Die Impfung
Von
tastifix
Freitag 09.04.2021, 13:18
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tastifix
Freitag 09.04.2021, 13:18
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Bereits Wochen zuvor träumte ich von ihr, sah Monsterspritzen von der Dicke eines Bleistiftes auf mich zukommen und hämisch grinsende Ärzte, die mir dann voller Wonne jenes Geschoss in den Arm jagten.
Klar schaute ich beim Aufwachen erst mal nach, ob der Arm noch dran war und ob es vielleicht auch noch anderswo stach. Ich atmete auf, ich war noch vollständig, nicht von blauen Flecken übersät und auch sonst gabs keine Indizien für ausgestandene Qualen. Im nächsten Moment erkannte ich dann, ich hätte die Tortur ja noch vor mir und mir sackte das Herz in die Hose.
´Ist doch bloß ein Pieks!`, wollte mich meine innere Stimme beruhigen.
´Vor dem hab ich doch keine Angst, nur vor den möglichen Reaktionen!`
´Ach diiiee …!`
Nach dieser reizenden Bemerkung entschloss ich mich, jenes aufbauende Gespräch zu beenden und stattdessen meine Unterlagen zusammenzusuchen: Bestätigung des Termins, Krankenvorgeschichte … Tja, die Bestätigung konnte ich ausdrucken, den Annamnesebogen jedoch nicht.
Wie ich dann nach der halbstündigen Fahrt zum Impfzentrum feststellte, hatte man den vor Ort auszufüllen und zwar in doppelter Ausfertigung, was den Ablauf unnötigerweise um mehrere Minuten verzögerte. Allerdings gab es an der Organisation davon abgesehen wirklich gar nichts auszusetzen. Überall standen ausgesprochen freundliche Helfer parat, um den Patienten den Weg zu weisen, verlaufen konnte man sich nicht. Auch musste ich nicht etwa noch lange warten, bis ich an der Reihe war, sondern durfte bereits nach fünf Minuten die heilige Halle(Impfkabine) betreten. Es ging auch alles sehr fix und ehe ich mich versah, fand ich mich im Wartesaal wieder. Nach einer Viertelstunde, als feststand, dass ich nicht etwa in Ohnmacht fallen würde, trat ich dann die Heimreise an.
Bis zum späteren Nachmittag merkte ich gar nichts. Aber dann: Urplötzlich irre müde und mit einem Gefühl, als ob die Welt sich um mich drehen würde, kroch ich ins Bett, schlief ein und verschlief auch den nachfolgenden Tag. Gestern dann kam meine Zweitälteste mit Mann und Kindern. Ich sah aus wie ein Gespenst auf Urlaub und stand total neben mir.
„Mama, leg Dich hin und ruh dich aus!“
Aber ich hatte mich doch so gefreut, dass sie da waren und blieb auf. Sie fuhren am späten Nachmittag wieder, ich krabbelte erneut ins Bett und war sofort eingeschlafen. Und das um 20 Uhr abends! Gegen 23 Uhr wurde ich kurz wach, klappte die Augen wieder zu und schlief durch bis um 8 Uhr. Nein, ich hatte keine Armschmerzen bekommen, nur ein leichtes Ziehen in den Beinen und im Rücken, das sofort wieder aufhörte.
Heute fühlte ich mich schon viel besser, marschierte noch vor dem Frühstück zur Apotheke und besorgte mir sicherheitshalber Medikamente, falls doch noch etwas nachkommen würde. Und vorhin gegen Mittag begann ich, alten Regalen ihre Schubläden und Regalbretter zu „klauen“, denn es wird ausgemistet.
Und nun freue ich mich auf Montag. Dann habe ich nämlich meine 2. Linsen-OP. ...