IN DIE LUFT GEGANGEN
Von
egalis
Donnerstag 22.12.2022, 18:14
Du möchtest die Antworten lesen und mitdiskutieren? Tritt erst der Gruppe bei. Gruppe beitreten
Von
egalis
Donnerstag 22.12.2022, 18:14
Du möchtest die Antworten lesen und mitdiskutieren? Tritt erst der Gruppe bei. Gruppe beitreten
In ein Flugzeug steigen? Oh nein, ich doch nicht. Davor hatte ich Schiss. Dann war da die Einladung von der Geschäftsleitung zur Präsentation des neuen Wagens auf Mallorca. Er: „Da müssen wir hin, ich habe Order und Du musst mit.“ Alles Widerstreben nützte nichts. Es war noch Zeit bis dahin, ich konnte versuchen, mich darauf einzustellen. Immer, wenn ich daran dachte, kriegte ich Fracksausen.
Tage vor der Reise hängte ich draußen Wäsche auf. Unter dem blauen Himmel zog sehr oben ein großes Flugzeug seine Bahn und da hatte es mich gepackt: Wie schön müsste es sein, von da oben auf die Welt zu sehen! Ich begann mich zu freuen. War voller Spannung.
Die Auswirkungen des Sektempfanges vor dem Abflug der von der Firma gecharterten Maschine beflügelten mich wahrscheinlich, so dass ich es wagte, den Steward zu fragen, ob ich ins Cockpit dürfe.
Ich durfte, bekam die Knöpfe, Schalter und Hebel erklärt und wo wir uns befanden. Die Sicht war fantastisch. Kurz vor der Landung musste ich wieder zu meinem Sitzplatz.
Ich war fluginfiziert. Und Mallorca zur Mandelblüte wunderschön.
Das war Flug eins.
Deutschland war vereint. Man wollte mit den neuen Ländern Kontakte knüpfen und Neuland erkunden. Vetter Gerd war Bauunternehmer und Architekt und versprach sich einiges an lohnenden Unternehmungen in der neuen norddeutschen Ecke und hier besonders auf Usedom.
Mit anderen Leuten war ich mit der Kultur in unserer Gemeinde beschäftigt und gerne wollten wir kulturell mit anderen Gruppen aus den neuen Landen in Verbindung kommen. Gerd lud mich und eine weitere „Kulturin“ ein, mit ihm nach Heringsdorf zu kommen. Wir würden in einer sechssitzigen Maschine fliegen, was für mich keinen Hinderungsgrund darstellte. Ich hatte ja inzwischen Flugerfahrung, meinte ich.
Flug zwei stand an.
Wir bestiegen also in Emden den Sechssitzer und hoben ab. Spannend, unsere Heimat von nicht so sehr weit oben zu betrachten. Die paar durchrumpelten Luftlöcher nahmen wir nicht ernst. Der Pilot erklärte uns, wo wir uns befanden. Irgendwann landeten wir auf dem Flugplatz von Swinemünde, der ein wenig ungenutzt aussah. Wir erfuhren dann noch, dass der dabei gewesene Kopilot uns auf dem Rückflug fliegen würde und er wollte dann einen anderen Kopiloten einweisen. Wir nahmen es zur Kenntnis, fuhren mit einem Taxi nach Heringsdorf, wurden dort von einem mit der dortigen Kultur beschäftigten Dezernenten begrüßt.
Etwas sehr kühl, wie wir fanden. Besprachen unser Vorhaben. Eine spätere Verbindung kam nicht zustande. Unsere Kulturen passten wohl doch nicht zueinander.
Am nächsten Tag wurden wir beiden Frauen wieder zum Flugplatz kutschiert, Gerd blieb in Heringsdorf. Wir bestiegen den Sechssitzer und es ging in die Luft. Das Flugwetter war wie bestellt. Wir besahen uns die Gegend, wussten ja vom Herflug schon, wo ungefähr wir uns befanden.
Die Piloten unterhielten sich. Da auf einmal senkte sich die Nase unseres Fliegers und im Sturzflug sausten wir der Erde entgegen. Ob ich was gedacht habe, weiß ich nicht mehr. Angst spürte ich eigentlich nicht, nur gewaltiges Staunen. Als mir der Gedanke kam, das war es dann wohl, als wir auf einen Wald zurasten, hob sich die Maschine kurz vorher und brauste kurz über die Wipfel hinweg.
Meine Reaktion nach vorne: „Was war das denn? Müssen wir uns jetzt öfter darauf einstellen? Denn sagen Sie gefälligst vorher Bescheid!“ Der Pilot fing an zu lachen! Meinte, nein, das sei nicht der Fall. Er habe auf dieser LPG da unten gearbeitet, sei Düngeflieger gewesen und wollte eben seine Kollegschaft grüßen! An uns da hinter ihm habe er überhaupt nicht mehr gedacht. Entschuldigung!
Ich hab gedacht, mein Schwein pfeift!
Der Weiterflug ging ruhig vonstatten. Wir sahen Bremerhaven, die Weser, Wilhelmshaven unter uns und es gefiel uns, dass wir bald in Emden sein würden. Da bemerkte ich, dass der Pilot nach unten sah und seinen Ko fragte, wo wir denn seien. Der zuckte mit den Schultern, nahm sich eine Karte vor und fing an, die zu studieren. Sah nach unten, schüttelte den Kopf, hob die Schultern wieder. Sagte was zu seinem Kollegen, der seinerseits nach unten sah und den Kopf schüttelte. Ganz offensichtlich war die Orientierung bei den beiden futsch. Ich stieß Renate an, wir sahen unsererseits nach unten, sahen nicht weit vor uns die Torffelder von Wiesmoor und den Ems-Jade-Kanal. Als die Piloten hörten, dass wir uns kenntnisreich unterhielten, wollten sie von uns Auskunft, wo wir uns befanden. Ich sagte ihnen dann, dass sie sicher nach Emden kämen, wenn sie dem Kanal folgen würden. Das taten sie auch. Zwischendurch fiel mein Blick auf die Tankanzeige. Hätte ich man nicht dorthin gesehen! Der Zeiger war verdächtig nahe am Endanschlag.
Was soll ich sagen, als wir in Emden aufsetzten, meinten die Piloten, das wäre höchste Eisenbahn gewesen.
Mit dem allerletzten Tropfen Kerosin waren wir angekommen!
Harr ik nu de Snuut vull van de Flegeree? Nö. Hebb noch een paarmal in so een lüttjen Maschin seten. Hebb Oostfreesland van boven bekeken un de Eifel ok. Hett mi beids heel good gefallen!
Ok mit groot Flegers hebb ik unnerwegens west. Na Ungarn, Griechenland, Norwegen, Malta, Spanien, de Türkei, na Kanada un na Amerika.
Blot as de Maschin van Amerika ut in een Unweer raakt is, dat weer nich so moi. 3000 - dreedusend Meters!! - sünd wi runner sackt in een Luchtlock.
Van 10000 -teihndusend- Meters na 7000 -söbendusend- Meters runner - dat was een raren Geföhl. Dor hung de Maag an de Bön boven uns.
Man good, dat de Pilot de Maschin weer in sien Gewalt kreeg. Anners harr dat nich good utsehn mit uns!
ÜBERSETZUNG.
Hatte ich die Schnute jetzt voll von der Fliegerei? Nö. Habe noch ein paar Mal in so einer kleinen Maschine gesessen. Habe Ostfriesland von oben besehen und die Eifel auch. Hat mir beides sehr gut gefallen! Auch mit großen Fliegern war ich unterwegs. Nach Ungarn, Griechenland, Norwegen, Malta, Spanien, die Türkei, nach Kanada und Amerika. Bloß als die Maschine von Amerika aus in ein Unwetter geraten ist, das war nicht so schön. 3000 - dreitausend Meter sind wir runtergesackt in ein Luftloch. Von 10.000 Höhenmetern nach 7.000Meter runter- das war ein eigenartiges Gefühl. Da hing der Magen an der Decke über uns.
Nur gut, dass der Pilot die Maschine wieder in seine Gewalt bekam. Sonst hätte das nicht gut ausgesehen mit uns!
©ElkeBontjerDobertin