Die Maschine
Von
CeeBee
Dienstag 19.04.2022, 15:37
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CeeBee
Dienstag 19.04.2022, 15:37
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Von früher kannte ich mich aus, weil ich die Elektrizität gelernt hatte und war deshalb der Mann, sprich, die Axt für Spannung und Strom im Hause. Zum Beispiel zündete ich immer die Kerzen an, wenn die Sicherung total durchgeknallt war oder unser Stromlieferant wieder mal blöd daher kam, weil man die Rechnung für ein kleines Weilchen erstmal nicht so direkt bezahlt hatte, sondern hin und wieder ein paar Monate später halt, jedoch nach der Pause dann aber sofort. Dafür war ich zuständig, also auch in dem Falle, für die Kerzen.
Aber ich konnte Staubsauger, Toaster, Kühlschrank und ähnliches, Radio auch. Das durfte ich, aber Waschmaschine, das war Niemandsland für mich, verbotene Zone. Das war das Spezialgebiet von meiner Ex.
Noch heute denke ich, das hat sie absichtlich gemacht, um mich in eine Abhängigkeit reinzukriegen. Manchmal, wegen Sex oder so, wenn sie nicht mitmachen wollte, konnte ich ja immer noch sagen: na gut, dann mache ich es eben selber, aber bei der Waschmaschine war immer gleich Ende von der Fahnenstange. An die durfte ich nicht ran.
Manchmal, und besonders, wenn ihr, also meiner Ex, etwas nicht recht war, musste ich wochenlang, na ja wochenlang nicht gerade, vielleicht nur ein paar Tage, aber gerochen hats wie nach Wochen. Dann musste ich immer klein beigeben, damit ich wieder ohne schlimm zu riechen irgendwie das ganze Soziale machen konnte, bis ich drauf kam, mir bei Stunk, und der ist hier im wahrsten Sinne des Wortes zu nehmen, einfach neue Hemden zu kaufen und Unterwäsche, manchmal auch Socken. Da war ich schon, sagen wir mal, erheblich befreit. Was im Nachhinein eine schöne Idee war. Das hat mich nach der Trennung, wegen der Reinheit und so, für die erste Zeit ziemlich über Wasser gehalten.
Der Gipfel der Bösartigkeit, war ja der, dass meine Ex fast alles mitgenommen hatte ... bis auf die Waschmaschine. Das war ziemlich gemein, so rein gefühlsmäßig gesehen.
Und irgendwann kam der Tag, da konnte ich nicht mehr, also, da konnte ich keine frischen Hemden mehr finden und hatte auch keinen Bock mehr, mir immer wieder Neues zu kaufen. Das macht ja über die Jahre auch überhaupt keinen Sinn, fiel mir dann auf.
Ja, dann kam der Tag, dass ich mir das alte Möwchen mal zur Brust nahm. Erstmal gucken. Alles. Knöpfe, Beschriftung, Lampen, Schubladen rein raus und die große Luke auch auf zu. Immer wieder. Und dann mal laufen lassen und gucken und Hände weg. Natürlich gab es keine Bedienungsanleitung, wegen der schieren Boshaftigkeit.
Man hat ja täglich mit Stromgeräten zu tun, irgendwie. Und traut sich schon einiges zu, mit Bedienung und so, aber dieses weiße Trumm war schon etwas Besonderes, weil da ja Strom und Wasser gleichzeitig drin sind. Eigentlich eine lebensgefährliche Mischung. Man kennt ja die Geschichten mit dem Föhn oder dem Toastbrot ... oder nee, anders ... mit dem Toaster in der Badewanne. Davor hatte ich allerhand Schiss.
Letzte Zeit ist ja alles mit Computer und Bildschirm und sogar zum Sprechen, aber dieses Ding kam aus der Zeit davor, von vor viel früher. Vielleicht hat das Christoph Columbus aus Indien mitgebracht, sagte mein Nachbar immer. So schien es mir auch, wegen kein Bildschirm ... oder war das mit Indien der Dingens, wie heißt der noch mal ... Galama ... oder näh, hier der von der Dings, der Tourismus Dings da, Markus ... Polo oder so, ist ja auch Wurscht. Jedenfalls hat es doch einige Zeit gebraucht, bis ich Zutrauen hatte zu der Maschine.
Na ja, wie es dann halt so geht, man fuchst sich so langsam rein und verliert die Angst irgendwann. Zwar hatte mich das nach den ersten Probeläufen und manchen Kochwäschen einige Hemden gekostet, aber ich hatte ja genug davon.
Und heute ist es so, dass wir ein gutes Verhältnis miteinander haben, die Maschine und ich. Wobei ich eine Geschichte noch nicht so ganz durchschaue. Wenn sie dann zum Höhepunkt kommt, zum Schluss hin, sieht es so aus, als ob sie irgendwo hin wolle. Ich muss sie dann, wenn sie fertig ist, immer ein paar Meter zurückschieben an ihren alten Platz.
Mein Nachbar meint, ich solle sie ruhig machen lassen, denn wahrscheinlich wolle sie abschließend bestimmt noch nach draußen zum Wäsche aufhängen ... was 'n Quatsch!? ...
... oder doch ... ?
© CeeBee ---------
Foto: wikimedia.com