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Pizza

Von cinque Dienstag 31.05.2022, 18:09

Lieblingsessen Pizza

Der heutige Tag war ein Tag mit X. Sie hätte zu Hause bleiben können, es würden sowieso keine Kunden kommen. Der Himmel grau, die Stimmung grau, die Menschen in Eile, es nieselte, ein Tag mit X.

Endlich Ladenschluss, endlich nach Hause, endlich relaxen. Sie ließ sich ein Bad ein, wohlig warm, viel Schaum, viel Duft, viel Entspannung.
Sie kuschelte sich in ihren kanarienvogelgelben flauschigen Bademantel, zog die Norweger-Stoppersocken an, und es ging ihr schon viel besser bis auf die Tatsache, daß sie Hunger hatte. Der Kühlschrank war auch eine Sache mit X.

Es gab die Möglichkeit, diesen Tag doch noch hübsch abzurunden mit einer Pizza. Die Pizzeria im Nebenhaus lieferte pronto, so etwas von pronto, kaum die Bestellung aufgegeben, stand Giovanni mit der ofenfrischen Pizza vor der Tür. Eine richtig schöne Pizza, die braucht sie heute. Gewählt, bestellt, Geld parat, Klingel. Das kanarienvogelgelbe Etwas mit Norweger-Stoppersocken huschte zur Tür, hielt Giovanni das Geld hin, erstarrte. Es stand nicht der flinke Giovanni vor der Tür, das italienische Väterchen strahlte sie an: „ Buonosera Senora, wie geht es ihnen?“ Er sei zu Besuch bei seinem Sohn, und er freue sich, sie zu sehen. Das kanariengelbe Etwas wäre gern im Boden versunken. Das italienische Väterchen trat unbekümmert näher, brachte Pizza und Wein in die Küche. Der Wein sei von seinem eigenen Weinberg daheim. Er teilte die Pizza auf, schenkte Wein ein, Kanarienvögelchen bemühte sich mit der einen Hand das gelbe flauschige Teil zusammenzuhalten und mit der anderen Hand Pizza und Wein zu genießen. Italienisches Väterchen erzählte viel von daheim, Wie gern wäre Kanarienvögelchen jetzt dort gewesen, vergessen diese grauen regnerischen Tage. Sie entspannte sich allmählich bei Pizza und Landwein, die peinlichen norwegischen Stoppersocken hatte sie dezent abgestreift. Sie hörte immer noch gern diese Schlager, Schlager von damals, als das italienische Väterchen singend von Tisch zu Tisch die Gäste, ganz besonders die weiblichen Gäste. erfreute. Väterchen schenkte nach, Saluti senora“. Si si, sie erinnerte sich, ach ja „Zwei kleine Italiener“ , Und dann sang Väterchen in der Küche Azzurro, so schön wie damals. Sie gab sich ganz der Stimmung hin.
Saluti Senora, bei Väterchen klingelte das Handy. Ach nee, nicht jetzt, doch jetzt. Es war Giovanni, der seinen Vater vermisste. Die Gäste erwarteten ihn, seine Gitarre und seinen Gesang. Italienisches Väterchen fand es so gemütlich, fast heimatlich in der Küche. Er war molto triste, sie war auch molto triste, alles war wieder
molto triste.
Ciao ciao senora, Dimmi quando tu verrai.
Kanarienvögelchen trank den Rest Landwein. Warum geht sie nicht runter in die Pizzeria, das ist doch viel hübscher als Pizza aus Pappe in Küche. Das ist die buona idea. Ein Plätzchen ist bestimmt noch frei.. Es war die Idee. Das italienische Väterchen hatte für die Gäste gesungen, sie hatte dem Landwein zugesprochen und ging jetzt beschwingt nach oben in ihre Wohnung.
Da war dieses „Sag mir Quando, sag mir wann, sag mir quando, quando, quando.“. Erinnerungen an den ersten Italien-Urlaub, den sie sich leisten konnte, kamen. Damals war dieses quando überall zu hören.
In Gedanken saß sie in der kleinen Eisdiele, in der Gelateria mit der bunten Markise. Er setzte sich wie selbstverständlich zu ihr an den Tisch, schenkte ihr sein strahlendes Lächeln, Luigi.. Er erzählte ihr wortreich und lebhaft etwas, was sie nicht verstand. Aber Luigi verstand, dass sie nichts verstand. „Senora, capice, capice“, nahm ihre Hand, sie solle mitkommen. Bisher war sie nur am Strand gewesen, sie wollte schließlich eine schöne Urlaubsbräune mit nach Hause bringen. Luigi zeigte ihr den kleinen malerischen Hafen mit den bunten Fischerbooten. Sie lernte die verwinkelten Gassen der schönen Altstadt kennen. Seine gestenreichen Erklärungen verstand sie nicht, machte nichts, alles war schön.
Und überall “quando”.
Die Gelateria wurde der Treffpunkt für ihre kleinen Unternehmungen. Oft liefen sie den Strand entlang, kletterten über Felsbrocken, sammelten Muscheln und Steine oder lagen faul in der Sonne.
Die schöne Zeit neigte sich dem Ende zu. Am Wochenende ein kleines Fest mit Musik und Tanz. Sie liefen zum Festplatz, wie wird sie diese leichte heitere Stimmung vermissen.
Dimmi quando tu verrai
Luigi forderte sie auf. Sie waren das Paar des Abends, Luigi und seine bella senora. Am nächsten Morgen kam der Reisebus Richtung Heimat. Wie schwer fiel ihr der Abschied. Papa Gelato stand mit seinem kleinen Luigi am Bus.
Arrivederci kleiner Luigi, dimmi quando tu verrai, ach, Luigi.

Wie mag er heute nach über 50 Jahren aussehen, der kleine Luigi? Ein gut aussehender, charmanter, braun gebrannter Schwarm aller Urlauberinnen, oder vielleicht doch eher wie das italienische Väterchen. Was soll’s, er wird immer der kleine unternehmungslustige Luigi mit dem strahlenden Lächeln bleiben.



Dimmi quando tu verrai,
Sag mir quando, sag mir wann,
Dimmi quando, quando, quando
Sag mir quando, quando, quando,
L'anno, il giorno e l'ora in cui
Ich dich wiedersehen kann,

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