ABGESANG BAD ELSTER 2004
Von
egalis
Dienstag 14.06.2022, 20:02
Du möchtest die Antworten lesen und mitdiskutieren? Tritt erst der Gruppe bei. Gruppe beitreten
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egalis
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vereinnahmt in die Gruppe der Ringelblumen
Skulpturen und Brunnen sind holzverrammelt, / Parkbänke wurden eingesammelt. / Es schneit gelb-braun-rote Blätter, / jahresendlich zeigt sich das Wetter. / Schnell vergeht zuletzt die Zeit. / Die Koffer sind schon längst bereit / und der Abschied steht bevör. / Doch bitte ich noch um Gehör / für das, was ich zu sagen habe. / Dafür nutze ich meine Gabe / und reite flott den Pegasus. / (Bei vollem Mond ist das mein Muss.)
Ringelblumenleute kamen teils eher, teils später. / Dabei waren auch Wiederholungstäter. / Die waren schon vor Jahren da. / So jubelte auch ich: Hurra! / Durfte wiederum nach Bad Elster ziehn, / das war ganz in meinem Sinn. / Brauchte hier selige vier Wochen / mal nicht für mich selbst zu kochen. / Saß am Tische, dem gedeckten, / wo Mahlzeiten vorzüglich schmeckten. /
Wenn zunächst auch das Gemüse, der Salat, / tierische Blähungen verursacht hat, / so wurde sich im Zeitverlauf daran gewöhnt. / Nur: Warum ist der Bohnenkaffe morgens verpönt / und am Nachmittag bekommt man ihn? / Das machte für viele wenig Sinn. /
Leider konnte man nirgends entdecken, / WIE VIELE Kalorien sich WORIN verstecken. / Und: Zu gerne hätte ich gewusst, / wie hat man sich zum Beispiel vorstellen gemusst / das Aussehen von Pastinak- und Topinambur-Gemüse? / Eine Abbildung fehlte mir für diese. / Mancher war auch noch gewillt: / Hätte gern mit Reduktionskost den Hunger gestillt, / die es bedauerlicherweise nicht gab. /
Mir selbst ging auch noch dieses ab: / Weil der Tinnitus so quält, / ist es Musik, die mir sehr fehlt. / Nicht die von Kastelruth und Rolling Stone'. / Ich meine die Klänge zur Meditation. / Im Zimmer war es oft zu still, / weil ich den Fernseher nicht will. / Und mein Radio ist zu klein. / Ich kriegte keinen Sender rein. / Wäre nicht auch besser ein Handyverbot, / weil die Strahlung unsere Gesundheit bedroht? / Alkohol ist weder gut FÜR noch GEGEN den Durst. / Aber wie wäre es mit ein büschen mehr Wurst? /
*Auffallend ist, dass hier vermindert / jemand Erholung sucht, der körperbehindert. / Ein junger Mann, den ich hier sah, / auf dem Weg zur Anwendung am frühen Morgen, / war auf einmal nicht mehr da / und das bereitete mir Sorgen. / Musste dann zu meinem Entsetzen hören, / dass Gäste im Haus sich am Bilde stören, / weil seine Motorik nicht ganz stimmt. / Seitdem der junge Mann vor den andern sein Essen nimmt / und allein in seinem Zimmer isst. Wenn das stimmt, / empfinden wir das als großen Mist.
Verzeiht mir hier das offene Wort: / WEN Behinderte stören, DER ist falsch am Ort! / Schließlich wollen wir alle Gesundheit tanken, / ohne ausgeschlossen zu sein und ohne Schranken! /
Das war Kritik, die ich mir erlaube, / weil ich mit meiner Gruppe glaube, / dass es der Klinik nur wenig nützt, / wenn man hinten herum die Lippen spitzt / und an anderer Stelle klagt, / dass DIESES oder JENES nicht behagt. /
Noch eine Lanze will ich brechen / und für die Ringelblumen sprechen: / Ausgesprochen zufrieden sind alle wir / mit der Behandlung durch die Betreuer hier. / Ob's Wiebke ist, unsere Gesundheitstrainerin, / Katja Tanzhaus, unsere Vorwalkerin, / die Massösen, die uns kneteten / oder die Schwestern, die uns retteten, / wenn das Zipperlein geziept / oder wer vom Service uns die Mahlzeiten "gegibt": / ALLE waren freundlich, nett und fröhlich / und ich möchte jetzt allmählich / unser aller Dankeschön einbinden / für die Mühe um unser Wohlbefinden. /
Wenn einem Gutes widerfährt, / ist das wohl ein Trinkgeld wert. / Doch wer von uns ist schon ein Krösus? / So bemerken wir zum Schluss: / Gäbe es eine Gemeinschaftskasse, / das wäre klasse.
Noch etwas in eigener Sache: / Wenn ich auch einen schroffen Eindruck mache, / sieht es inwendig meist anders aus. / Nur – das kann nicht so recht heraus. / Es liegt wohl daran, wie mir scheint, / wenn einer zuviel nach innen weint. / Fühlt sich jemand von mir auf den Fuß getreten, / so wird hiermit herzlich um Vergebung gebeten. /
Es ist unser Wunsch, dass diesem Haus / weder Geld noch Kurgäste gehen aus. / So geben wir ein kleines Stück / von dem, was uns guttat, als Dank zurück. /
Für die Oktober-Ringelblumen schrieb dies hin: / Elke Bontjer-Dobertin (4407)
06. 10. – 02. 11. 2004