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Maria gibt ein Zeichen

Von ehemaliges Mitglied Donnerstag 13.05.2021, 10:42


Es waren furchtbare Jahre, die Kriegsjahre 1939-1945, angefüllt mit Angst, Not und Tod. Fast täglich erreichten uns Hiobsbotschaften aus dem Verwandten- und Bekanntenkreis von Verwundeten und Toten. Als Mutter von sechs Söhnen, wovon vier im Kriegseinsatz waren, kann man rückschauend kaum mehr begreifen, diese schicksalsschweren Jahre durchgestanden zu haben.

Wohnhaft im Zentrum von München, waren wir den anhaltenden Bombenangriffen durch die alliierten Luftstreitkräfte ausgeliefert. Wiederholt wurde unsere Wohnung demoliert, doch Gott sei Dank, niemand verletzt. Neben dieser Sorge um das eigene Leben stand die nicht geringere um die im Kriegseinsatz befindlichen Söhne.

Angesichts der drohenden Gefahren hatte sich unsere Familie frühzeitig durch eine eigene Weihe der Güte und Liebe Gottes und der Hilfe Mariens anvertraut und dies gab uns in der schweren Zeit ein unverbrüchliches Vertrauen wider alle Umstände.
Besondere Sorge galt dem in Ungarn als Sanitäter bei der kämpfenden Truppe eingesetzten Sohn Ludwig, da der Wehrmachtsbericht seit Wochen große Kämpfe und Absetzbewegungen aus diesem Gebiet meldete.

Von Mitte November 1944 an blieb Feldpost von ihm völlig aus. Es wurde Weihnachten und wir blieben ohne Nachricht. Die Berichte von der zurückweichenden Front überstürzten sich. Nervende Wochen vergingen. Zudem zerstörte am 7. Januar 1945 eine Fliegerbombe mit einem Schlag das fünfstöckige Haus, in welchem sich Wohnung und unsere Existenz, ein Textilgeschäft befand. Zum Glück befanden sich alle Hausbewohner im Luftschutzkeller, aber die ungeheure Druckwelle forderte selbst hier noch zwei Todesopfer. Mit dem schäbigen Rest an Habseligkeiten evakuierten wir zu einem Bauern ins Oberland. Nach und nach erhielten wir von den Söhnen Mitteilungen außer vom Sohn Ludwig. Aus Wochen wurden bange Monate ohne jedes Lebenszeichen. Täglich die gleichen quälenden Fragen: was ist ihm geschehen? Lebt er noch? Ist er verwundet und in Gefangenschaft oder ruht er bereits irgendwo in fremder Erde. — Eine furchtbare schwere Zeit.

Allein das Bewusstsein, dass wir uns alle in besonderer Weise der Muttergottes anvertraut hatten, gab mir in dieser Aussichtslosigkeit noch Hoffnung.
Da kam eines Tages ein Päckchen an, das als Absender die Feldpostnummer der Gebirgstruppe meines Sohnes trug. Doch welch ein Entsetzen: Aus dem braunen Packpapier kamen eine Uhr und sonstige kleine Utensilien vom Handgepäck meines Sohnes hervor und eine lakonische Bemerkung: Vermisst. In solchen Augenblicken droht einer Mutter das Herz still zu stehen. Wieder und immer wieder las ich die grausame Nachricht »vermisst«. Was doch dieses kurze Wort in solchen Zeiten beinhaltet. Ich war so befangen und mit Fragen beschäftigt, dass mich das Päckchen und sein Inhalt nicht so sehr interessierte. Doch bei weiterem Auspacken des Inhalts entdeckte ich, dass das Packpapier kein gewöhnliches Papier war, sondern auf der Innenseite einen Farbdruck aufwies. Ich breitete es aus und glättete die vielen Falten und zum Vorschein kam ein wunderschönes Marienbild, darstellend die Gottesmutter, die ihr Kind fürsorglich lächelnd in Armen hält. Ein einziger Gedanke schoss mir durch den Kopf: Dies ist ein Gruß von der Gottesmutter, ein Zeichen, dass mein Sohn lebt. „Sie sorgt auch jetzt für dein Kind", war meine feste Überzeugung.
In Ermangelung eines geeigneten Verpackungsmaterials hatte ein Kamerad der Truppe meines Sohnes eben dieses Marienbild als Verpackung verwendet, ohne zu ahnen, welche freudige Mitteilung er mir damit vermitteln würde.

Es dauerte dann zwar noch Monate bis im August 1945 tatsächlich ein aus russischer Kriegsgefangenschaft entlassener Kamerad persönlich Grüße und Kunde von meinem Sohn überbrachte, aber diese ganze Zeit über tröstete und stärkte mich immer wieder dieses Marienbild, denn ich hatte die Gewissheit, dass er heimkommen wird. Am 13. Oktober des gleichen Jahres wurde er dann völlig überraschend aus dem Kriegsgefangenenlager Armavier im Kaukasus entlassen und kam am 26. November 1945 bei uns zuhause an. Ein besonderes Geschenk des Vertrauens auf Gott und seine heilige Mutter: Vor ihm waren die drei anderen Brüder bereits zurückgekehrt und mit seiner Heimkehr war die Familie wieder vollzählig beisammen. Die ganze Familie mit allen sechs Söhnen hatte den Krieg überlebt.

Maria Zehetbauer

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