Nikolaus 1985 in Paris
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Feierabend-Mitglied
Mittwoch 01.12.2021, 12:30
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In wenigen Tagen ist der 6. Dezember.
Um diese Zeit denke ich oft an folgende Geschichte:
Einen großen Teil meines Lebens habe ich in Frankreich verbracht. Meine Kinder sind in Paris aufgewachsen. Familie in Deutschland hatte ich schon sehr lange nicht mehr, aber für mich war es sehr wichtig, dass meine Söhne auch deutsche Sitten und Bräuche kennen sollten.
Zu diesem Zeitpunkt waren die Jungen 7 und 3 Jahre alt. Der Große wusste natürlich bereits, dass es keinen Nikolaus gibt und dass ich es war, die seine Schuhe, die vom Papa und vom kleinen Bruder mit netten Kleinigkeiten füllte.
Hier in Deutschland kennt jedes Kind den Nikolaus, es gibt Lieder, man spricht in der Familie und im Kindergarten darüber, sieht Werbung im Fernsehen. Das fiel in diesem Fall natürlich alles weg. Nur ich, mit Unterstützung des großen Bruders, konnte den Kleinen darauf vorbereiten.
Wir haben viel darüber geredet.
Und waren uns sehr sicher, dass unser Kleiner nun verstanden hatte, dass er am 6. Dezember kleine Geschenke in seinen Schuhen finden würde. Falsch gedacht!
Die Schuhe der gesamten Familie befanden sich in einem Schrank im Eingang. Der Vater meiner Söhne wollte unbedingt erleben, wie seine Kinder nun die Überraschungen des Nikolaus entdeckten und hatte beschlossen, etwas später zur Arbeit zu fahren. Es wurde langsam Zeit für Schule und Kindergarten, also forderten wir unseren Kleinen auf, die Stiefel anzuziehen, wir müssten bald gehen.
Seine Reaktion hatte niemand erwartet. Er griff nach den Stiefeln, stutzte, nahm die Süßigkeiten heraus und warf sie im hohen Bogen durch den Raum, dass sie teilweise im Wohnzimmer landeten. Blitzschnell folgte der Inhalt des zweiten Stiefels. Er stampfte mit dem Fuß auf und fragte, was das denn solle, Süßigkeiten in seinen Schuhen, dahin gehörten sie nun wirklich nicht.
Wir waren wie erstarrt, konnten gar nicht sofort reagieren. Ich stand an die Wand gelehnt, brach in schallendes Lachen aus, während mir die Tränen über das Gesicht liefen. Die Situation war urkomisch, aber auch unendlich traurig für mich.
Ab dem folgen Jahr fanden dann ihr Vater und auch ich immer am Morgen des 6. Dezember Kleinigkeiten in unseren Schuhen, teilweise sogar liebevoll verpackt von unseren Söhnen und das haben sie lange beibehalten.