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OSTERFEUER-GRÜBELEI

Von egalis Montag 18.04.2022, 09:43

Übersetzung aus dem Plattdeutschen

Etliche Streichhölzer gebrauche ich, dann brennt das trockene Zeugs, das ich für mein kleines Osterfeuer zusammengeharkt habe. Der Wind pustet in den Haufen und eine große, graue Wolke zieht über den Wall. Von hinten habe ich den kalten Wind. Von vorne ist es warm. Ich stütze mich auf den Harkenstiel und beim Sehen ins Feuer gehen meine Gedanken auf Reisen.

Wie viele Osterfeuer haben hier wohl schon gebrannt?
Es kommt mir vor, ich kann sie sehen und hören: Die Menschen aus alter Zeit.
Mit ernsten Gesichtern stehen sie beim Feuer. Nicken sich zu, erzählen sich was. Schieben mit einer Forke Zweige zusammen: Die Männer in ihren grauen Kitteln bis an die Knie, grobe Cord-Hosen an den Beinen und mit Wollsocken an den Füßen in den Holzschuhen. Die Frauen stehen dabei in ihren langen Röcken. Sind wohl Fünfschaftgewebte. Lange Schürzen haben sie vor die Röcke gebunden. Dicke, wollene Jacken haben sie an. Schultertücher schützen Kopf und Rücken vor dem kalten Wind. Sie schimpfen mit den Kindern, wenn sie zu dicht beim Feuer fuhrwerken.
Die Männer haben ihre Mützen über die Ohren gezogen. Pfeifen haben sie zwischen den Zähnen oder sie priemen. Das zischt, wenn sie ins Feuer spucken. Später, wenn das Feuer heruntergebrannt ist, die Kinder in ihre Butzen gekrochen sind und lauschen, was die Großen sich erzählen, sitzen die warm und geschützt bei Tee oder Punsch in der Küche beim offenen Feuer und sehen den Frauen zu, wie sie mit roter Bete und Zwiebelschale Eier färben.

Noch viel eher haben vielleicht auch Germanen hier ihre Feuerstelle gehabt. Angespitzte Feuersteine hat mal einer in diesem Gebiet gefunden. Haben die Ureltern um das Feuer gesessen, haben Fleisch an Stöcken gebraten oder haben das Feuer bloß angehabt, damit kein Isegrim zu nahekam, wenn sie schliefen?

Ich gucke in die Funken, die aus der Flamme schießen und kann mir das gut vorstellen, wie sie da gesessen haben in ihren Fellkleidern,

Auf einmal hüpfen meine Gedanken nach Borkum, wo ich das schönste von meinen Jahren erlebt habe. Zur Osterzeit kamen Jungs aus dem Dorf auf den Hof, wo ich damals lebte. Mit einem Gespann Pferde und einem Leiterwagen half ich ihnen, trockenes Holz zu sammeln. Das brachten wir zur höchsten Düne an den Strand. Wurde es den Pferden in dem losen Sand zu schwer, mussten sich die Jungen mit dem Holz abmühen. Auf fast jeder hohen Düne lagen Haufen von Holz und abends in der Dämmerung wurden die Osterfeuer angezündet. Der Rauch zog über die See. So dicht, dass das Nebelhorn heulte. Die Lichter vom Leuchtturm konnten nicht durch den grauen Rauch finden und die Schiffer draußen konnten dadurch nichts sehen.

Ein Geruch von verbranntem Holz zog auch am anderen Tag noch durch Dünen und Dorf. Und mit den Ostertagen kam die Sehnsucht nach dem Wachsen und Blühen im Frühjahr.

Aber jetzt ist über das Grübeln mein Osterfeuer runtergebrannt. Es wird kalt.
Ich atme tief durch und gehe ins Haus.

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