Eine Geschichte für Tierliebhaber
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Feierabend-Mitglied
Samstag 12.06.2021, 09:26
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Vor einigen Jahren in der Sommerzeit, vermissten wir unseren knapp einjährigen kastrierten Kater "Tigger"!
Es war abends zur Fütterungszeit unserer Haustiere. Ausgerechnet der verfressene Tigger kam nicht zu seinem Fressnapf.
Die Suche begann!
Zu viert zogen wir los. Das Haus wurde vom Keller bis zum Dachboden auf den Kopf gestellt. Wir fanden alles Mögliche. Dinge, die einmal gesucht und nicht gefunden wurden, Sachen, die eigentlich schon längst beim Sperrmüll entsorgt sein sollten, nur den Kater fanden wir nicht.
Meine jüngste Tochter hatte zum Glück noch ein Foto auf ihrem Handy gespeichert. Wir machten uns sofort daran, Foto und Suchtext zusammenzubringen und auszudrucken. 30 Blätter waren ein Anfang. Diese steckten wir in Plastikhüllen und verteilten sie im ganzen Ort. Dann machten wir uns mit Hilfe der Leckerli-Dose auf den Weg. Rufend und klappernd zogen wir durch das Dorf. Tigger blieb verschwunden.
Am nächsten Tag meldeten wir unseren Verlust den Tierheimen der Umgebung, mit der Bitte uns anzurufen, falls ein Kater mit Tiggers Aussehen abgegeben würde. Jeden Tag zogen wir los, aber das Katerchen fanden wir nicht.
Am fünften Tag kam ein Anruf, der unsere Herzen vor Schreck höher schlagen ließ. Uns wurde mitgeteilt, eine Katze mit Tiggers Merkmalen liege überfahren am Straßenrand am anderen Ende des Ortes. Wir fuhren sofort hin und besahen uns ängstlich das tote schwarze Tierchen. Bedauertes es... und waren doch erleichtert, dass es nicht unser Ausreißer war.
Es wurde Wochenende, ein richtig gutes Grillwetter und so beschlossen wir zu grillen. Dazu musste ich in den Keller, den großen Sack mit Holzkohle hochholen. Wie ich so im Keller stand, bemerkte ich zwischen den Tanks eine Bewegung und hörte eine leises kratzendes Geräusch. Oh je, dachte ich, schon wieder sind Marder im Keller eingedrungen. Aber was da aus seinem Versteck scheu hervorkam, war der ansonsten schwarze Kater. Grau bestäubt von dem zerbröselten Putz des alten Kellers und die Barthaare waren voller Spinnweben behangen. Auch hatte unser wohlgenährte Tigger regelrecht eingefallenen Flanken. Er sah zum Erbarmen aus.
Vor Freude stieß ich einen Juchser aus und mir viel ein Stein vom Herzen.
Die Holzkohle war erst einmal vergessen, denn das fast verdurstete und verhungerte Katerchen hatte Vorrang.
Zuerst war Saufen und Fressen angesagt, danach kam die Fellpflege, die er reichlich mit schnurren und strecken genoss, denn sein Körper wurde immer lang und länger.
Aber danach gingen wir alle mit noch größeren Appetit ans Grillen, es wurde eine richtig ausgelassene Fete.
Nun dachten wir alle, das wird Tigger eine Lehre sein und er hat ein für alle mal genug vom Ausreißen.
Weit gefehlt!
Im November ist mir am späten Abend unser Katerchen aus der Haustür entwichen. Er, der ja kein so genannter Freigänger ist, ist stiften gegangen..
Es ist doch so furchtbar kalt und er ist es nicht gewöhnt draußen zu sein. Ich habe mit der Dose seiner "Leckerlies" gerasselt, aber er kam nicht, auch auf rufen hatte er nicht reagiert.
Irgendwann war es dann zu spät zum Weitersuchen, denn es war stockdunkel und der "Tigger" ist ja bis auf die Pfötchen und den Brustlatz ganz schwarz, und überall liegt dicke, weiße Schnee.
Selbst "Snoopy", mein Hund ging schnüffelnd durch die Wohnung und pienzte dabei, als wenn er den Kater vermissen würde.
Am nächsten Morgen als ich mit dem Hund vom "Gassi" gehen, nach Hause kam, vermeinte ich an der Haustür ein leises Maunzen zu hören. Rief sofort nach dem Kater, aber er zeigte sich nicht.
In meiner Wohnung hörte ich dann überall das klägliche Maunzen des Katerchens.
Also zog ich mich wieder winterfest an, nahm seine Leckerli-Dose und marschiert unter leisem Rufen, damit ich keinen Nachbarn weckte, rund ums Haus. Blieb hier stehen und horchte dort, kein Maunzen zu hören.
Wieder zurück zur Haustür, hier vernahm ich wieder das leise Maunzen. Es kam hinter den über 2 Meter hohen Holzzaun des Nachbarn hervor. Ich lockte den Kater, und endlich sprang er auf den hohen Zaun, dort hing er nun. Selbst wenn ich auf Zehenspitzen und mit ausgestreckten Armen stand, konnte ich ihn nicht erreichen. Dann auf einmal rutschte "Tigger" mit den Vorderpfoten langsam an der Holzwand abwärts und sprang mir auf die Schulter. Rieb sich mit seinen Kopf an meinen und maunzte.
Meine Güte war ich froh, dass dieser Ausreißer wieder da war, selbst der Hund, hat ihn unter Gebell begrüßt und zu seiner Freude erst einmal durch die Wohnung gejagt.
Ein halbes Jahr später, unser Tigger war nun zu einem ausgesprochenen Freigänger geworden, kam nur noch abends zum Fressen und Schlafen...
Uns wurde nun bange, denn meine jüngste Tochter war dabei auszuziehen, 3 Straßen weiter, und ich wollte in eine kleine Wohnung in einem anderen Ort umziehen. Meine Tochter nahm den Tigger mit in ihre Wohnung und wollte ihm 4 Wochen den Ausgang verwehren, bis er sich eingewöhnt hätte. Es ging auch ganz gut, bis die ersten heißen Sommertage kamen. Unbedacht hatte sie, am Morgen, in der Dachschrägung das Fenster geöffnet. Von dort war es für den gewieften Kater ein leichtes zu entkommen.
Wieder sind wir an vielen Tage losgezogen ihn zu suchen. Wir fanden ihn nicht mehr. Nach über einem Jahr sah ihn eine meiner Töchter auf einem Grundstück, nicht mehr mit so schönem gepflegten Fell, aber gut im Futter.
Auch heute viele Jahre später sehen ich ihn ab und zu, auch meine Töchter, auf unsere Rufe reagiert er zwar, kommt aber nicht mehr so nah, dass man ihn streicheln könnte.
Er schlägt sich auf der Straße durch, lässt sich mal hier oder dort mit Fressen verwöhnen und verschwindet wieder. Unser Tigger ist ein richtiger Strolch geworden.
WO, WAS, WER? (für Tigger)
Spitze Ohren,
langer Schwanz,
seidig Fell, so rabenschwarz
wo, was, wer?
weißer Latz,
sowie die Pfoten,
Schnurrbarthaare weiß und lang
wo, was, wer?
Samt und weich,
so scharf die Krallen,
grüne Augen wie ein Luchs
wo,was wer?
Fängt den Vogel,
reißt die Maus,
jagt den Feind zum Hause raus
wo, was, wer?
Schnurredieburr!
© diekleinebenzmann