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SIEBEN LEBEN Fortsetzung 5 und Ende

Von egalis Donnerstag 12.01.2023, 14:07

Kommt die Urkatze in ihrem siebten Leben wieder?

Die Urkatze hatte in all den Jahren viel Erfahrung gesammelt, und so meinte die Großgeistin wohl, dass sie sich nicht mehr so sehr um ihr Tier kümmern müsse, dass es alleine zurechtkam. So hatte sie völlig übersehen, was der schwarze Kater, der das jetzt war, in seinem jungen Leben auszuhalten hatte. Vielleicht war er auf einem Bauernhof oder unter einem Gebüsch geboren worden und irgendjemand hat das nicht gepasst.
So beschloss er eines Tages, fortzulaufen und sich eine andere Unterkunft zu suchen. Viele Tage war er unterwegs. Dann kam er auf eine große Wiese, die durch einen tiefen Graben von einer anderen Wiese getrennt war. Diese Wiese war eingezäunt und Rinder grasten dort in dem hohen Gras. Hinter dem Gatter standen kleine Häuser. Zur Rinderweide hin waren kleine Gärten und in einem der Gärten saß eine alte Frau und las in einem Buch. Ab und zu sah sie hoch, sprach mit einem Rind, das über den Zaun blickte und mit leisem Brummen antwortete. Der Kater fühlte sich zu dieser Idylle hingezogen. Er hockte sich ins Gras und beobachtete das Umfeld. Die Frau bemerkte das schwarze Tier und sprach es leise an. Als sie aufstand, erschrak der Kater und sprang davon. Es wurde Abend, und er kam nicht wieder.
Am nächsten Tag war herrlicher Sonnenschein. Und das Geschehen wiederholte sich. Die Frau sprach mit den Rindern, gab ihnen Schwarzbrot und Apfelstücke, was sie begeistert nahmen, und dann setzte sie sich wieder auf ihre Terrasse und nahm das Buch zur Hand. Hin und wieder blickte sie auf und sah, wie der schwarze Kater durch das Gras auf sie zugeschlichen kam, sich in einiger Entfernung erst hinsetzte und sich dann langsam hinlegte und sie nicht aus den Augen ließ. Da lockte sie ihn freundlich, aber er wollte sich noch nicht locken lassen. Als sie aufstand, lief er davon.
Dabei wollte sie nur etwas Leberwurst für ihn holen. Vielleicht hatte er ja Hunger? Sie stellte den Teller mit der Wurst nahe der Weide und kümmerte sich augenscheinlich nicht mehr darum. Ein paar Stunden später war der Teller leer. So ging es über etliche Tage und der Kater folgte dem Teller, den sie immer näher ans Haus stellte.
Ganz langsam verlor der Schwarze seine Scheu. Eines Tages konnte sie ihn streicheln, und er ließ es zu. So nah dabei, konnte sie sehen, was mit ihm geschehen war: Seine Hüfte schien verdreht zu sein, der Schwanz hatte eine Bruchstelle, da fehlten an der Spitze auch ein oder zwei Wirbel, ein Ohr war zerzaust. Auf dem Rücken hatte die Wirbelsäule einen Knubbel. Zu ihrer Freude kam er irgendwann zu ihr ins Haus, aber immer darauf bedacht, schnell wieder herauszukönnen und hielt sich dann mit der Zeit immer länger drinnen auf.
Dann wollte sie die Küche ausfegen, während der Kater auf einem Stuhl hockte. Als er den Besen sah, bekam er Panik und verschwand in der hintersten Ecke unter einem Schrank. Später passierte so etwas wieder, als sie mit einer Rolle Packpapier in die Küche kam. Da war ihr klar, dass er mit einem Stock geschlagen worden sein musste. Kam Besuch ins Haus und der war männlich, verschwand das Katertier unter einem Schrank und kam erst wieder hervor, wenn die Luft rein und kein fremder Mensch mehr im Haus war. Nur einmal akzeptierte er einen fremden Mann, der zu Besuch kam und dann immer wieder. Diesen mochte er und schlief in oder auf dessen Koffer und hatte es gerne, wenn er von diesem mit Leckerbissen verwöhnt wurde.

Auf den Namen Peter, den die Frau ihm geben wollte, weil alle Katzen in ihrer Familie schwarz waren und Peter hießen, reagierte er nicht. So blieb es bei KATER.
Dann verschwand er und kam erst nach ein paar Tagen wieder, mit einer offenen Wunde am Hinterlauf, die am verkrusten war. Sie brachte ihn zu einem Tierarzt, der nicht viel machen konnte, weil die Wunde älter war. Aber er untersuchte den Kater, stellte auch fest, dass dem kleinen Kerl übel mitgespielt worden war und versorgte ihn medizinisch. Er wäre wohl ca. 4 Jahre alt, hatte der Arzt noch gemeint. Die Frau bestätigte, dass das auch ihre Einschätzung sei. Bei den vielen Katzen in allen Altersstufen, die sie in ihrem Leben hatte, konnte sie das feststellen.
Einmal noch schaffte es die Frau, den Kater zum Tierarzt zu bringen, der ihn wiederum versorgte, ihn auch gleich kastrierte. Danach war es unmöglich, das Tier in einen Transportkorb zu bekommen. Er verschwand und kam erst wieder zum Vorschein, wenn der Kasten nicht mehr da war. Zum Glück blieb er gesund, so dass ein Tierarztbesuch nicht notwendig war, und was er haben musste, Mittel gegen Würmer zum Beispiel, kaufte die Frau.
Kater war ein Freigänger und zu gleicher Zeit auch ein gemütlicher Heimbewohner, der gerne bei der Frau auf dem Schoß saß, sie beschmuste, wenn sie handarbeitete und der neben ihr auf dem Sofa lag. Es interessierte ihn, wenn sie vor dem Computer saß und sein Platz war dann in der Schreibtischschublade oder er stolzierte über die Tastatur, setzte sich auch schon mal darauf, wenn es ihm zu lange dauerte, bis sie sich um ihn kümmerte.
Wenn sie mal für längere Zeit fortmusste und er alleine blieb, hatte er draußen in einer Terrassenecke eine hohe Kiste, die einmal ein Stehtisch mit Fächern gewesen war. Dort hatte er einen gepolsterten Platz und war wettergeschützt und jedesmal, wenn sie wiederkam, war er außer sich vor Freude. Ja, die beiden waren ein Herz und eine Seele.
Viele Jahre waren sie zusammen und die Großgeistin sah es mit Freude. Meinte aber, dass es Zeit sei und Kater sich langsam von seinem Erdenleben lösen sollte.
Der Frau fiel auf, dass er sehr abmagerte, sie konnte seine Knochen durch das Fell fühlen, sah, dass er außergewöhnlich viel trank, wenig fraß. Am liebsten noch das, was auch seine Fürsorgerin auf dem Teller hatte, wenn er ihr über die Schulter sah. Er hockte dann hinter ihr auf der Stuhllehne. Aber er hatte sein eigenes Futter. Doch das ließ er immer mehr stehen. Sie wollte ihn wieder zum Tierarzt bringen. Nur wie? Von einem befreundeten Tierarzt besorgte sie sich einen Transportkorb, den sie in die Küche stellte. Dort hinein platzierte sie den Teller mit Katerfutter und es dauerte nicht lange, er traute sich hinein und nach ein paar Tagen konnte sie die Tür hinter ihm zu machen, ohne dass er in Panik geriet. Er wusste ja nun, dass er wieder herauskonnte.
Bei der Untersuchung stellte sich heraus, dass der kleine Kerl sehr krank war und nicht mehr lange leben würde. „Überleg Dir das, lass ihn nicht so lange leiden, ich komme zu Dir und gebe ihm die Spritze“, gab ihr der Freund mit auf den Weg.
Was für ein schwerer Entschluss!
Wusste Kater, wie es um ihn stand? Er war noch anhänglicher als zuvor. Wenn sie ihn auf dem Arm hatte, schmiegte er sich an und krallte sich fest.
Eines Tages hatte sie sich entschieden, konnte nicht mehr mit ansehen, wie es ihrem Liebling von Tag zu Tag schlechter ging. Der Veterinär kam.
Bis zu seinem letzten Atemzug lag Kater auf ihrem Schoß.

Die Großgeistin Feline hat ihn zu sich geholt.
Sieben Leben waren durchgestanden…

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