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Der Wunsch

Frankfurt am Main, 1949 kurz nach dem Krieg, zerbombte Häuser, provisorisch hergerichtete Wohnungen und die ersten kleinen Geschäfte, welche das Notwendigste gegen Lebensmittelmarken anboten. Menschen geduldig wartend, in langen Reihen vor den Läden.

Es herrschte Aufbruchstimmung man war froh entkommen zu sein, dem Bombenhagel, den Grausamkeiten, die ein Krieg beschert. Die Sonne wieder genießen zu dürfen, einen geregelten Tagesablauf zu leben, ohne Angst. Und mittendrin wir Kinder, unbefangen, neugierig, spielten wir zwischen den "Trümmerfrauen" auf den Schutthalden, beobachteten deren Tun, Stein um Stein sich reichend, Ordnung schaffend. Mutproben, ein beliebtes Spiel, sich in den vom schweren Deckel befreiten Gulli zu hängen, wer es am längsten aushielt, war "Sieger" oder auf den wackeligsten Trümmermäuerchen zu balancieren, ohne runter zu fallen.

Die amerikanische "Besatzungsmacht" beherrschte das Stadtbild, die Soldaten besaßen herrliche Dinge, von denen die Erwachsenen schwärmten, "Lucky Strike" und "Nylons" "Kaugummi" und "Schokolade". KAUGUMMI, allein dies Wort, faszinierte mich. Etwas kauen, ohne es runterzuschlucken, dies kannte ich noch nicht.

Mein größter Wunsch war es, solch ein Kaugummi zu besitzen. Eines Tages, meine ältere Schwester Margit, kam aus der Schule, und hielt mir triumphierend ein längliches, flaches, kleines Päckchen unter die Nase. Ein Kaugummi!!!! Fassungslos wollte ich danach greifen, doch flink zog sie es zurück. Den habe ich von Gundula, deren neuer Papi ist ein Ami, sagte Margit leichthin. Dann wickelte sie das Päckchen aus, zerknüllte das silberne Papier, und schob sich genüsslich die Köstlichkeit in den Mund. Stolz kauend verließ sie den Raum, ich lief hinterher, wenn du zu Ende gekaut hast, rief ich verzweifelt, bekomme ich dann das Kaugummi?

Aber erst dann, meinte sie von oben herab. Von da an, ließ ich sie nicht mehr aus den Augen, folgte ihr auf Schritt und Tritt, mein Blick gebannt auf ihre Lippen geheftet. In regelmäßigen Abständen fragte ich, bist du jetzt fertig? Noch nicht, erwiderte Margit unbarmherzig. Nach, wie mir schien, einer Ewigkeit, nahm sie endlich ein kleines, gräulich, verfärbtes Kügelchen, aus ihrem Mund, und reichte es mir gönnerhaft.

Aufgeregt nahm ich es entgegen, schob es in meinen Mund, ich kaute, ein großartiges Gefühl, zu kauen, nur so, des Kauens Willens. Nun, ein kleines bisschen enttäuscht war ich doch, denn so ein Kaugummi schmeckte nach nix.

Galen

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