Boah, wie toll!
Von
tastifix
Montag 26.09.2022, 15:09
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tastifix
Montag 26.09.2022, 15:09
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Das Schicksal begünstigt mich. Ich habe keine Ahnung, wieso es ausgerechnet mich ausgewählt hat und das sogar noch gleich mehrmals nacheinander. Zunächst mache ich mir nur flüchtige Gedanken deswegen. Sie bringen aber keinesfalls des Rätsels Lösung und so ziehe ich notgedrungen die Tiefenpsychologie zu Rate. Sie wissen ja: Die krempelt die ganze Kindheit um, um den Grund für irgendetwas zu suchen. Findet sie den nicht, dann wird eben einer erfunden.
Also werde ich mein eigener Psychologe und suche eine Begründung, wieso ich auf der strahlenden Sonnenseite des Lebens stehe. Die zeigt sich nämlich dermaßen gleißend, dass ich es kaum mehr länger ertragen kann. Mein noch klarer Restverstand warnt mich, dass ein solches Glück am laufenden Band erstens äußerst unwahrscheinlich sei und, solle es sich dennoch als wahr erweisen, trotzdem noch ausgesprochen gefährliche Folgen für mich haben könne.
Beim ersten Male schwebe ich für beinahe fünf Minuten im Freudentaumel, bis mich ein winziger versteckter Hinweis ziemlich grob aus der Euphorie heraus - und auf den Boden der Tatsachen herunter reißt.
Beim zweiten Male, das erst eintritt, als mein Gedächtnis das Gedenken an den damalig erlittenen Schock schon fast gelöscht hat, hält die Euphorie noch fast genauso lange an. Leider haben danach meine Gehirnwindungen die Erinnerung an ihn aus der tiefsten Erfahrungsgedächtnisschublade hervor gelotst und es gibt ein weiteres Mal kein Entrinnen vor der Wahrheit. Die Euphorie verfliegt und der Verstand setzt wieder ein. Schade!
Es vergehen Wochen, es vergehen Monate, das Glück scheint mich vergessen zu haben wie mein Gedächtnis das selbige auch. Mit keinem Gedanken gedenke ich mehr der damaligen überschwänglichen Freude, immerhin für insgesamt neuneinhalb Minuten wohl ein echtes Glückskind gewesen zu sein. Der Alltag nimmt seinen gewohnten Lauf. Nichts Besonderes geschieht.
Doch dann, nach sage und schreibe einem Dreivierteljahr e erinnert es sich an mich, des bislang verhinderten Glückspilzes, hat wegen des langen Schweigens ein furchtbar schlechtes Gewissen und flattert mir eines Morgens, wiederum total unerwartet, als ein roter Briefumschlag ins Haus. Sie wissen ja: Rot ist die Farbe der Liebe! Seine wieder aufgekeimte Liebe zu mir armen Menschenkind präsentiert sich diesmal dunkelrot. Zwischen den zitternden Händen halte ich das schicksalhafte Papier.
´Herzlichen Glückwunsch! Hiermit teilen wir Ihnen mit, dass Sie auf Grund dessen, weil sie sich vor etwa neun Monaten an unserem Preisausschreiben beteiligt haben, als Hauptgewinnerin der Ziehung 1.000 Euro gewonnen haben. Damit wir Ihnen den Scheck aber auch zustellen können, bitten wir Sie höflichst, uns zuvor 200 Euro zu überweisen.
Nochmals unseren aller herzlichsten Glückwunsch!!
Ihre Peng-Gesellschaft