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Der ganz normale Einkaufswahnsinn

Von Feierabend-Mitglied Dienstag 08.11.2022, 09:16

Im Alter sieht man einiges mit anderen Augen. Auch denkt man über eine Sache anders als in jungen Jahren und empfindet Situationen anders. Im Alter ändert sich eben vieles...
In jungen Jahren bin ich gerne einkaufen gegangen. Vielleicht weil ich damals noch in einer Großstadt lebte. Da kaufte ich ein, wenn ich etwas benötigte und auch so einiges mehr, was ich eben nicht benötigte. Die Versuchung war ein manches Mal einfach zu groß. Es wurde ja auch so viel angeboten. Die Augen liefen einen da schon des öfteren über...
Das war eine der Gründe mit, warum ich dann auf ein Dorf zog. Hier gab es nicht so viele Versuchungen. Ich wollte diesen Konsumzwang nicht mehr unterliegen. Dachte da weniger an mich, als an meine Kinder, die mit großen Augen die Auslagen in den Schaufenstern bestaunten und deren Wünsche, angeregt dadurch, ins Unermessliche wuchsen.
Der Nachteil in einem Dorf zu leben war, man durfte nichts vergessen einzukaufen. Man musste sich ein Lebensmittellager anlegen und daran gewöhnen einen Einkaufszettel zu schreiben,
Schnell war es mir in Fleisch und Blut übergegangen und viele Jahre sind seitdem vergangen.
Nun lebe ich seit einiger Zeit in einer Kleinstadt mit Einkaufsmöglichkeiten, aber immer noch betreibe die Lagerhaltung und nicht nur bei Lebensmittel - obwohl dieses nicht mehr nötig ist.

Wieder einmal war ich nach dem Einkauf verschwitzt, total erledigt mit brennenden Füßen in der Küche gestanden und war dabei die Einkaufstaschen zu leeren...
Und abends lag ich, statt zu schlafen, sinnend im Bett und fragte mich, warum mich ein Einkauf so sehr anstrengt? Aber wenn ich es richtig betrachte, ist die Sache ganz logisch:
Noch zu Hause packe ich meine Einkaufstaschen, einschließlich Portemonnaie und Einkaufszettel und Bleistift ein, setzte mich ins Auto, denn ich will ja nicht alles per Muskelkraft vom Einkaufszentrum nach Hause schleppen. Fahre also hin, parke ein, nehme mein Portemonnaie, den Einkaufszettel sowie den Bleistift und laufe los, um einen Einkaufswagen zu holen.
Dann geht es rein zum Einkaufen.
Mit meinem Einkaufszettel und dem Bleistift in der Hand suche ich das Regal mit der aufgeschriebenen Ware. Hole sie mir aus dem Regal, prüfe sie auf den Inhalt, Größe und Preis. Behalte sie in der Hand, verstaue mit der anderen Hand den Einkaufszettel und den Bleistift in der Jackentasche, und nehme mir eine andere Ware von der gleichen Sorte aus dem Regal. Prüfe beides und stelle dass eine Teil, dass ich nicht für gut befunden habe zurück, lege die Ware, für die ich mich entschieden habe, in den Einkaufswagen.
Hole den Einkaufszettel und den Bleistift wieder aus meiner Jacke und mache ein Häkchen auf meiner Liste. Nun geht es zum nächsten Posten auf meinem Einkaufszettel.
Und die Prozedur geht von vorne los, dafür kann ich wieder ein Häkchen mehr auf meiner Liste machen.
Und weiter geht es zum nächsten Teil von meinem Einkaufszettel. Muss es aber erst in einem der Regale finden. Toilettenpapier brauche ich erst gar nicht zu suchen, genauso wie Mayonnaise, Ketchup, Senf und Stevia in Tablettenform, diese Regale sind seit Wochen leergefegt. Aber wo hat man nur die Frischhefe versteckt ? Keine Ahnung warum in einer Tour die Ware nicht mehr dort in den Regalen zu finden ist, wo man sie sonst herausgeholt hat?
So kann man natürlich auch seine Zeit totschlagen, statt einzukaufen vergeude ich mehr Zeit damit auf der Suche gewisser Lebensmittel. So fahre ich kreuz die quer durch den Lebensmittelladen, bis ich in meiner Liste an jeder aufgeschriebenen Ware ein Häkchen gesetzt habe, quasi meine Liste abgearbeitet ist. Und der Einkaufszettel mit dem Bleistift verschwindet endgültig in der Jackentasche.
Dann komme ich voll bepackt an die Kasse und wie kann es anders sein? Nur eine Kasse geöffnet und eine lange Schlange vor mir. HILFE, man reiche mir einen Stuhl! Meine armen Beine... von meinen Armen und den schmutzig gewordenen Händen möchte ich gar nicht erst reden...
Endlich bin ich an der Reihe und darf das Band vollpacken und am anderen Ende die gescannte Ware wieder in Empfang nehmen. Während sich meine Arme wie die Flügel einer Mühle drehen, verstaue ich meinen Einkauf im Einkaufswagen.
Bezahle. Brauche mich nicht zu wundern, dass kaum etwas im Wagen ist und ich trotzdem ein Heidengeld losgeworden bin, ist schließlich alles teurer geworden. Überfliege den Kassenbon noch schnell, und ab, nur ja schnell weg zum Auto.
Verstaue dort alles aus dem Einkaufswagen in die mitgebrachten Einkaufstaschen. Bringe den leeren Einkaufswagen zurück zum Unterstand, laufe zurück zum Auto und fahre nach Hause.
Suche einen Parkplatz, der nicht so weit entfernt von der Wohnung ist. Dort schleppe ich meine schweren Einkaufstaschen in die Küche hinein. Leere die Einkaufstaschen und verstaue die Lebensmittel in den Vorratsschränken
Hole den Einkaufzettel und Kassenbon heraus und besehe beides, auch meine schmutzigen Hände.
Und alles was mich noch interessiert - sind Händewaschen, hinsetzten, Kaffee trinken, Füße hochlegen und ausruhen, bis es Zeit ist Essen zu kochen...

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