1:0 für die Tomaten oder denn doch für mich???
Von
tastifix
Freitag 24.09.2021, 17:39 – geändert Samstag 25.09.2021, 12:50
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tastifix
Freitag 24.09.2021, 17:39 – geändert Samstag 25.09.2021, 12:50
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Also eigentlich haben wir Menschen ja während des Speisens das Sagen. Zumindest dachte ich es lange Zeit …
Seit ein paar Tagen denke ich gänzlich anders darüber.
´Das haben wir jetzt davon, dass wir züchten, züchten züchten!`
Tomaten müssen entweder riesig oder dagegen klein bis gar winzig sein. Die ganz großen rächen sich dafür mit Garkein- oder auch Geschmack nach Wasser und manche der Winzlinge ärgern sich gar gelb über unsere Frechheit, sie denn, was die Größe angeht, dermaßen zu beleidigen.
Eines Tages waren es meine Tomaten leid wie eine schrumpelige Haut und beschlossen, es mir irgendwie heimzuzahlen. Grübelnd lagen sie in ihrer Schale und glänzten vor Ideen fast noch kräftiger als sonst. Ausgerechnet eine der kleinsten Tomaten hatte schließlich den einzig passenden Einfall:
„Hört mal: Wir machen des so und dann so … !“
Die Anderen guckten zweifelnd.
„Ist des denn nicht zu riskant?“
„Wieso?? Wir landen doch sowieso im Tomatenhimmel. Egal, wie!!“
Hm, da hatte sie auch wieder Recht.
„Macht Ihr mit?“
Alle Tomaten nickten eifrig.
„Also, dann jetzt gute Nacht. Morgen beim Frühstück wird’s aufregend!“
Ach, wenn ich doch von diesem Komplott gewusst hätte. Mir wäre viel erspart geblieben! Am frühen Morgen deckte ich mir hübsch mit meinem Lieblingsporzellan den Tisch, stellte noch Brettchen mit Käsescheiben und Wurst hinzu und selbstverständlich ein Schälchen mit Tomatenscheiben. Der Toast war schnell geröstet, ich strich Butter darauf, die ich mit Wurst bedeckte, auf der wiederum eine Käsescheibe landete und als krönenden Abschluss zierten dann zwei Tomatenkringel das Brot. Ein wundervoller Anblick!
Freudig hob ich das so belegte Brot vom Teller, führte es zum Mund und genoss … Doch ich hatte die Rechnung ohne die Tomaten gemacht. Tomatenscheibe 1 zur Kameradin:
„Los! Jetzt!“
Der Überraschungseffekt kam ihnen zu Hilfe und ich hatte das Nachsehen. Als ein gut eingespieltes Team begannen sie zu rutschen, rutschten immer schnell und es machte „Platsch!“ Dies hörte ich nicht so gerne und schaute entsetzt auf meine strahlend weiße Jeans. Vom Weiß war kaum mehr etwas zu entdecken. Sie war fröhlich rot gefleckt. Meckernd flitzte ich ins Bad, griff mir einen Waschlappen und rieb und rieb. Zuerst wurds rosa, dann zum Glück denn doch ständig heller und, oh Wunder, nach ungefähr 10 min Rubbeln war alles weg. Damit kein Missverständnis entsteht:
`Die Buxe war noch da, hatte auch nicht gar ein Loch davongetragen, aber den verflixten Flecken hatte ich tatsächlich den Garaus gemacht. Die Tomatenreste landeten im Bioeimer und ich beruhigte mich wieder.
Die übrigen Tomaten hatten beleidigt zugesehen, wie ich die Folgen der mutigen Aktion ihrer Kameradinnen beseitigt hatte und planten prompt Fieseres:
„Das macht die fertig! Ihr werdet sehen!“
Anderntags nahm ich mir vor, so etwas solle mir kein zweites Mal unterlaufen, ich würde eben noch vorsichtiger beim Essen vorgehen.
´Dann kann ja gar nichts passieren!`
Ich setzte mich also zu Tisch, belegte den Toast, obendrauf die Tomatenscheibe, führte den Toast zum Mund und schielte dabei ganz in Gedanken seitlich auf die Zeitung:
´Was steht da?? Gibts doch nicht!`
Tja, meine Wissbegierde hätte ich bremsen sollen. Denn, was ich dann dort las, empörte mich dermaßen, dass ich nicht mehr aufpasste. Dies aber beobachtete die Tomatenscheibe und agierte. Statt der Hose musste die weiße Bluse dran glauben und war die längste Zeit weiß gewesen.
„Keeeaar, nicht schon wieder!!“
Diesmal rubbelte ich nicht, sondern weichte die Bluse ein. Die ´freche` Tomate leistete dann der ersten im Eimer Gesellschaft.
Am dritten Tag endlich hatte ich den Bogen raus und schlug dem Tomatenvolk ein Schnippchen. Erstens hatte ich mich ganz in Rot gekleidet und zweitens würde ich denen beweisen, dass ich denn doch das Zepter in der Küche in der Hand hielte. Die Tomaten schienen mir ziemlich sauer zu sein, als sie mich ähnlich gekleidet wie sie selber sahen. Vielleicht ahnten sie ja schon, was ich gegen sie ins Feld führen würde. Obwohl, das letzte Mal war es vor vielen Jahren so gewesen und da hatten sie ja noch nicht hier in meiner Schale gelegen.
Ja, diesmal hatten sie Pech, großes Pech sogar: Ich vereitelte ihnen nämlich auf ganz profane Weise, es sich etwa auf meiner Bluse oder der Hose gemütlich zu machen. Damit hatten sie bestimmt nicht gerechnet, ich hatte hinzugelernt und zog eine Küchenschürze vor. Mein schickes Ausgehdress hatte ich gerettet und vor weiteren Tomatenstreichen war ich garantiert ebenfalls sicher. Die waren nämlich total frustriert und meuterten auch nicht mehr.
Und doch ging mir ein Licht auf: Die Tomaten waren gänzlich unschuldig, die waren auch gar nicht gehässig geworden. Es war allein meine Dummheit gewesen. Wer ist auch, bitte, so doof, ein Toastbrot, auf dem zuoberst eine Tomate thront, völlig schief zu halten?? Ich hatte mir den ganzen Quatsch nur eingeredet, weil ich mich genau darüber so sehr geärgert hatte.