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Ein geheimes Geheimnis

Von tastifix 21.10.2018, 17:32

Lang, lang ists her ...

„Du kommst doch an meinem Geburtstag?“, fragte meine Freundin am Telefon.
„Klar!“ - ´Noch eine ganze Woche lang muss ich es für mich behalten. Oh je!`
In diesem Jahr hatte ich etwas für sie, worüber sie sich garantiert mehr freuen würde als über Bücher, Duftkerzen oder eine hübsche Tischdecke.
„Ich bin schon gespannt, was du dir hast einfallen lassen!“
Au weia! Er war gefallen, der von mir so sehr gefürchtete Satz.
„Hach, du wirst Augen machen ... “, sprudelte ich prompt los.
„Jahaah??“
Es gab mir den Rest.

Jenes ´Jahaah??` bohrte sich rücksichtslos in mein Gehirn und was noch viel schlimmer war, tief in mein Herz hinein, das wie verrückt zu klopfen begann. Auf meiner Stirn bildeten sich Schweißtropfen und die Hände zitterten plötzlich dermaßen, dass ich beinahe den Hörer fallen gelassen hätte. Ich war kurz davor, ihr alles zu verraten, ihr zu sagen, wo ich ihn gefunden hatte, jenen Stoffhund, der frappierend ihrer kleinen Mischlingshündin Sila ähnelte, der pfiffigen Flokati-Ausgabe mit den riesigen Kulleraugen und einem im wahrsten Sinne des Wortes umwerfenden Charme.
´Dann ist die Überraschung futsch. Halt bloß den Mund!`
Der Verrat lag bereits auf der Zungenspitze und wartete gehässig nur noch auf den Moment, in dem endgültig mein Widerstand gebrochen sein würde.
„Gaby, bist du noch dran?“
„Hm!“
Jedes weitere Wort hätte für mein Geheimnis den Titanic-Untergang bedeutet. In mir wühlte es zunehmend. Mein Verstand sagte ´Wehe!` und mein Gefühl drängte ´Ach, wie gerne würde ich jetzt ... `
Mein Durchhaltewillen wurde rasant schnell schwach und schwächer. Es musste etwas geschehen, sonst wäre der ganze Spaß verdorben.

Als Retter aus höchster Not erwies sich dann das Teppichklebeband aus der Schublade. Von dem schnitt ich mir ein großzügig bemessenes Stück ab und pappte es mir über den Mund.
„Also, bis dann. Ich freue mich schon, wenn wir uns sehen!“
Obwohl ich mich damit einer gewissen, schlimmen Gefahr aussetzte, lüftete ich für eine Minisekunde meine Anti-Quassel-Versiegelung so weit, so dass ich ein ´Ich auch!` durchs Telefon schicken konnte.

Aufatmend ließ ich danach den Hörer auf die Gabel sinken. Ich hatte es tatsächlich geschafft, mein Geheimnis zu bewahren.





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