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SIEBEN LEBEN Fortsetzung 4

Von egalis Mittwoch 11.01.2023, 19:01

Als was würde die Urkatze diesmal in die Menschenwelt kommen? ****

Inzwischen war der Schäferhund nicht mehr da und eine Mischlingshündin kümmerte sich um Hof, Tiere und Menschen. Sie stöberte eines Tages in einer Lücke zwischen Strohballen ein Nest mit zwei jungen Katzen auf. Die jammerten, weil ihre Mutter nicht wiedergekommen war von einem Streifzug.
Die Hündin nahm sich der beiden Kleinen an. Ein gelb gestromter Kater war es und ein grau getigertes Kätzchen. Die beiden lagen warm bei ihrer Pflegemutter und wurden auch von ihr gesäugt. Eine Scheinträchtigkeit hatte die Milchdrüsen bei der Hündin in Tätigkeit gesetzt.
Der Kater bekam den Namen Lorbas und seine Schwester hieß Lulu. Mit beiden hatte die Familie viel Freude. Dann lief Lorbas eines Tages auf die Straße und wurde von einem Auto überfahren.
Großgeistin Feline hatte mit Freuden gesehen, wie viel Zuneigung der kleine Kater vergeben hatte und dass er die von seinen Menschen zurückbekam. Sie wollte ihn wieder bei sich haben und so war das vierte Leben vorbei.

Lorbas war zwar gerne bei der Großgeistin, erinnerte sie aber daran, dass sie ihrer Urkatze mehrere Leben zugesagt hatte, wenn sie einen Menschen froh gemacht hatte. Da das der Fall gewesen war, hielt Feline ihre Zusage und ihre Lieblingskatze kam, diesmal wieder als grauer Kater, mit eigenwilligem Muster im Fell, zu einer Frau, die alleine lebte.
Jetzt hieß die Katze Timpetee Timoteeus. Irgendwann war der Name viel zu umständlich und der Kater hörte auf den Namen Timmi. Er hatte sein Vergnügen daran, mit der kleinen Enkelin zu spielen, wenn die ihre Oma besuchte. Wenn die Frau handarbeitete oder las, saß er auf deren Schoß.
Er bekam viele Streicheleinheiten und schnurrte sein Wohlbehagen laut heraus.
Einige Jahre war er schon bei der Frau. Da merkte sie, dass es ihm nicht gut ging. Fressen wollte er nicht mehr richtig, das Fell wurde struppig. Beim Tierarzt bekam der Kater Aufbauspritzen und Medikamente. Es wurde nicht besser. Im Gegenteil. Alle Liebe nützte nichts. Er starb und die Frau war lange sehr traurig.
Großgeistin Feline sah das alles wohl. Sie war aber der Meinung, dass ihre Katze ihren Dienst getan hatte und wieder zurück zu ihr sollte. Das fünfte von sieben Leben war vorbei.
Die Urkatze schmiegte sich an die Großgeistin und wollte wissen, wann und zu welchen Menschen und in welcher Gestalt sie als nächstes kommen würde. „Warte nur ab“, meinte die Großgeistin und sah sich im Menschenreich nach einer geeigneten Stelle um. Da hatte sie eine Idee und meinte zur Urkatze, dass es diesmal ganz anders laufen würde. „Du kommst in ein Tierheim“, sagte sie zu ihrem Lieblingstier. „Da freundest Du Dich mit einem Kater an und dann müsst Ihr sehen, dass Ihr beide in eine Familie kommt.“ – „Wie soll das denn gehen?“, fragte die Katze. „Das wird schon gelingen, da bin ich mir ganz sicher. Ach, ich lasse Dich ungerne ziehen. Am liebsten würde ich Dich hierbehalten. Aber zwei Leben hast Du ja noch. Das habe ich versprochen und was man verspricht, muss man halten.“
So fand sich eine kleine graue Tigerkatze in einem Gehege wieder, in dem noch mehr Katzen waren. Die Tierheimleute hatten sie Emmi getauft. Emmi war äußerst lebhaft und neugierig. Manche Katze, der sie zu ungestüm war, gab ihr einen Tatzenhieb und fauchte sie an. Doch da war auch Lenni. Ein hübscher Kerl, in den sie sich gleich verliebte und der ihre Wildheit gelassen hinnahm. Die beiden wurden unzertrennlich.
Eines Tages kam eine Menschenmutter mit ihren beiden Kindern. Sie hatten sich überlegt, dass sie eine Katze haben wollten und die sollte aus dem Tierheim sein. Sie gingen an den Gehegen entlang und besahen sich die Tiere. Manche verkrochen sich in den hintersten Winkel, andere sahen gelangweilt nach den Besuchern. Wieder andere spielten oder saßen am Gatter und ließen sich durch die Zaunlücken streicheln.
Die kleine Emmi hatte auf einmal ein seltsames Ziehen in sich und es war, als wenn ihre Urmutter, die Großgeistin Feline, ihr zuflüsterte, dass jetzt ihre Zeit gekommen sei. Hier wären ihre Menschen, zu denen sie müsse.
Hatten diese Menschen etwas davon mitbekommen? Es war wohl Liebe auf den ersten Blick. Sie wollten Emmi haben und damit sie nicht so alleine wäre, wenn die Kinder zur Schule sind und die Mutter zur Arbeit ist, sollte eine zweite Katze dazu. Natürlich lenkte die Großgeistin das Geschehen und Lenni, der hübsche Kater, wurde der Hausgenosse und Gefährte von Emmi.
Emmi war hingerissen von der Zuneigung, die ihr vom ersten Tag an entgegengebracht wurde und gab sie mit vollem Körpereinsatz zurück.

Eine glückliche Zeit begann für die beiden Samtpfoten. Lenni, der etwas älter war als Emmi, war nicht so ungestüm. Aber er liebte seine Menschen wie sie ihn. Emmi, die wilde, kam mit einer schlimmen Verletzung von einem Ausflug zurück. Sie schien in eine Scherbe getreten zu sein. Eine Pfote blutete stark und der Schnitt musste genäht werden. Die Fürsorge ihrer Familie nahm sie gerne in Anspruch und tat ihr gut. Bald konnte sie wieder durchs Haus toben und draußen sein.Voller Zuneigung beobachtete die Großgeistin ihre Lieblingskatze, die nicht nur einen Menschen, sondern gleich drei glücklich machte. Da meinte sie wohl, dass es Zeit sei: Emmi musste wieder zu ihr zurück.
Der Abschied würde den Menschen schwerfallen, das wusste sie. Aber Emmi würde auch starke Schmerzen haben. Das war ihr auch klar. Davon müsste sie ihre Katze erlösen.
So wartete die Familie eines Tages darauf, dass beide Katzen von ihrem Ausflug ums Haus herum zurückkämen. Wer sich einstellte, war Kater Lenni. Emmi kam Stunden später nach Hause gekrochen. Es ging ihr nicht gut, das konnte man sehen. Sie konnte nicht stehen und atmete sehr flach. Fressen mochte sie nicht.
Der Tierarzt konnte erst nicht feststellen, was sie hatte. Beim Röntgen wurde ein Zwerchfellriss entdeckt, der ihr wahrscheinlich durch einen Tritt zugefügt worden war. Sie wurde operiert. Als die Großgeistin sah, dass das Erdenleben für ihre Lieblingskatze unerträglich wurde, nahm sie die Kleine noch während der Operation wieder zu sich. Das sechste Leben hatte sich vollendet.
Die Familie trauerte sehr um die Katze und deren Gefährte Lenni schlich durchs Haus und suchte sie.

Wie Emmi an die schwere Verletzung gekommen ist, weiß niemand. War es ein Mensch, der sie getreten hat? Oder ist sie spielenden Fohlen, die hinter dem Haus auf der Weide waren, unter die Hufe geraten?

Kommt die Urkatze in ihrem siebten Leben wieder?

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