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Die Rose des Höllenreiters 10. und letzterTeil

Von comanchemoon Mittwoch 08.11.2023, 11:51

Katharina stand Todesängste aus, hielt aber weiterhin die Rose umklammert, da diese ihr offensichtlich Schutz bot. „Buhduh“, hauchte sie mit kaum wahrzunehmender Stimme, „Buhduh, hilf mir!“
Dearg-Due lachte hohntriefend und schwang das Schwert. Als sie zuschlagen wollte, wurde die Klinge jedoch plötzlich von rot leuchtenden Fäden gestoppt, die aus dem Nichts auftauchten. Wie ein undurchdringliches elastisches Spinnennetz schützte die wabernde Wand Katharina und Buhdus Stimme erklang: „Schnell, gehe zum Eingang und warte dort. Er wird gleich kommen.“
Noch immer durch das Schlierengewebe geschützt, wankte Katharina zum Eingang der Gruft. Sie war noch etliche Schritte davon entfernt, als Buhdu „Jetzt“, rief und ferner Hufschlag erklang, der zunehmend näher kam. Das Donnern der Hufe verdichtete sich zu einem Brausen und der Reiter kam im höllischen Galopp genau auf Katharina zu. „Halt den Rubin hoch!“ schrie Buhduh. „Halte ihn hoch! Und dann entferne ihm die Augenbinde.“
Katharina verging fast vor Angst und fragte sich, wie sie das wohl bewerkstelligen sollte, zerrte dann aber an ihrer Kette, die entzwei riss und hielt die Rose hoch. Ross und Reiter waren fast über ihr, als er sich bückte, Katharina am Arm packte und mit einem Ruck auf das Pferd zog.
„Das Rubinblatt!“ hallte Buhdus Stimme. Katharina hielt mit einer Hand immer noch die Rose umkrampft, mit der anderen riss sie dem Reiter die Augenbinde ab und hielt ihm den Stein entgegen. Um seinen Hals lag eine silbrig glänzende Kette, an der ein kleiner roter Stein leuchtete. Das fehlende Blatt. Katharina hielt ihre Rose dagegen, die wie ein Magnet den Stein des Reiters anzog. Das alles spielte sich in Sekundenschnelle ab, und der Höllenreiter donnerte in die Gruft, wobei sein Arm immer noch Katharina umklammerte. Diese erwartete, dass sie gleich mit der Rückwand des kleinen Gebäudes einen schrecklichen Zusammenprall erleiden würden. Aber sie fielen plötzlich ins Leere, in ein riesiges, schwarzes Loch. Der Fall schien schier endlos und ging dann in ein sanftes Schweben über. Katharina glitt durch grüne, blaue und gelbe Wellen, sah dämonische, grässliche Fratzen, die disharmonische Laute ausstießen, bis diese Ausgeburten des Grauens von freundlichen und heiteren Gesichtern verdrängt wurden, die ihr zulächelten. Ein nie gekanntes Glücksgefühl umspülte sie wie eine Woge.
„Schön“, dachte sie: „ach, nähme das doch kein Ende!“ Doch brutal und abrupt ging plötzlich ein Ruck durch ihren Körper. Irgendjemand hatte ihr eine heftige Ohrfeige versetzt.
„Komm zurück!“ hörte sie Nora schreien. „Wirst du wohl atmen!“ Und wieder ein Schlag ins Gesicht. Katharina fing an zu würgen und zu husten und setzte sich auf. Verwirrt sah sie sich um. Langsam kam ihr zu Bewusstsein, dass sie auf dem Fußboden vor der Garderobe des Museums saß und Nora stand über ihr gebeugt.
„Was ist los?“ stammelte sie.
„Du bist ausgeglitten und dabei so unglücklich gestürzt, dass du mit dem Hals auf die Kante des Garderobentresens aufgeschlagen bist. Es schien, als ob du nicht mehr atmen würdest. Der Kurator des Museums ruft gerade die Ambulanz.“
„Aber ich war doch in der Abteilung mit den Malereien aus den alten Zeiten. Die Frau auf dem Bild mit dem Höllenreiter hatte meinen Rubin um und dann wurde ich hineingezogen und…..!“
Nora tätschelte ihr den Arm. „Schon gut. Es gibt hier keine Bilder aus der Kolonialzeit und davor, nur moderne Kunst. Da kommt ja der Notdienst!“
Tatsächlich kamen zwei Sanitäter und ein Notarzt, der Katharina kurz untersuchte. „Der Blutdruck ist stark abgefallen!“ sagte er. „Ich würde Sie vorsichtshalber gern mitnehmen, und in der Klinik durchchecken lassen!“
Sie wurde auf die Trage gelegt und sollte gerade weiter transportiert werden, als sie eine Männerstimme sagen hörte: „Moment noch!“ Ein lächelndes Gesicht beugte sich über sie, mit blauen Augen und einer gezackten Narbe auf der linken Wange.
„Ich kenne Sie!“ Katharinas Stimme vibrierte schwach.
„Das ist der Kurator, ein Amerikaner, interessanter Mann!“ raunte Nora ihr zu.
„Wenn Sie wieder auf den Beinen sind, würde ich Sie als Entschädigung für den erlittenen Schrecken gern zum Essen einladen!“ sagte er und ging neben der Trage her. „Abgemacht?“
„Abgemacht!“ Katharina versuchte burschikos zu klingen.
„Hier, ich habe noch etwas für Sie!“
Sie wurde gerade in den Krankenwagen geschoben, als er ihr etwas in die Hand drückte. Es war ihr Rubin, und wie in einem Taumel der Sinne stellte sie fest, dass die Rose vollständig war. Das fehlende Blatt befand sich wieder an seinem Platz.

by Maggie Milton

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