ABGESANG BAD RAPPENAU KUR 1990
Von
egalis
Mittwoch 30.03.2022, 19:01
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egalis
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Bewegt die Schneck sich hin zur Kur, tut sie ´s für die Gesundheit nur.
Ist mit der Welt sie fertig und gestresst, sie zunächst die Fühler im Häusle lässt.
Auch unter Leut sie sich nicht traut – gar zu dünn ist noch die Haut.
Doch sutje wird stabil die Schneck, bewegt sich langsam fort, zum Zweck
der Pflege von Konversation von seiner oberen Station. Ziel war zunächst die Cafeteria.
Auf der Terrasse bemerkte sie hier eine Runde fideler Leute, mit Reden von gestern, morgen und heute. Bis hierher kroch die Schneck sich vor. Streckte ´nen Fühler, spitzte ein Ohr.
Sah sich diesen und jenen an, wie der sich präsentieren kann. Kam sich vor wie im Hühnerstall: Aufgeplusterte Gockel fast überall. Und gackernde Hennen rundumzu –
Es geht doch nichts über Schneckenhausruh!
Doch bei Dreien mir gefiel das Weniger beim „Federspiel“: Hannes, der aus Hamburg kam, den meist scherzend man vernahm, hatte der Schneck von allen andern schon am besten gefallen. Ernsthaft kann man mit ihm reden, doch das ist wohl nichts für jeden…
Leider setzte Hannes sich zu schnell ab. Ein anderer hielt hier auf Trab und versprühte gute Laune.
Später gab es dann Geraune, denn der ging auffallend öfter weg mit der Gabi und der Schneck. Die Haare hatte er zum Steert gebunden, hielt wenig von Viechern – Katzen und Hunden -. Autos sind seine Leidenschaft. Hiermit verbringt er Zeit und Kraft. Von Fahrten konnte er berichten, hatte zu bieten die besten Geschichten, so dass Schneck spitzte das zweite Ohr, und ´nen weiteren Fühler streckte hervor.
Als dieser Mensch dann noch verlauten ließ, dass sein Weibchen „Elke“ hieß,
machte bei der Schneck es „klack“: Dieser Mensch, der hat Geschmack!
Doch noch trennten sich die Wege vom Schützen und der Wasserfrau.
Mensch blieb bei der Gemeinschaftspflege, Schneck am liebsten in ihrem Bau.
Bis Schneck eines Tages brauchte ein zeitgebundenes „Alibi“. Und Erich, der grad mal wieder rauchte, sagte: „Gehst mit mir und der Gabi.“ Gabi war die liebe Kleine,
die ich mal beim Tanzen sah. Sie war seit kurzem erst alleine, ihre Truppe war nicht mehr da.
Es hat gewirkt für uns die Zeit: Von nun an waren wir zu „Dreit“. Der Beginn von schönsten Tagen hiermit seinen Anfang nahm. Und wir sollten wohl nicht klagen, weil ´s nun zu deren Ende kam.
Doch das menschlich Innenleben sich selten dirigieren lässt. Man möchte so gern weiterschweben, hielte an schönen Dingen fest! Zunächst war es uns noch vergönnt:
Das Geschick hat Erich, Gabi und die Schneck nach bestem Vermögen kräftig verwöhnt.
Nun ist es bald vorbei – oh Schreck!
Wir entdeckten manche Welle, die mit der anderen lief gleich. Und das machte auf die Schnelle uns die verbliebene Zeit noch reich. Unvergesslich sind die Stunden,
die miteinander wir verbracht. Denk ich an die vielen Runden, die mit dem Auto wir gemacht.
Gabi hat im Fond gesessen, weil sie von uns die Kleinste war. Wir haben am Schloss von Heidelberg Brot gegessen, ich flocht Zöpfe in Erichs Haar. Gabi und die Schuhgeschäfte
gehen mir nicht aus dem Sinn. Höre ich Motoren-Kräfte – Tja, dann denkt die Schneck an ihn, der da eingebrockt was hat, es steht sogar im Tageblatt. Auf dieses unverhoffte Glück kommt Schneck später noch zurück. Zweie blieben bald verwaist, weil unsere Gabi abgereist.
Beim Hannes konnten wir erreichen, sich mit uns in der Sole einzuweichen.
Und es ist sogar passiert: Er ist mit uns beiden spaziert. Bloß nicht zum Sommerball er wollte und sich seiner Wege trollte.
So blieb der Schneck es unbenommen, allein mit Erich hinzukommen, der hibbelig war vor Nervosität, weil es wohl ohne Tanz auf einem Ball nicht geht. Doch die Schneck wollt´ das nicht stören. Musike ist auch anzuhören.
Lasse ich Revue passieren, was dann alles so geschah, fange ich glatt an zu frieren.
Ist auch wirklich alles wahr?
Erich – plötzlich war er lose – brachte mir die weiße Rose als des Festes Unterpfand.
Ich stand mit der Blume in der Hand als Elfte auf der buntgeschmückten Bühn´
und wurde Rosenkönigin!
Und im roten Schärpenglanz ging es um den Ehrentanz. Nun tat ich was für meinen Herrn, und die Band folgte dem gern. Gab mir ´nen Ruck – na klar, ich tu ´s: Bat statt nem Walzer um ´nen Blues.
Das war die Krönung von der Kur. Wie verkrafte ich das nur? Sonntag gab es noch ´nen Knüller: Die Begegnung mit Herrn Dr. Müller, den das Ganze auch wohl freute:
Der Montag sah therapiebefreite Königsleute beim Besuche einer fernen Veste:
Burg Berwartstein, das war das Beste.
Erich hat der Schneck bewiesen: Es ist nicht nur schön bei den Ostfriesen!
Und am alten Vater Rhein sah die Schneck es dann auch ein.
Danke möchte ich hier sagen für die Reihe von schönen Tagen, die ich hier erleben durfte, als meine Seele am tiefsten schlurfte, wo Menschen von Süd, mit mir vom Norden, gute Freunde sind geworden.
Die Kur hat mir sehr gutgetan, hier sprech´ ich die Klinikbehandlung an.
Doch gab mir ganz besondere Kraft die genossene Kur-Kameradschaft, die wohl Einige nicht hier fanden, weil sie ‚,Kur“ mit sonst was verbanden.
Ich sage Dank meinem Geschick, dass es mich hierhergeführt und denke gerne an das Glück, in dem ich so kräftig rumgerührt. Dass alles unvergessen bleibt,
versichert Schneck, die dieses schreibt.