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Der widerspenstige Toaströster

Von tastifix 24.07.2022, 10:03

Auf meinen Toast frühmorgens verzichte ich nicht, egal, was der Röster dazu sagt. Irgendwie versteh ich ihn ja: Jeden Morgen gehe ich ihm auf die Heizspirale:
„Vier Toastscheiben bitte!"
Es bedeutet viel Arbeit für ihn, denn er ist nur für die gleichzeitige Bräunung von zwei Scheiben konzipiert.

Als er damals hier eingezogen war, zeigte er sich zunächst von der aller besten Seite. Die wunderbar gebräunten Toastscheiben boten einen tollen Anblick. Selbstverständlich gab er sie auch fast geräuschlos frei, so dass ich derweil ungestört dem Morgenorchester aus dem Garten lauschen durfte. Achjaa, Erinnerungen können so schön sein, seufz!

Inzwischen aber fühlt er sich seiner Arbeitsstelle hier sicher wie Beamte ihrer Position und erlaubt sich ähnliche Eskapaden.
So fordere ich:
„Hellbraun, bitte!"
Und halte gleich darauf kalkweiße Brotscheiben in der Hand. Oder ich sehne mich nach mittelbraunem Toast, er ignoriert es frech, liefert mir Kohlebriketts und hält die schon längst fällige Entschuldigung für total unnötig ... Mit spitzen Fingern - denn heiß sind die noch obendrein - befördere ich den quadratischen Schund ins verdiente Abfalleimergrab.

Mein extrem pfiffiger Röster lässt sich daraufhin rachsüchtig etwas Neues einfallen. Denn leise dargebotenes und wirklich perfekt geröstetes Weißbrot begegnet mir ohnehin nur noch in meinen sehnsüchtigen Träumen. Damit hab ich mich ja schon fast abgefunden. Wieder sitze ich am Tisch, der Magen knurrt vernehmlich. Auf einmal zucke ich dermaßen zusammen, als ob hinter meinem Rücken etwas zu Bruch gegangen sei.
„Plooopp!!!“
Aber damit nicht genug, der Röster will mich endgültig fertigmachen. Er schleudert die Objekte meiner Begierde in hohem Bogen eines hinter sich und das andere mir entgegen. Zielsicher trifft es mich, es knallt wie bei einer Ohrfeige.
„Wehe! Wenn Du das noch mal wagen solltest ...“

Am nächsten Morgen warte ich, hämisch in mich hinein grinsend, gespannt auf des Rösters Pfeil- und Bogenspiel.
„Der wird sich wundern!"
Irrtum vom Amt! Denn ich bin es dann, die sich wundert. Als ich wütend den Bombentoast, darin ja total ungeübt, in Richtung des Rösters Schlitze zurück schleudere, verfehlt er sein Ziel um runde zehn Zentimeter und landet auf der blitzblanken Arbeitsplatte.

Schmutzig weiße oder auch halb verkohlte Toastkrümel bilden einen wahrlich vortrefflichen Farbkontrast zum eleganten Nussbraun der Platte und sind eine eben solche tolle Zierde. Die ich dann, schwer sauer auf den Röster, fast genauso auf mich selber und auch ein wenig auf den Toast vor mich hin meckernd wegwische ...

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