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Die Rose des Höllenreiters 9. Teil

Von comanchemoon Dienstag 07.11.2023, 14:04

Am nächsten Morgen nach dem Frühstück bat sie Onkel Silas um Erlaubnis, sich ein wenig in der Gegend umsehen zu dürfen. Da er dringende Geschäfte im Kontor zu erledigen hatte, war er froh, dass sie sich allein beschäftigen wollte, bestand aber auf eine Begleitung. Er ließ für Katharina und Anny zwei der lammfrommsten Pferde satteln und gab den Damen noch einen der Plantagenarbeiter als mit. Katharina war damit gar nicht einverstanden, da das für sie bedeutete, im Damensattel reiten zu müssen, was ihr nicht sonderlich behagte. Aber sie fügte sich seufzend und dann brachen sie auf. Sie ritten ungefähr in die Richtung, in der sie das Häuschen vermutete. Zu ihrer Überraschung kamen sie auf einen ziemlich breiten Weg, der zu ihrer Zeit gar nicht mehr vorhanden war.
„Wo führt der Weg denn hin?“ fragte sie.
„Nach einer Stunde etwa zweigt er ab zur Nachbarplantage!“ antwortete Anny.
„Zweigt ab? Wohin geht es dann in die andere Richtung?“
„Das ist eine Abkürzung nach Jamestown, die man nur mit Pferden, nicht mit Kutschen nehmen kann.“
Sie ritten wirklich ungefähr eine Stunde in gemütlichem Schritt weiter und kamen dann an die Gabelung, die in drei Richtungen wies.
„Wohin möchtet Ihr jetzt?“ fragte James, der Plantagenarbeiter.
„Ihr habt mir nur von zwei Wegen berichtet, was ist mit dem dritten? Wohin führt der?“
„Zu einem alten verlassenen und verrotteten Indianerfriedhof. Das ist ungefähr noch zwei Stunden zu reiten. Aber dorthin können wir nicht.“
„Warum nicht?“
„Weil es dort spuken soll!“ antwortete James schaudernd.
„Auch am Tage?“ fragte Katharina scherzhaft.
Jetzt mischte sich Anny ein: „Wir reiten nicht dort hin!“ sagte sie bestimmt. „Außerdem sind wir bereits eine Stunde unterwegs und bräuchten noch zwei weitere Stunden bis zu dem Friedhof. Hin und zurück wären das ohne Unterbrechung mindestens sechs Stunden. Das ist entschieden zu lange und ich möchte keinen Ärger mit der Herrschaft haben!“
Katharina fügte sich und überlegte auf dem Ritt nach Hause, wie sie heute Abend ungesehen ein Pferd satteln und weg reiten könnte. Zu Fuß würde sie den Weg unmöglich schaffen. Das Beste wäre es, sich so früh wie möglich zu Bett zu begeben und sich dann heimlich in die Ställe zu schleichen. Den Pferdeknechten konnte sie sicherlich klarmachen, dass sie eines der ruhigeren Pferde mit einem Herrensattel bräuchte, es solle eine Überraschung für Onkel Silas sein. Sie würden das sicher nicht in Frage stellen.
Nach dem Dinner begab sich Katharina sofort auf ihr Zimmer und zog sich ihre Jeans an. Darüber würde sie den Umhang tragen. Dann rollte sie ein Kleiderbündel zusammen und legte es unter die Bettdecke. Sollte jemand in ihr Zimmer schauen, würde es auf den ersten Blick so aussehen, als läge sie im Bett.
Wie sie sich gedacht hatte war es nicht schwierig, ein Pferd zu bekommen. Die zwei anwesenden Knechte machten sich keine Gedanken über das, was im Haupthaus vor sich ging und hatten keine Veranlassung, der Nichte des Herrn zu misstrauen.
Schwieriger gestaltete es sich, im Dunklen auf dem Waldweg zu reiten. Die Laterne konnte sie erst anzünden, als sie sicher war, nicht mehr gesehen zu werden. Außerdem spendete diese auch nicht allzu viel Licht und so benötigte sie fast zwei Stunden, bis sie an die Gabelung kam. Sie hoffte nur, dass man sie schlafend wähnte und nicht vermisste. Sie schauderte, als sie in den dritten, den verbotenen Weg einritt. Der Pfad war wesentlich schmaler und wand sich wie ein achtlos hingeworfenes Band zwischen den Bäumen hindurch. Das Pferd scheute hin und wieder und sie entschloss sich, abzusteigen und den Weg zu Fuß zu suchen. Das war anstrengend. Der Pfad war schlüpfrig und teilweise hatten sich kleine Pfützen durch einsetzenden Nieselregen gebildet. Außerdem stolperte sie immer wieder über Baumwurzeln und fiel einmal genau in ein Schlammloch. Schmutzig und triefend zog sie weiter, als sie zwischen den Bäumen etwas Helles schimmern sah. Das Pferd schnaubte ängstlich, warf sich herum und trabte davon. Im Mondlicht konnte Katharina erkennen, das es sich den Weg zwischen den Bäumen suchte. Auch gut, so würde es nach Hause zurückfinden. Wer weiß, was sie in dieser Nacht noch erleben würde. Nach den Vorgängen in den letzten Tagen, war von Katharina die Angst vor Unerklärlichem und Unheimlichem abgefallen. Sie wollte nur wieder nach Hause, eine heiße Dusche nehmen, eine vernünftige Toilette benutzen und sich wieder in bequemer Kleidung frei bewegen können. Die verdammten Mieder und Reifröcke waren nichts für sie.
Das Schimmern wurde intensiver und Katharina sah ein winziges Gebäude, das an eine Kapelle erinnerte, von dem die Helligkeit ausging. Es war noch kleiner, als sie es in Erinnerung hatte. Das lag aber wahrscheinlich daran, dass sie damals noch ein Kind gewesen war. Auch zu jenem Zeitpunkt war sie mit ihren Cousins stundenlang auf verschlungenen Pfaden durch den Wald gestrolcht, bevor sie auf das Häuschen gestoßen waren. Sie erinnerte sich vage, dass die Jungen Spukgeschichten darüber erzählt hatten, um ihr Angst zu machen.
Das Gebäude glühte mittlerweile, als wäre ein Feuer in ihm entzündet worden und es stünde kurz vor Explosion. Katharina versteckte sich hinter einem gewaltigen Baum, dessen Stamm wohl drei Männer nicht umfassen konnten. Plötzlich gab des einen dumpfen Knall und das Glühen spie einen Reiter aus, der in brausendem Galopp davon stob, wobei die Bäume ihm auszuweichen schienen. Kein normaler Mensch würde bei diesem Tempo zwischen den Bäumen reiten können. Katharina schrie noch: „Hey“, hinter ihm her, aber weder Ross noch Reiter reagierten.
Sie ging langsam auf das kleine Haus zu, das inzwischen ruhig und ohne jegliche Anzeichen von flammenden Aktivitäten dastand. Der Eingang war so offen, wie sie ihn in Erinnerung hatte, nur war das Gebäude besser in Schuss und noch nicht so verfallen. Sie setzte sich auf einen umgestürzten Baumstamm und überlegte, was sie tun sollte. Offenbar hatte der Höllenreiter, denn um den musste es sich handeln, von ihr keine Notiz genommen. Irgendwann musste er aber zurückkehren, und dann wollte sie ihm den Rubin entgegenhalten. Es gab keinen anderen Ausweg, und das Herz klopfte ihr bis zum Halse, als sie an die eventuellen Konsequenzen dachte. „Er wird mich nicht töten!“ dachte sie. „Wenn er das gewollt hätte, hätte er das gestern schon tun können!“
„Nein, er wird dich nicht töten!“ erklang plötzlich eine Stimme vor ihr. Katharina sah genauer hin und entdeckte eine grün gekleidete Frau, die direkt aus der Mauer des Häuschens trat. Eine Frau mit langen, roten Haaren, Dearg-Due. Sie glitt schnell ein paar Schritte näher. Katharina umkrampfte mit einer Hand ihren Rubin und die Dämonin wich etwas zurück. Ein Geruch wie von frischen Grabstätten wehte Katharina entgegen und verursachte ihr Übelkeit. Sie presste weiterhin stumm den Rubin und Dearg-Due starrte sie unverwandt an. „Ich sollte dich töten!“ Ihre Stimme klang im Gegensatz zu ihren Worten honigsüß. Sie hob die Hand und plötzlich befand sich ein breites Schwert darin.

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