mich, um im Alter hier zu leben, sondern auch für Andere als einen Rückzugsort vor der Hektik des Alltags. Es soll ein kleiner Park entstehen mit einem großen Teich, dann Heimat für verschiedene Tiere, und an jenem werde ich ein kleines Cafe errichten lassen. Beim Blick aus den Fenstern auf die ringsum gedeihende Natur werden die Menschen Erholung genießen und es wird sie nachdenklich machen.`
Aus ihren Überlegungen in die Realität zurück findend, wurde ihr klar, welch einen Aufwand der Plan erforderte.Wegen des Finanziellen müsste sie sich keine Sorgen machen. Es war genügend Geld vorhanden.
„Mein Paradies hier wird nur ein kleiner Beitrag sein, aber es könnte viel, vielleicht sogar eine Umkehr bewirken!“
Leichten Schrittes stieg sie die Anhöhe hinab und wanderte zurück in die kleine Stadt, in der sie daheim war.