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Es war nicht mehr zu umgehen ...

Von tastifix Samstag 15.05.2021, 19:41 – geändert Samstag 15.05.2021, 19:48

Vor ein paar Jahren machte sich in meinen Gehirnwindungen eine gefährliche Idee breit. Vehement versuchte ich sie zu verdrängen. Jedoch, sobald ich meine Küche betrat, wirbelte sie mir wieder dreist im Kopf herum. Einige Monate lang widerstand ich noch, denn es grauste mir vor dem andernfalls für die Nerven strapaziösen Unterfangen:
„Quatsch! Bisher ging es ja auch, also, was soll`s!"

Doch nach jener Galgenfrist war endgültig Schluss. Zwei Schranktüren hingen im 45-Grad-Winkel herunter, zwei der Platten meines Ceran-Kochfeldes hatten ihren Strom-Geist aufgegeben und ich entschied, nun nach über zwanzig Jahren wäre endlich eine neue Küche fällig.
"So nicht mehr!!"
Wir luden den Gelb-Blau-Küchenplaner herunter und planten. Es wurde wahrlich amüsant, denn die lustigen Stunden, die der uns angekündigt hatte, endeten damit, dass wir fast vor Unmut platzten. Der Kühlschrank war nur noch 40cm breit und der Herd stattdessen 80cm.
„Irgendwas stimmt da nicht!“
Darin waren wir uns einig, weswegen wir auch elegant einem sonst sicherlich sehr aufregenden Disput aus dem Weg gehe konnten und auch rasch des Denkproblems Lösung angingen:
„Wir messen noch mal nach!"
Erleichtert durften wir feststellen, dass wir total normal breite Küchengeräte besaßen.

Drei weitere Stunden voller Hin-und-Her-Überlegungen folgten. Unsere Kinderschar wollte ja bald ausziehen. So wünschte ich mir eine zweite Schrankzeile an der Wand, an der bislang eine große Sitzecke gestanden hatte. Zudem sollte dort ein Mini-Essplatz für zwei Personen entstehen. Wir entschieden uns für eine weiße Hochglanzküche in Fast-U-Form mit Rahmenfronten, Decken hohen Schränken und Hängeschränken, also alles mit sehr viel mehr Stauraum. Guten Mutes fuhren wir zum gelb-blauen Möbelparadies, fanden dort aber nichts, was unseren Wünsche in etwa entsprochen hätte.

Anschließend in einem Fachgeschäft wurden uns total überzogene Preise genannt.
„Nee, für eine Einbau-Mikrowelle zahle ich doch keine 722 Euro! Haben wir Pech, geht sie nach ein paar Monaten kaputt und dann wird erneut ne neue fällig! Außerdem funktioniert die alte ja noch!“
Der nette Berater führte uns dann - mit Hundeblick zu mir - einen Backofen vor. Der hatte ein Intensivgrill-Programm und bot so einige Raffinessen, von denen ich überhaupt nicht gewusst hatte, dass es sie gibt. Jenes gute Stück sollte dann auch "nur" fast 2500 Euro kosten.
„Darum der Hundeblick!!“, flüsterte ich dem Papa meiner Kinder zu.
Der grinste vielsagend.
„Sie wissen ja: Es gibt auf alles 50% Rabatt!", erklärte der Berater und machte dabei ein Gesicht wie der Weihnachtsmann, wenn jener seine Gaben an die ach noch so gläubigen Kleinkinder austeilt.
Leider war er mit seiner Taktik an die Falschen geraten. In der Hinsicht sind wir beide Realisten:
„Sobald man Sonderwünsche äußerst, hat es sich was mit dem Rabatt. Dann klettert der Preis fixer als ein Affe in die Höhe!"

Kurz entschlossen wechselten wir aus dem gastfreundlichen Euro-Lokal in ein anderes und ließen uns dort erneut beraten. Obwohl er ja verkaufen wollte, gab uns jener Berater Recht und zusätzlich noch einige sehr nützliche Tipps. Selbstverständlich sprachen wir auch über das erwünschte Fronten-Outfit der neuen Küche.
„Der mittlere Hängeschrank über dem Essplatz soll eine Glastür haben. Das lockert die Optik ein wenig auf."
„Möchten Sie Milchglas?"
„Bloß kein Milchglas. Das kann ich nicht ausstehen und bitte nur ganz normale Einlegeböden.

Derweil hatte der Papa meiner Kinder ungewöhnlich lange geschwiegen. Seine Stirn zeigte nun verdächtige steile Denkerfalten.
´Er grübelt - und wie!`, sagte ich mir.
Ich wartete geduldig. Zu meinem Glück musste ich nicht mehr allzu lange warten. Erschüttert sah er mich an:
„Ist Dir auch klar, was das bedeutet? - Dann muss ich ja dort immer alles ordentlich rein stellen ... !!?"
"Allerdings!!", trumpfte ich auf.

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