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Das neue Dach

Es schien sich nicht viel verändert zu haben. Das Haus jedenfalls sah von außen noch genau so aus, wie sie es verlassen hatten. Es war ein großes Haus mit einem runden Erker, das „Sunporch“, von wo man weit über das Tal und die hohen Berge ringsum blicken konnte. Das Haus war weiß getüncht. An den Seiten rankten Blütepflanzen. Sie sah zum Dach hoch. Es war noch das Asbestdach, das ihr Vater hatte bauen lassen nach dem Brand damals. Das war ja so schrecklich gewesen!

Es hatte angefangen auf der anderen Seite des Berges, weit weg von ihnen, aber der ewige Südoster hatte die Flammen Hochlodern lassen, und langsam aber sicher hatten sie sich ihren Weg über den Berg gefressen. Zuerst hatte man nur Rauch gesehen, aber jeden Tag kam das Feuer näher und näher. Sie hatten damals noch ein Reetdach. Abends, bevor sie ins Bett gingen, liefen sie erst zum Schwimmbad um von dort zu sehen, wie weit das Feuer noch entfernt ist. Können sie heute Nacht noch ruhig schlafen oder nicht? Ein Funke hätte gereicht, um alles in Brand zu setzen. Dann kam der schreckliche Abend, wo sie nicht mehr ruhig schlafen konnten. Die Flammen waren bereits zu sehen und sogar zu hören. Ihr Vater hatte Befehl gegeben, dass jeder seine eigenen, für ihn wichtigsten Sachen zum Schwimmbad tragen sollte und soweit dies möglich war, auch noch anzufeuchten. Ihr Bruder wurde mit Eimern Wasser aufs Dach geschickt, und er versuchte so gut es ging, das Reet anzufeuchten. Den Hühnerhof wurde aufgesperrt um den Hühnern die Möglichkeit zu geben, sich selbst zu retten.

Auch sie hatte eine eigene Aufgabe. Sie durfte, so hoch sie konnte, in eine Eiche klettern, von wo sie weit über das Dach des Hauses blicken und sogar als erste sehen konnte, wie weit die Gefahr noch entfernt war.

Dann kam die Rettung. Es begann zu regnen. Die Sachen wurden wieder schleunigst ins Haus getragen. Die Hühner durften wieder drin bleiben und sie fielen sich alle lachend in die Arme. Die Schwarzen, die grau vor Angst waren, bekamen eine extra Ration Wein und zwei Tage frei. Was war das für eine Erleichterung!

Danach musste das Dach schleunigst weg.

„Nie wieder, hatte ihre Mutter geschworen, würde sie so eine Angst durchstehen wollen.“

Das Abdecken des Daches gab wieder neue Spielmöglichkeiten. Von der Dachkammer aus konnte man auf das Dach klettern und helfen, das Reet hinunterzuwerfen. Unten hatte sich ein hoher Haufen gebildet. Eines der Nachbarskinder, das eines Tages zum Spielen kam, hatte nichts Besseres zu tun, als sie dazu anzustacheln, in den Reethaufen vom Dach hinunterzuspringen. Sie hätte sich das Genick brechen können! Stattdessen tauchte sie bis unten in Reet und Stroh ein und kam völlig verstört, von Spinnen übersät, wieder zum Vorschein.”

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