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Als Kind war er in Altötting gewesen

Von inbus 27.09.2020, 06:16


Wenn ich in Altötting verweile und die Gnadenkapelle besucht habe, setzte ich mich gerne auf eine der Steinbänke des Rundganges. Ich betrachte die gläubig-frommen Menschen, die betend Holzkreuze, kleine und große, um die Kapelle tragen. Einmal fiel mir ein Mann auf, welcher, obwohl sein Haar schneeweiß war, der Gestalt und Haltung nach doch in den besten Jahren sein musste. Er hatte sich das allerschwerste Kreuz ausgesucht und trug es mit tiefer Ergriffenheit mehrmals um die Kapelle.
Eine ältere Frau setzte sich zu mir und sagte ganz unvermittelt: „Gelt, der fällt ihnen auch auf?" Als ich bejahte, erzählte sie: „Wissen sie, das ist ein ehemaliger SS-Mann!" Als ich erstaunt fragte, wie sie das wissen könne, sagte sie: „Ja, ich lüge sie nicht an, ich lüge sie nicht an, ich weiß es von ihm selber. Er war, als der Krieg aus war, in Russland und ist mit anderen SS- Männern in harte Gefangenschaft gekommen. Die Russen haben nicht viel Federlesen gemacht, haben alle in Reih und Glied an die Wand stellen lassen und einen nach dem anderen erschossen. Wie sie zu ihm gekommen sind, hat er gerade noch den einen Gedanken gehabt: Er war als Kind mit seiner Großmutter einmal in Altötting, und wenn ihm die Muttergottes helfen würde, so könnte er wieder glauben, und er wäre ihr ewig dankbar. Nun hat er schießen hören, und dann hat er nichts mehr gewusst. Auf einmal kommt er zu sich auf dem freien Feld. Er liegt unter ein paar toten Kameraden, kriecht heraus, tastet sich ab, ist nicht verwundet, er kann es fast nicht glauben, er lebt, er ist frei. Was ist da gewesen? Wie er den Gedanken an die Muttergottes gehabt hat, ist er ohnmächtig geworden und zusammengebrochen, und gerade in diesem Augenblick haben sie geschossen. Die Kugel wird in die Wand gesaust sein und die Russen werden sich gedacht haben, nun den hat es ja schon getroffen, zusammengefallen ist er ja, und sie haben ihn und die anderen auf den Lastwagen getan, aufs freie Feld hinausgefahren, sie da liegen lassen. Er ist ausgerechnet solange ohnmächtig gewesen, bis die Russen weg waren. Nun, was soll ich noch erzählen, er ist auf und davon und ganz wunderbar ist er durch Russland gekommen. Überall haben sie ihm Essen und Nachtquartier gegeben, und heim ist er gekommen, freilich nach einer langen Zeit. So und jetzt ist er in Altötting! Aus dem Saulus ist ein Paulus geworden.

Der Bericht der Frau war so glaubwürdig, dass ich nicht den geringsten Zweifel zu haben brauchte. Später sah ich den Mann noch in der Basilika, wie er gerade aus einem Beichtstuhl herauskam.

Erzählt von Marie Luise Franz, Teisbach

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