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Der kurze Traum vom eigenen Heim....

Von optik Donnerstag 08.04.2021, 19:09


Ein fürchterlich, lautes ohrenbetäubendes Getöse riss sie in den frühen Morgenstunden ganz schnöde aus ihren schönsten Träumen. Die Wucht mit der sie aus dem Bett geschleudert wurden, war gewaltig und zerstörte ihre gesamte Wohnung mit einem Schlage.Die Möbel kippten um, zerbarsten und im ersten Augenblick schien es, als hätten sich Blitz und Donner eines Gewitters zu einem stürmischen Unwetter vereinigt. Sie wurden vollkommen überrumpelt. Die Witterung konnte es doch nicht sein, durchfuhr es Fridolin. Die Wetterlage hatte sich in den letzten Wochen zuvor kaum verändert. Eine so gewaltige Verschlechterung hätten sie instinktiv bemerkt und zur Vorsorge veranlasst. Vollkommen verwirrt und zunächst zu keinem klaren Gedanken fähig krabbelte Fridolin, noch am ganzen Leibe zitternd auf seine Beine und blickte um sich. „Oh Gott, oh Gott, wo ist mein Riekchen“, dachte er suchend. Eben lag sie noch eng an ihn geschmiegt in seinen Armen. Er hatte ihren warmen Körper und ihr leichtes Schnarchen neben sich gespürt. „Um Himmels Willen. Wo war sein Riekchen geblieben“? Doch ehe er sich noch einigermaßen aufrichten konnte, fiel er auch schon auf den Rücken. Seine Beinchen versagten unter einem erneutem lauten Gedröhne und Getöse. Er konnte sich nirgends festhalten und spürte nur noch im Unterbewusstsein, dass er sich von Intervallen durchgeschüttelt in einer waagerechten Lage befand.
Das musste sein letztes Stündlein sein und wie in einem Film durchlebte er die schönsten Augenblicke seines ach so jungen und hoffnungsvollen Lebens.
In einer Großfamilie war er fröhlich und ohne Not aufgewachsen. Neben Vater und Mutter bevölkerten eine reichliche Kinderschar ihr Domizil. Unzählige Schwestern und Brüder, dazu Großeltern, Onkel und Tanten, zig Cousins und Cousinen und viele mehr gehörten zu dieser illustren Verwandtschaft. Einmütig lebten sie alle nebeneinander. Es gab nie Streit oder Auseinandersetzungen und sie führten ein privilegiertes Leben. In ihrer kolonisierenden und stetig zunehmenden Population stand der reichliche Nachwuchs grundsätzlich an erster Stelle. Es gab selbstverständlich keinen Mangel an Wohnraum und ungehindert konnten sie sich in der Lebensstruktur ausbreiten. Das Kinderzimmer umfasste einen eigenen, immer gut klimatisierten Bereich, in dem sich die Brut austoben, lümmeln und tummeln konnte. Unbeschwert, ohne Not und mit reichlicher zu Essen wuchsen sie alle heran.
Neugierig war der pubertierende Fridolin eines Tages auf Entdeckungstour gegangen. Er fühlte sich stark , eigentlich auch schon erwachsen und vor allem selbstständig. Eine neue Welt erschloss sich ihm. Ach, er sah ja so viel Neues und unvermittelt war ihm das Herz aufgegangen. Er sah Riekchen, ein junges liebliches weibliches Wesen und er verliebte sich bis über beide Ohren in die Holde. Sie sah ihn verlegen und scheu an, schlug zunächst noch die Augen nieder, doch dann ließ sie, von heißen Gefühlen entflammt ihre Wimpern klimpern. Fridolin, der junge Heißsporn war so angetan, dass er sich spontan und ohne weitere Überlegungen in der Familie der Schwiegereltern einnistete. Nachdem sich die erste Leidenschaft gelegt hatte, sie aber immer noch nicht voreinander lassen konnten und glückselig ineinander verliebt waren, wurden beide von dem Gedanken beflügelt sich ein gemütliches eigenes Zuhause zu schaffen. Sie gingen auf Wohnungssuche. Zunächst suchten sie in einem noch unerschlossenen Neubaugelände, in ihrer Nähe ein schnuckeliges zuhause. Doch dort gefiel es Riekchen gar nicht. In den bereits belegten einzelnen Unterkünften befand sich ein eher neureiches Völkchen. Riekchen meinte, dass sie doch beide in einer Mehrgenerationen Gemeinschaft groß geworden seien. „Ich will Räumlichkeiten in der wir ebenfalls inmitten einer großen Kinderschar leben können“, sagte sie energisch ihrem Fridolin. Fündig geworden, entschieden sie sich schließlich für einen, im Parterre befindlichen, renovierungsbedürftigen Altbau. Verwandte und Freunde halfen beim Umzug.
Und erst gestern hatten beide freudig und stolz das von Rieke bemalte Schild, „hier lebt und liebt Familie Borke“ begutachtet, das heute an die Haustür geschraubt werden sollte.
Warum musste heute der Harvester kommen, den Wald roden und damit ihren Traum vom eigenen Leben zerstören?

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