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Er wollte doch nur ...

Von tastifix Donnerstag 22.09.2022, 09:15 – geändert Freitag 23.09.2022, 15:15

Klar war ich allein aus extremer Nächstenliebe seit zehn Jahren nicht mehr beim Zahnarzt gewesen, denn der hätte mir schon zuvor in der Seele leid getan.

Nach jener Mini-Zeitspanne jedoch ließ es sich nicht mehr umgehen. Zwar kam es von meiner Seite aus nicht zum Mordversuch, denn davor hielt mich der letzte Rest an Anständigkeit zurück, aber ich bediente mich Vorgehensweisen, die auf ausgesprochen eindrucksvolle Weise zur erheblichen körperlichen Beeinträchtigung des armen Dr. Ich-bohr-ja-nur führten.
Zum Beispiel der Biss auf die Finger:
Dies fällt heutzutage leider meist flach. So auch für mich, denn der Arzt verpasste mir aus weiser Voraussicht eine Mundsperre. Ich quittierte es mit wütenden Blicken.
´Falls Du Dr. Frankenstein-Verschnitt annimmst, mich so schachmatt setzen zu können, irrst`e Dich aber gewaltig!`

Ja, und des hatte schlimme Folgen für ihn. Ich nutzte nämlich eine andere, gleichfalls sehr beeindruckende Taktik:
Die Fantasie ließ den sich mir bedrohlich nähernden Bohrer zu einem Ungetüm von mindestens 40cm Länge sowie einer Dicke von ungefähr 2cm anwachsen und prompt verflüchtigte sich sämtliche Erinnerung an meine gute Erziehung:
´Denkste, nicht mit mir!`
Der ahnungslose Arzt wollte sich gerade gelassen an die Arbeit begeben, als ich es ihm auf eine für ihn denn unvergessliche Art und Weise vereitelte. Zu seinem Pech hatte er vergessen, auch meine Arme zu fixieren und diese eigentlich total unsportlichen Greifwerkzeuge bewiesen im nächsten Moment, genauso für mich selber höchst überraschend, extreme Sportlichkeit.
„Aauu!!“
Im Gesicht noch weißer als sein blendend weißer Kittel, taumelte Dr. Ich-bohr-ja-nur zurück, starrte mich entsetzt an und hielt mitnichten länger das Schleifinstrument in der Hand, sondern dagegen sich mit derselben die Wange, die sich in Sekundenschnelle feuerrot färbte. Im Gegensatz zu ihm, der verzweifelt um Fassung rang, war damit, dass ich ja den Frust los geworden war, bei mir die seelische Stabilität wieder hergestellt. Leider erkannte ich dann den Bohrer auf einmal wieder als den Winzling, der er wirklich war. Dennoch legte ich keinen Wert darauf, mich auf eine nähere Bekanntschaft mit ihm einzulassen. Darum nutzte ich den angeknacksten Gemütszustand des Gottes-in-Weiß, rutschte fix vom Folterstuhl herunter und suchte das Weite.

Ehrlich, wie ich ja bin, gebe ich zu, dass mir in jenen Minuten das Wohl- beziehungsweise eher das Unwohlbefinden des Arztes total egal war.

Und noch ehrlicher gebe ich zu, dass ich mir dies nur ausgedacht habe ...

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