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Tänzerin in Lourdes geheilt

Von ehemaliges Mitglied Donnerstag 27.05.2021, 09:21


Man nannte sie die „Fulda-Sisters", bildhübsche junge Wiener Madeln in duftigen, rosafarbenen Wolken von Tüll, die die klassischen Wiener Walzer durch ganz Europa tanzen, Tänzerinnen einer Art, die heute immer seltener werden. Aber dann kam die Tanztournee durch Italien, und Edeltraut Fulda erlitt ganz plötzlich einen Magendurchbruch. Es war das Ende ihrer künstlerischen Laufbahn. Dreizehn Jahre war sie ans Bett gefesselt seit jenem Unglück, das 1937 über sie hereingebrochen war. Dreizehn Jahre Fieber. Sie wiegt schließlich noch 68 Pfund, nur mehr Haut und Knochen, eine Todgeweihte, die die Ärzte aufgegeben haben, eine junge Frau, die so verarmt ist, dass sie ihre Möbel verkaufen lassen muss und die ihrer Mutter dazu. Aber sie hat in ihrer hoffnungslosen Lage noch einen Wunsch: Sie will nach Lourdes. Sie bettelt ihre Bekannten an. Ein Flüchtlingspfarrer, selber bitterarm, bekommt eines Tages Geld und gibt die unverhoffte Spende an die Todkranke weiter, um ihr die weite Reise von Wien bis nach Lourdes zu ermöglichen. Es ist im Frühjahr 1950.
Auf einem Rollstuhl fährt sie ein „Brancardier," ein hilfreicher Holländer, in Lourdes zur Ärztekommission. Man prüft die Papiere der Wiener Ärzte, und man beschließt, die hoffnungslos Kranke täglich in den Piscinen zu baden. Edeltraut Fulda schaudert es vor den eiskalten Bädern, in denen das Wasser nur zweimal täglich erneuert wird. Sie will das Bad wenigstens noch einen Tag hinauszögern aber der Brancardier, Mijnheer Hutten, schiebt sie noch am ersten Tag dem 12. August 1950, bis zu den Bädern hinter der Grotte von Massabielle hinaus. Schwestern nehmen sie in Empfang, vertauschen ihre Kleider mit einem triefnassen schweren Bademantel und führen sie an den Händen ins Bad. Für Sekunden glaubt die Kranke, ihr Herzschlag setze aus. Langsam tauchen die Schwestern sie bis zum Hals in das eisige Wasser. Als sie wieder ins Freie hinausgeleitet wird, empfängt sie ihre Mutter mit fragenden Augen, und der Holländer mit dem Rollstuhl meint, sie sehe recht wohl aus. Edeltraud Fulda selbst fühlt sich plötzlich sehr glücklich, fühlt sich unbeschreiblich wohl.
Man fährt sie zur Grotte zum Dankgebet. Später zurückgekehrt in das Hotel, spürt die Kranke plötzlich einen ungemeinen Hunger, sie, die jahrelang nur noch Diät leben durfte, nur liegend Nahrung zu sich nehmen konnte, sie richtet sich auf und bittet ihre Mutter, ihr von ihrem Schnitzel abzugeben. Nachmittags fährt man sie im Rollwagen zur Sakramentsprozession auf das weite Rund der Esplanada. Vor jedem Kranken bleibt der Priester mit der Monstranz stehen und segnet die, die da flehen: „Jesus, Sohn Davids, erbarme Dich unser. Herr, mache, dass ich wieder sehe, gehe, höre! 0 Herr, sprich nur ein Wort, und ich werde genesen sein!" In allen Sprachen der Welt flehen die Kranken um Heil und Gesundung. Dann hebt der Priester die Monstranz über Edeltraud Fulda. Von der Stunde an fühlt sie sich gesund, kann plötzlich wieder stehen und gehen trotz ihrer 34 Kilo. Sie kann es nicht glauben vor Glück.
Und sie kommt heim ins Hotel und kann es immer noch nicht fassen, und sie hat einen unbeschreiblichen Hunger. Die Mutter warnt sie, die Folgen könnten entsetzlich sein, aber die Tochter hört nicht auf sie, sie isst wie eine Gesunde — und nichts geschieht. Es ist unfassbar. Sie bleibt noch zwei Wochen in Lourdes. Zwölf Ärzte untersuchen sie, ehe sie zurückkehrt nach Wien. Sie können die Heilung nicht natürlich erklären und schicken sie zu einer weiteren, noch größeren Kommission, der dreiunddreißig Ärzte angehören, Gläubige wie Ungläubige. Zwei Stunden lang untersuchen sie die Geheilte. Sie kommen einstimmig zu dem Ergebnis, dass diese Heilung von der Wissenschaft her absolut unerklärlich sei. Vier Jahre später, am 23. August 1954, erklärt der Wiener Kardinal Innitzer in einem Dekret die offizielle Wunderheilung von Edeltraut Fulda. Es ist die fünfzigste Heilung in Lourdes, die die Kirche offiziell als Wunder anerkennt.
Nach Wien zurückgekehrt, sind für Edeltraut Fulda dreizehn Jahre auf dem Krankenbett bald vergessen. Heute erfreut sich die Frau, der man ihre mittlerweile fast fünfzig Jahre durchaus nicht ansieht, wieder einer guten Gesundheit, sie wiegt wieder 54 Kilo. Sie hat den Weg ins Leben zurückgefunden. Sie arbeitet halbtags in einem Reisebüro, um für sich und ihre alte Mutter den Unterhalt zu verdienen. Sie bewohnt wieder eine geräumige Wohnung, die sie ohne Hilfe besorgt, aber all das genügt ihr nicht. Edeltraut Fulda ist nur von einem Gedanken bewegt, der ihr keine Ruhe lässt: Sie will danken. Sie widmet sich mit Hingabe der Krankenpflege. Wer Rat und Hilfe braucht, ruft bei ihr an. Edeltraut Fulda hat viel zu tun. Sie hat ein Buch geschrieben, das nun auch in Amerika herauskam, ein Buch unter dem Titel — "..und ich werde genesen sein", das die Geschichte ihrer Heilung erzählt. Von dem Ertrag kaufte Edeltraud Fulda ein Grundstück in der Gegend von Mariazell. Aber nicht etwa, sich dort ein schönes Häuschen für ihren Lebensabend zu bauen. Das Grundstück soll eine Dankkapelle beherbergen, und die Geheilte möchte die Mittel dazu selber herbeischaffen. Drei, vier Abende in der Woche ist Edeltraut Fulda darum unterwegs und kommt oft erst spät heim. Sie hält Vorträge. Ein Wagen des katholischen Bildungswerkes von Wien fährt sie hin, sei es in Wien oder in der Provinz, und überall erzählt die schmale Frau mit leuchtenden Augen von dem Geschehen in Lourdes und von ihrer Dankbarkeit gegen die Madonna. Und immer wieder übergibt ein Pfarrer hinterher eine Sammlung an Frau Fulda, und mit jedem Male wächst damit die Dankkapelle in Mariazell ein wenig weiter, Stein für Stein.

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