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Du Stern im Meere

Von ehemaliges Mitglied Donnerstag 29.10.2020, 07:24


Es war im Kriegsjahr 1943. Ich diente bei der Marineartillerie wurde von Kiel nach Athen versetzt und zum Schluss auf die Insel Ägina zum Schutz der Hafeneinfahrt von Piräus, dann ins Festland von Piräus abkommandiert.

Mit ca. 70 Mann waren wir im Schiffsladeraum untergebracht, als sich plötzlich ein starker Sturm erhob, der unsere gesamte Ruderanlage zerbrach. Es bestand nun die große Gefahr, die Einfahrt nicht mehr zu erreichen und auf Minen aufzulaufen. Doch gelang es nochmals, sie zu reparieren, so dass wir gut in den Hafen kamen. Dort stand ein großes Schiff, auf das wir all einstiegen: 600 Soldaten, 300 Mann ins Vorder- und 300 Mann ins Hinterdeck, mit viel Munition und Material. Nachts gab es plötzlich Fliegeralarm! Alle Lichter verlöschten. Es wurde stockfinster. Der Bombenangriff galt aber dem Flugplatz. So ging er gut vorüber. Morgens halb vier Uhr ging's dann mit Sicherung, U-Bootjägern, Minenräumboot, zwei Flugzeugen und Begleitschutz in Richtung Türkei weiter — wie St. Paulus auf Missionsreise, nur umgekehrt. Schon am zweiten Tag war ein feindliches Flugzeug über uns. Wir waren also entdeckt!

So liefen wir den Hafen an und blieben eineinhalb Tage dort.
Dann ging die Fahrt zur Insel Samos. Über Nacht blieben wir im Hafen und brachen um halb sieben Uhr auf. Kaum waren wir ausgelaufen — ich frühstückte am Schiffsdeck, hatte ich das unangenehme Gefühl — es ist etwas los. Als ich wieder die Augen öffnete, lag ich ca. 30 m entfernt auf der Kommandobrücke. Mein erster Gedanke war: Schwimmweste! Ich merkte auch, dass ich jetzt barfuß war, Schuhe und Socken waren weggerissen. Im Vorschiff stand schon das Wasser, im Vorderdeck war ein großes Loch, meine 300 Kameraden waren verschwunden. Alles erschien mir wie im Traum. Wie im Traum watete ich weiter. Das Wasser stieg höher, das Schiff sank. Mein einziger Gedanke jetzt war: hinauf zur höchsten Mastspitze! Am Tau versuchte ich hochzuklettern. Da sank das Schiff und riss mich mit in die Tiefe. Neben mir sah ich noch einen stark blutenden Kameraden, der nach mir rief. Erst in der Tiefe des Wassers kam ich wieder zu mir und versuchte verzweifelt, wieder hochzukommen. Die Luft ging mir fast aus, und ich glaubte, der letzte Augenblick meines Lebens sei gekommen. In dieser Todesnot dachte ich an die liebe Mutter Gottes. Im Augenblick war ich wieder über Wasser. Doch nochmals zog es mich hinunter, ich kam aber nach einigen Bemühungen wieder hoch. Da entdeckte ich plötzlich einen Kameraden an einer Kiste hängen, der nach mir schrie, ich schwamm zu ihm, um ihm Mut zu machen. Wir beteten gemeinsam ein Ave Maria. Jetzt erst bemerkte ich, dass meine Füße schmerzten. Wir versuchten wohl, uns bemerkbar zu machen, doch weit und breit war niemand zu sehen. Bald war ich völlig apathisch. Nach ca. 20 Minuten steuerte ein Schiff auf uns zu und zog uns heran. Ich wurde sofort verbunden, dann ging es in den Hafen von Samos, wo uns schon Sankas empfingen. Stundenlang lag ich noch in meiner nassen Uniform. Ein Flugboot für Schwerverwundete wurde angefordert, kam an, landete aber zu hart, mit der Schnauze im Sand. Alle sechs Mann Besatzung waren sofort tot. Mein blutender Kamerad kam zwar noch ins Rettungsboot, starb aber bald. Die Nacht durchdrang das Jammern und Stöhnen der Schwerverwundeten. Dann kamen wir ins große Marienhospital »Sismanakian« von Athen. Der damals mit mir an der Kiste gehangene Kamerad wurde geheilt, in einem Flugzeug zurücktransportiert, um wieder eingesetzt werden zu können. Das Flugzeug wurde jedoch abgeschossen. Nach acht Tagen Lazarett kam ich dann in einem Lazarettzug nach Salzburg.
Soweit ich feststellen konnte, war ich der einzig Überlebende meiner 300 Kameraden vom Vorschiff. Ein U-Boot hatte gelauert und zwei Torpedos ins Schiff geschossen. Die meisten der 300 Kameraden waren ins Meer geschleudert worden und ich mit wenigen auf die Kommandobrücke.

Es war eine Kette unwahrscheinlicher Fügungen, die ans Wunderbare grenzen. Zuerst wurde ich ca. 20 m durch die Luft geschleudert und kam auf festen Boden. Dann dieser Sturz, ähnlich einem aus dem 4. Stockwerk, brach mir aber nicht das Genick, sondern das Fersenbein. Mein Fuß sollte abgenommen werden, im letzten Augenblick aber wurde davon abgesehen.

Das 3. Wunderbare war, dass das Schiff innerhalb von 4 Minuten gesunken war, ich aber in den letzten Minuten wie im Traum zu mir kam.
Und 4.: mit dem Schiff am Tau hängend unterging und immer wieder hochkam — es war am 27. November 1943, dem Festtag der Wunderbaren Medaille. Ich hatte Maria schon immer besonders verehrt.
Heute bin ich katholischer Priester und versuche in meiner priesterlichen Verbindung immer wieder hinzuweisen auf die große Macht unserer himmlischen Mutter.

Pfr. Kammermeier

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