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Nicht Menschenhand hat es gemalt

Von inbus Mittwoch 15.07.2020, 07:55


Die wunderbare Entstehung des Gnadenbildes U. L. Frau von Guadalupe und seine Bedeutung

Nach dem durchaus glaubwürdigen Bericht Don Antonios haben sich die Ereignisse damals folgendermaßen abgespielt:
Am Samstag, dem 9. Dezember 1531, zehn Jahre nach der Eroberung Mexikos durch die Spanier, begibt sich ein armer Indio Namens Juan Diego — oder mit seinem indianischen Namen: Cuatitlatoatzin — im Morgengrauen zu seinem Pfarrort Tlatilolco, um am Religionsunterricht teilzunehmen. Beim Hügel Tepeyacac angekommen, hört er ein liebliches Singen, wie von vielen Singvögeln, aber weit schöner. In sein Erstaunen trifft eine Stimme, die ihn vom Hügel her mit Namen ruft: „Lieber Juan, lieber Juan Diego!" Er steigt den Hügel hinan und sieht dort eine Dame stehen, deren übermenschliche Hoheit ihn fast vergehen lässt. Die Dame fragt ihn freundlich und beruhigend nach seinem Wohin und eröffnet ihm dann:

Sie sei die allzeit reine Jungfrau Maria, die Mutter Gottes. Sie wünsche sich hier ein Heiligtum, wo sie all ihre Liebe kundtun könne, wo sie der Not und dem Elend abhelfen könne, als liebreiche Mutter aller Bewohner dieses Landes und aller, die sie liebten, sie anriefen und auf sie vertrauten. Juan solle zum Bischof von Mexico gehen, ihm alles, was er gesehen und gehört habe, erzählen und ihm den Wunsch der Gottesmutter genau mitteilen.

Am Nachmittag steht Juan Diego wieder vor der viellieben Senora: Bischof Zumarraga hatte ihn zwar nach einiger Zeit vorgelassen, seinen Worten aber keinen Glauben geschenkt. Ob die Herrin nicht lieber eine vornehme hochgestellte und angesehene Persönlichkeit mit der Botschaft betrauen wolle, statt ihn, den letzten Indio, an einen Ort zu schicken, wo er nichts verloren habe? Zum Bischof! Hatten vor dem Bischof nicht selbst der mächtige Eroberer Cortez und seine Leute, die weißen Götter, zur Begrüßung das Knie gebeugt? Doch die Herrin erneuert ihren Auftrag, und am folgenden Sonntagmorgen gelingt es Juan Diego ein zweites Mal, zum Bischof vorzudringen. Den Worten allein — so erwidert dieser jetzt — dürfe er keinen Glauben schenken; Juan möge die Erscheinung um ein Zeichen der Bestätigung bitten. Auf dem Heimweg, am Sonntagnachmittag, erscheint die Dame Juan Diego zum dritten Male und verspricht, ihm das verlangte Zeichen am nächsten Morgen zu geben.
Doch am nächsten Morgen gibt es Hindernisse; Juans Onkel ist schwer erkrankt und bedarf seiner Hilfe. Am Dienstagmorgen schickt der Onkel Juan um priesterlichen Beistand für die Todesstunde. Das geht jetzt vor, und Juan macht auf dem Weg zum Priester einen Bogen um den Erscheinungshügel. Doch nun erscheint ihm die Senora bei einem Brunnen: „Was ist los, mein ärmstes Kind, wohin?" Juan erklärt die Lage. — Nun, er möge sich nicht sorgen; den Onkel habe sie schon gesund gemacht. Dann befiehlt sie ihm: „Geh hinauf auf den Hügel... du wirst dort eine Menge Blumen finden. Pflücke sie und bringe sie zu mir herunter." Auf dem Gipfel des Hügels findet Juan eine Menge prächtiger spanischer Rosen verschiedener Art — jetzt, mitten im Winter, wo es auf dem Hochplateau von Mexiko Nachtfröste gibt —, hier, auf dem steinigen Boden, der sonst nur Disteln, Dornen, Opuntien, und Akaziengesträuch hervorbringt, aber keine Blumen. Voller Staunen tut Juan, wie ihn die Senora geheißen. Und die schickt ihn nun mit den Blumen, die er in seinem Mantel birgt, wieder zum Bischof: „Diese Fülle von Rosen ist der Beweis und das Zeichen für den Bischof...

Wieder lassen ihn die Chargen des Bischofs lange warten; der Bischof selber empfängt ihn freundlich, und Juan Diego kann berichten. Zum Schluss öffnet er seinen Mantel, um die Rosen vorzuzeigen. Über das, was dann geschah, sagt der Bericht Don Antonios: „Und während die spanischen Rosen heraus fielen, erschien auf dem Mantel in deutlichen Umrissen das kostbare Bild der allzeit jungfräulichen heiligen Maria, der Gottesgebärerin, genauso, wie man es jetzt in ihrem Heiligtum am Tepeyacac, der Guadalupe heißt, betrachten kann. Als der Bischof es sah, fiel er mit allen Anwesenden auf die Knie. Lange Zeit verbrachten sie so in Erstaunen und Bewunderung, ehe sie sich wieder erhoben. Sie waren voller Schmerz und Betrübnis, so sehr war ihnen alles zu Herzen gegangen. Und der Bischof bat mit vielen Tränen um Vergebung, dass er sich des aufgetragenen Werkes nicht befleißigt habe. Dann stand er auf, löste den Mantel, auf dem das Bild der Himmelsherrin erschienen war vom Hals des Juan Diego und brachte ihn in seiner Privatkapelle an. Juan Diego blieb diesen ganzen Tag im Haus des Bischofs, der ihn noch nicht gehen lassen wollte. Am folgenden Tag sagte er ihm: „Nun auf, zeige mir den Platz, wo nach dem Willen der Herrin des Himmels ihr Heiligtum errichtet werden soll."

Daheim findet Juan seinen Onkel durch eine Marienerscheinung geheilt vor. Sein Mantel mit dem Bild Mariens wurde dann bald in der Hauptkirche der Stadt dem Volk zur Verehrung ausgestellt, bis es am zweiten Weihnachtstag des Erscheinungsjahres in Prozession in das erste, schnell errichtete neue Heiligtum am Tepeyacac übertragen werden konnte, unter dem Jubel, den Liedern und Tänzen der Indios, die ihre liebreich erschienene himmlische Mutter feierten: „Lebend ist deine Seele in dem Bild, o heilige Maria... Deine süße Stimme ertönte an den Ufern des Sees..."

Ein Fotograf wundert sich

Ist es nur fromme Einbildung oder wissenschaftliche Beobachtung, wenn man in den Augen Unserer Lieben Frau von Guadalupe das Spiegelbild eines Mannes sieht? Vor wenigen Jahren hätten sie sicher gesagt: Fromme Einbildung. Heute kann man das nicht mehr sagen. Ein stark vergrößertes Lichtbild von den Augen des altehrwürdigen Bildes lässt eine Person erkennen, die als Juan Diego identifiziert wurde, als der Azteke also, den Unsere Liebe Frau erwählte, um dem Bischof von Mexiko ihre Botschaft zu überbringen. Dieses Bild innerhalb eines Bildes ist so deutlich, dass die Fremdenführer US-Amerikaner zu dem englischen Informationszentrum des Heiligtums bringen, um sie auf Juan Diego als auf eine einzigartige Besonderheit des wunderbaren Bildes aufmerksam zu machen.
In der Tat wunderbar! Stellen sie sich ein Meisterwerk vor, das auf grobem Stoff gemalt wurde. Wenn das Haupt Unserer Lieben Frau nicht nach rechts geneigt wäre, so hätte die Naht ihr Gesicht verunstaltet. Der Stoff besteht aus Fasern einer Agavenart und zerfällt normalerweise nach 20 Jahren; dennoch ist dieses Gemälde, das am 12. Dezember 1531 in der Gegenwart Bischofs Zumarragas ohne einen einzigen Pinselstrich entstand, noch so frisch in den Farben, wie vor 441 Jahren.

Es war der Fotograf Alfonso Marcos Gonzales, der im Jahre 1929 bei der Überprüfung der Negative das Bild im Bild bemerkte. Damals rieten ihm hochgestellte Persönlichkeiten, seine Entdeckung nicht zu veröffentlichen, bis man darüber volle Sicherheit hätte. 1951 machte Carlo Bahnas die gleiche Entdeckung, und der Erzbischof Luis Maria Martinen setzte eine Kommission zum Studium des Phänomens ein. Am 11. Dezember 1955, am Vorabend des Festes Unserer Lieben Frau von Guadalupe, wurden die Mexikaner über den Rundfunk davon in Kenntnis gesetzt, dass die Augen des Gnadenbildes einen Mann spiegeln, der eindeutig als Juan Diego identifiziert worden war.

Weitere wissenschaftliche Beobachtungen wurden angestellt. Der Augenarzt Dr. Javier Toroello Bueno bescheinigte am 26. Mai 1956, dass die Bilder von den Augen reflektiert werden und dass sie sich so präsentieren, als wenn sie von lebendigen Augen gespiegelt würden, mitsamt der leichten Verzerrung, welche normalerweise durch die Krümmung der Hornhaut hervorgebracht wird. Acht Wochen später, am 26. Juli 1956, gab Dr. Rafael Torija Lavoignet eine Erklärung gleichen Inhalts ab mit dem Zusatz, dass bei Bewegung des Lichtes seines Augenspiegels um das Auge des Gnadenbildes nach seiner Beobachtung das Auge die gleiche Tiefe zeigt wie ein normales Auge. „Es ist unmöglich, eine solche Spiegelung von einer flachen und dazu noch dunklen Fläche zu erhalten." Eine Sensation? Diese Untersuchungsergebnisse hätten eigentlich eine Sensation in Mexiko hervorrufen müssen, aber für die Hunderte und Tausende von Pilgern, die jeden Monat Guadalupe besuchen, waren sie einfach eine Episode mehr in der lebendigen Gegenwart U. L. Frau, die gesagt hatte: „Ich bin eure hilfreiche Mutter, die mildreiche Mutter aller, die in diesem Lande leben, und aller Menschen, all derer, die mich lieben, derer, die mich anrufen, derer, die mich suchen, derer, die ihr Vertrauen auf mich setzen.

Guadalupe ist das zweitgrößte Pilgerzentrum der katholischen Welt. Nicht Lourdes, nicht Fatima, sondern allein noch Rom übt eine noch größere Anziehungskraft aus. In Guadalupe wird der Glaube emporgerissen. Den ganzen Tag über sieht man Menschen aus allen Gesellschaftsschichten kommen und gehen. Sie beten und erweisen ihre Verehrung familienweise, in größeren Pilgergruppen oder auch als Einzelpilger. Sie sagen in ihren Gebeten, wie es ihnen ums Herz ist. Manche rutschen auf ihren Knien vom Tor des großen Platzes bis zum Haupteingang und dann den Weg bis zum Gnadenbild auf dem Hauptaltar.

Diesem Bild ist es zuzuschreiben, daß sich acht Millionen Indios in den sieben Jahren nach 1531 bekehrten. Historiker sprechen von 15 000 Indios, die jede Woche die Taufe verlangten, und von etwa 750 Männer wöchentlich, die alle Frauen bis auf eine entließen. (Vielweiberei war bis dahin eines der Haupthindernisse für den Empfang der Taufe.)

Bilderschrift

Das Verständnis für diese Konversionen erschließt sich nur dem, der weiß, dass das wunderbare Bild für die Indios der Neuen Welt ein in Bildern geschriebenes Buch war, so wie alle ihre Bücher und deswegen als eine Bildschritt gelesen werden muss.
So erscheint U. L. Frau umgeben von Sonnenstrahlen, aber die Sonne selbst verschwindet hinter ihr. Das sagte den Indios, die die Sonne anbeteten: Maria ist mächtiger als ihr Sonnengott.
Sie steht auf einer erloschenen Mondsichel. Die Mondsichel war das Bildzeichen für Quetzalcoatl, den gefürchteten Schlangengott, der in einer Religion der Furcht verehrt wurde und den sie mit dem Kostbarsten — mit Menschenopfern — zu versöhnen suchten. Dieses Zeichen also sagt den Indios: U. L. Frau ist mächtiger als ihr Schlangengott, und sie brauchen Quetzalcoatl nicht länger zu beschwichtigen. Die Befreiung von der Last der Menschenopfer war ein wichtiger Beweggrund für ihre Konversion. Das Obergewand der schönen Dame ist blau-grün: es trägt die Farbe, die den Fürsten vorbehalten war. Es ist geschmückt mit 48 goldenen Sternen, und das bedeutet: die Frau ist mächtiger als die vielen Sterne, die die Indios als Götter verehrten.
Aber die schöne Dame ist nicht Gott: ihre Hände sind im Gebet gefaltet und ihr Haupt in Ehrfurcht vor einem noch Höheren geneigt, dem unsichtbaren Schöpfer der Welt, dem Allmächtigen, der ihr Sohn ist. Weiter: sie trägt ein schwarzes Kreuz an einer goldenen Spange am Hals, das gleiche Kreuz, das die Indios auf den Segeln und Fahnen des Hernando Cortez sahen. Das sagte ihnen: Die Religion, welche Cortez und die Missionare. an ihre Küste brachten, ist die Religion der schönen Dame. Das war ein weiterer Grund für sie, den Glauben anzunehmen, den Franziskaner ihnen predigten.

Rätsel über Rätsel

Was ist über das Wunder selbst zu sagen? Wie hat dieses Gemälde die Ungunst und Zufälle der Zeit überstanden? Warum sieht man hunderttausend Votivgaben, die in der Nähe der Sakristei und bei dem Museum wie eine Tapete die Wände bedecken, die man bei näherem Zusehen aber als Beine, Arme, Hände, Herzen, ganze Körper aus Silber und Gold erkennt, die dort als Gaben der Dankbarkeit angebracht sind? Die Archive der Basilika enthalten Aufzeichnungen von einer Million erhaltener Gnadenerweise. Am 15. Mai 1970 fotografierte ich das zuletzt angebrachte Votivbild, eine Darstellung, wie U. L. Frau von Guadalupe über einem Mann schwebt, der vor einem Auto gestürzt war, mit dem Zeugnis, dass er vor einem schweren oder gar tödlichen Unfall bewahrt wurde.
Wir müssen uns mit dem bloßen Hinweis auf die wunderbare Sammlung, in der solche Vorfälle für Jahrhunderte dokumentiert sind, begnügen. Allem zufolge weiß das Volk, das nach Guadalupe zusammenströmt, dass Maria, die Mutter, sich treu bleibt in den Erweisen ihrer Liebe, ihres Mitleides und ihre Hilfe für alle, die sie mit Vertrauen aufsuchen.
Aber in keiner Weise kann der Wunderglaube für das Entstehen und das Fortbestehen des berühmten Bildes verantwortlich gemacht werden. Wer würde jemals einen abgetragenen und zusammengenähten Umhang als Malgrund für ein Meisterwerk nehmen? Welcher Porträtmaler würde die plötzliche Entstehung eines Gemäldes auf dem lose aus Agave-Fasern gewebten Stoff zuwege bringen? Im Jahre 1531 waren die einzig bekannten Maltechniken Öl, Tempera, Fresko und Wasserfarben. Kunstexperten schütteln verwirrt den Kopf. Bevor das Bild auf einer Silberplatte befestigt und unter Glas gebracht wurde, konnte man, wie Experten bezeugen, durch das offene Gewebe hindurch die Konturen von Gegenständen sehen. Niemand kann erklären, wieso keinerlei Färbung oder Farbstoff das Gewebe durchdrang, das gar nicht dafür präpariert war, Farbe zu tragen. Die goldenen Sterne scheinen aus Goldstaub ohne Fixiermittel zu bestehen. Die Goldstickerei folgt in ihrer Bewegung nicht den Falten des Gewandes, sondern überzieht es auf eine eigenständige Weise. Kurzum, vor dem Bilde versagt jede natürliche Erklärung. Die Kunst, die es zustande brachte, liegt außerhalb menschlicher Fähigkeiten. Daraus kann man schließen, dass es sich um ein ständiges Wunder handelt. Wir sagen damit nicht mehr als G. K. Chesterton, der an Wunder glaubte, nicht wegen irgendeiner mystizistischen Einstellung, sondern auf Grund unleugbarer Tatsachen, im Gegensatz zu denen, die jedes Wunder leugnen, und zwar nicht auf Grund von Tatsachen, sondern wegen starrer Vorurteile.

Auch die erstaunliche Haltbarkeit dieses Gemäldes über 441 Jahre hin ist ein Phänomen, für das es keine natürliche Erklärung gibt. Die ersten Jahre war das Bild U. L. Frau ohne Schutz chemischen Dämpfen ausgesetzt, dem Rauch von Weihrauch und Kerzen, der Berührung von unzähligen Händen und Lippen; ferner der Berührung mit Rosenkränzen, Bildern, Medaillen, Kreuzen. Andere dort angebrachte Gemälde in Öl auf präparierter Leinwand sind seit langem geschwärzt, gerissen, abgeblättert, vermodert. U. L. Frau von Guadalupe hingegen bleibt hinreißend schön.

Das Bild wurde im Jahre 1647 unter zwei Glasscheiben gelegt. Wenige Jahre später wurde das Bild mit einem Gold- und Silberrahmen unter eine einzige Scheibe gebracht. Im Jahre 1791 musste der Rahmen repariert werden. Arbeiter setzten eine Flasche mit Salpetersäure darauf, welche unglücklicherweise ausfloss und die rechte Seite des Bildes hinunterlief. Der Schaden hätte eigentlich verheerend sein müssen, weil Salpetersäure Stoffe auflöst. Aber die einzige Wirkung an dem heiligen Bild ist eine Art Wasserzeichen, welches auf den zwei unteren Dritteln erscheint.

Sogar eine Bombe richtete nichts aus

Es geschah am 14. November 1921, um 10.30 Uhr. Die Kirche war geschmückt für die Einführung von Msgr. Kasteneda als Kanoniker der Basilika. Ein Mann, der entschlossen war, der Verehrung U. L. Frau ein Ende zu setzen, brachte eine Bombe unter dem Rosenbukett unter dem Bilde an. Die Bombe explodierte und löste die Bolzen von dem Rahmen des Bildes, zerstörte ein Ölgemälde, das hinter dem Gnadenbild angebracht war, zerbrach die Fenster in der ganzen Kirche, riss Marmorbrocken vom Hauptaltar ab, verbog ein bronzenes Altarkreuz gegenüber dem Gnadenbild und schleuderte es zu Boden. Aber an dem Bild U. L. Frau zersprang nicht einmal das Glas. Wie wollen Sie das erklären? Das Volk hat eine liebenswürdige Erklärung: „Jesus tat nicht mehr, als was jeder Sohn tun würde: Er beschützte seine Mutter."
Das verbogene Kruzifix ist heute in dem inneren Hof ausgestellt, unweit der Sakramentskapelle.

Die Botschaft

Wenn sie nun meinen, dass alles, was U. L. Frau verlangte, als sie im Jahre 1531 erschien, ein Haus für ihre Verehrung gewesen sei, so sind Sie im Irrtum. Der mächtige Antrieb, der jährlich Millionen zu ihren Füßen hinführt, ist die tiefe Überzeugung, dass Maria ihre Bitten hören und erhören will. Diese Überzeugung gründet sich auf ihre eigenen Worte und Versprechen an Juan Diego. Ihre Botschaft ist einfach und schnell wiederzugeben. Sie sagte:

„Juanito, teurer Juan Dieguito, mein Sohn Juan, wo gehst du hin?" Er antwortete: „Ich bin auf dem Weg zu der Kirche in Tlaltelolco."

Sie sagte: „Sei gewiss, ärmstes meiner Kinder, dass ich die ganz reine und immerwährende Jungfrau Maria bin, die Mutter des wahren Gottes, durch den alles lebt, des Herrn aller Dinge nah und fern, des Herrschers über Himmel und Erde.

Und weiter: „Ich wünsche und verlange dringend, dass mir an diesem Ort ein Heiligtum errichtet wird. Hier will ich mich zeigen und offenbaren. Hier will ich dem Volk all meine Liebe erzeigen, mein Mitleid, meine Hilfe und mein Schutz."
„Ich bin eure mildreiche Mutter, die mildreiche Mutter aller, die in diesem Lande leben, und aller Menschen, all derer, die mich lieben, derer, die mich anrufen, derer, die mich suchen, derer, die ihr Vertrauen auf mich setzen."

Und nochmals: „Hier will ich anhören ihr Weinen, ihre Klagen, hier will ich heilen und lindern all ihre vielfältigen Leiden Bedrängnisse und Mißhelligkeiten."

Die Dame sprach in dem Tonfall und mit den Wiederholungen der aztekischen Sprache, die sich auch im modernen Mexikanisch finden:„Hier will ich mich zeigen, hier mich offenbaren. Hier will ich dem Volke all meine Liebe erzeigen, mein Mitleid, meine Hilfe und mein Schutz."

Wie sieht sie aus?

Was die Gestalt des Bildes U. L. Frau betrifft, so hat das Gemälde eine Höhe von 4 Fuß (ein Fuß = 30,48 cm) und 8 Zoll (ein Zoll = 2,54 cm), also fast Lebensgröße, es hängt auf einer Platte von 78 x 42 Zoll.
Oberraschenderweise erscheint U. L. Frau von Guadalupe in Kleidung und Haltung nicht als eine Indiofrau. Die Indiofrauen, reiche wie arme, tragen kurzärmlige Blusen mit viereckigem Halsausschnitt und Röcke, die bis etwa unter die Knie gingen. U. L. Frau hingegen erscheint in dem langen Gewand, das im Winter von arabischen und jüdischen Frauen im Nahen Osten getragen wird. Pater Jose Mojika OFM hat, wie er uns mitteilte, im Heiligen Land viele Frauen gesehen, die diese doppelte Tunika trugen, die im Buch der Sprüche 31,20 erwähnt ist. So trägt auch U. L. Frau eine Tunika über einem mit Rüschen versehenen leinenen Untergewand, wie es an ihren Handgelenken zu sehen ist. Unter entsprechender Berücksichtigung der Wandlungen im modernen Palästina kann man annehmen, dass die Kleidungen der Frauen im Osten heute ungefähr die gleiche ist, wie in der Zeit Christi.

Und nun zum Gesicht U. L. Frau: Wenn man ihr Gesicht betrachtet, sieht man die Mutter unseres Herrn nicht mit den Augen eines Raphael oder Murillo, sondern sicher so, wie Jesus sie sah von dem Augenblick an, da er seine menschlichen Augen öffnete. Das gescheitelte Haar unter dem fließenden Schleier, die ebenmäßige Stirn, die lieblichen Augen, die regelmäßig geformten Züge von Nase Mund und Kinn, das war es, was Jesus als Kind auf ihren Armen sah und fühlte. Manchmal strich Er, wenn sie Ihn an sich drückte, mit Seinen Händen durch ihr Haar, mit Wohlgefallen schaute Er auf ihre Hände, wenn sie Ihm das Essen in Nazareth bereitete.

Dieses Bildnis ist viel authentischer, als es irgendein menschlicher Maler herstellen könnte. Unser Herr wusste, wie Seine Mutter auf Erden aussah und wie sie heute im Himmel aussieht. Als Maria in Tepeyac erschien, sagte sie: „Ich bin die immerwährende Jungfrau Maria, die Mutter des Herrn aller Dinge nah und fern, die Mutter des Herrschers über Himmel und Erde." Als ihr Bild auf Juan Diegos Oberwurf erschien, sah er, dass es ein genaues Bildnis der Dame war, die er in Tepeyac gesehen und mit der er gesprochen hatte.
Die Dame erschien in der gleichen Gestalt in Tolpetlac dem 71jährigen Bernardino, dem Onkel von Juan Diego, um ihn zu heilen. Später, als Juan Bernardino das wunderbar entstandene Bildnis auf dem Umhang seines Neffen sah, erklärte er, es sei eine genaue Abbildung der Dame, die ihn geheilt habe. Bischof Zumarraga fiel auf die Knie, als ihr Bild erschien und rief aus„Es la Immaculada! — Es ist die Unbefleckte!"

Gottes Mutter — unsere Mutter Jesus gab uns ein authentisches Porträt seiner Mutter, U. L. Frau von Guadalupe. In den ersten zehn Jahren der Verehrung gebrauchte niemand den Namen U. L. Frau von Guadalupe als Titel für das Gnadenbild. Sowohl die Indios wie auch die Spanier sprachen einfach von dem Besuch des Bildes von „To-Nantzin" — „unsere Mutter", oder des Bildes von „Teo-Nantzin" — „Gottes Mutter". Nach 1541 kam der Name Guadalupe in Gebrauch, die spanische Umschreibung von Coatlaxupeuh, was bedeutet: "Mein Bild wird den Schlangengott zertreten", und so kennt nun die ganze Welt das Bild unter dem Namen U. L. Frau von Guadalupe. Es ist ein Stück der geschichtlichen Verwirklichung von Genesis 3, 15: „Sie wird dir den Kopf zertreten", und von Apokalypse 12, 1: „Die Frau, mit der Sonne bekleidet.– Die Offenbarung reißt das Firmament dieser Welt auf und lässt uns erkennen, dass unser Gott zu uns kommt „durch die ganz reine und immerwährende Jungfrau Maria."

James M. Meehan SJ in „Der Fels"

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