Die Ehe
Von
cinque
26.02.2023, 10:09
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cinque
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Ich habe mir Gedanken über DIE EHE gemacht - bekanntlich auch die Abkürzung für errare humanum est –
irren ist menschlich.
Ich, die Ehe, habe etwas an Bedeutung verloren. Früher war ich der Höhepunkt im Leben zweier Menschen, heute gibt es Variationen.
Sehen wir uns die gut bürgerliche, konservative Ehe an: verliebt, verlobt, verheiratet, Häusle baue, Kinder schaffe, einmal im Jahr in Urlaub, zusammen die Hürden des Lebens nehmen und dann gemeinsam alt werden. Lebensversicherungen zu Gunsten des Partners eine nette Geste.
Bei der kirchlichen Trauung heißt es: Bis das der Tod euch scheidet. Klingt nach Durchhalte-Parole, könnte zu Überlegungen führen, die die Auszahlung der Lebensversicherung zunichte machen.
Stellen wir uns eine Spielwiese vor. In Phase 1 des Zusammenlebens tummeln sich hier Liebe, Lust und Leidenschaft. Ich spreche nicht expliziert über Sex, wenn der Nachbar anschließend eine rauchen mußte, war er gut. Die Spielwiese in Phase 2 ist belebt mit Kindern, Sorgen, Ärger klein und groß, Schwierigkeiten im Beruf, erste kleine Unpässlichkeiten. Wir haben vielleicht nicht alles, was wir wollen, aber zusammen sind wir alles, was wir brauchen. SCHÖN, DASS ES DICH GIBT.
In Phase 3 hat die Spielwiese über die Jahre Falten, Dellen, kleine Risse bekommen. Die kleinen gesundheitlichen Probleme könnten größer geworden sein. War es in Phase 1 Luststöhnen, ist es jetzt Arthose. Es ist ruhiger und beschaulicher geworden, Über allem aber steht: SCHÖN, DASS WIR ZUSAMMEN ALT GEWORDEN SIN
Man kann auch ohne Trauschein zusammenleben und glücklich sein. Das hat den enormen Vorteil, sich leichter von dem nicht mehr kompatiblen Partner trennen zu können. Es gibt dann eventuell noch prozessuales Gerangel, das hätte es mit Trauschein auch gegeben.
Die Frau sollte bei der Wahl des Mannes darauf achten, daß dieser auf jeden Fall jünger ist. Männer welken schneller, die Spannkraft lässt rasch nach. Die nachlassende Vitalität stört ihn nicht, zu Hause ist man, wo man den Bauch nicht einziehen muß.
Der Mann in blinder Verliebtheit sollte sich vor Hochzeit oder Zusammenleben die Schwiegermutter ansehen, Gene sind vererbbar.
Bekanntlich strebt im ersten Jahr der Mann die Vorherrschaft an, im zweiten kämpft er um Gleichberechtigung, im dritten ringt er um die nackte Existenz. Richtig verheiratet ist der Mann erst dann, wenn er jedes Wort versteht, das seine Frau nicht gesagt hat. Die altväterliche Hoffnung auf Vorrangstellung ist immer noch da, der Mann sollte sie gar nicht erst in seinem Innern bewegen.
Frauen, ob mit oder ohne Trauschein, haben heute mehr Rechte als ihre Großmütter, z.B. Bodyforming mit dem ansehnlichen Personell-Trainer. Hallo, kannten unsere Mütter einen Mädel-Abend mit viel Allohol, ich erwähne jetzt nicht den Stripper als Geburtstags-Überraschung für Susi. Nicht zu vergessen, die Dessous-Parties. Daß der Mann durch die kleinen Freiheiten der Frau, er spricht natürlich von Eskapaden, mehr in die häuslichen Erfordernisse eingebunden ist , bedarf keiner Worte. Flexibilität ist gefragt
Die Frau achtet immer auf ihr Erscheinungsbild. Dem Blick auf die Waage am Morgen folgt der kritische Blick in den Spiegel. Wenn etwas nachbesserungswürdig erscheint, wird nachgebessert, aufpoliert und ausgebeult. Die Anmerkung, 90% der Schönheit einer Frau kann man mit einem Feuchttuch abwischen, ist böse und irrelevant.
Die Frau fürs Leben, ist nicht das Mädchen für alles. Die Frau von heute hat die Möglichkeit der Selbstfindung. Welche wunderbaren Möglichkeiten gibt es bei der Suche nach dem wahren Ich. Wer bin ich, was will ich. Der Mann steht dem Streben nach Selbstfindung etwas hilfslos gegenüber. Der Mann hat seine Jungs in der kleinen Kneipe in unserer Straße mit der ansehnlichen Bedienung, hier fühlt der Mann sich noch als Mann. Zu Hause wartet der Abwasch.
Der Mann ruhet mehr in sich. Der Mann ist fast immer zufrieden mit sich, man spricht von gestörter Wahrnehmung. er gefällt sich, das reicht.
Es kommt schon mal vor, daß er aus seiner Selbstgefälligkeit hochgeschreckt wird. Da ist die neue Kollegin mit dem gewissen Etwas. Ihm wird bewusst, so wie er aussieht, kann er bei ihr nicht punkten. Nun entwickelt er zielgerichtete Aktivitäten, bessere Haltung, Sport ist angesagt, Kleidung mutig jugendlich frisch, er geht zum Barber-Shop, Bart-Stiling. Zu Hause erntet er Staunen, Heiterkeit, Misstrauen, Kontrolle.
In den Jahren des Zusammenlebens, der Gemeinsamkeit, der Einigkeit schleicht sich ein kleines Wort in den täglichen Wortschatz ein. Ich meine nicht Schatzi, diese praktische Verallgemeinerung, ich meine auch nicht Bärchen, Gott wie albern. Ich meine das kleine Wörtchen man, man mit einem N.
Wie oft wird gesagt: man müsste mal den Rasen mähen, das Katzen-Klo müsste man auch mal sauber machen, Fenster putzen. Man ist die geschönte Befehlsform von „mach mal“. Direkte Aufforderung könnte rebellisches Verhalten zur Folge haben. Der Angesprochene, wenn er klug und weise ist, könnte jede Diskussion vermeiden mit dem kleinen „Aber ja, Schatz“, freundlich lächelnd die nebulösen Fenster ignorieren.
Ob nun mit oder ohne Trauschein, die Jahre sind dahin, die Jugend ist vergangen, der Mensch wird älter. Wenn ein gealteter Mann für junge hübsche Frauen interessant ist, dann ist es nicht das Licht der Weisheit, das warm aus seinen Augen leuchtet, es ist schlicht und einfach Geld und Beziehungen.
Der älterer Mann, der nichts dergleichen zu bieten hat, hat Pech, der bleibt zu Haus bei Muttern und träumt, er habe es mit einer duften Blondine getrieben.
Kommen wir zum Ende, zum Ende der Verbindung. Es gibt bekanntlich nur EIN ENDE, der Weg dahin aber ist facettenreich. Die Scheidungsquote beläuft sich auf 38%, d.h. jede dritte Ehe oder eheliche Gemeinschaft scheitert. Das ist desaströs. Betrachten wir zuerst den friedlichen, gutbürgerlichen Heimgang eines Partners. Angemessene Trauer, kleines finanzielles Schmankerl.
Betrachten wir kurz die unerfreuliche Trennung, unerfreulich für die Parteien, erfreulich für die Anwälte. Von diesen Scheidungen haben alle etwas, die Parteien streiten sich im Zweifel sogar um den Hund, den Anwälten ist das mehr als recht.
In der Vernunftehe läuft es anders, man bleibt zusammen, um die Scheidungskosten zu sparen. Jeder wandelt beschwingt auf eigenen Pfaden. Wenn die Vitalität nachlässt, Bärchen mehr die ruhige Höhle schätzt, es geht ihm gar nicht gut, richtig vorzeigbar ist er auch nicht mehr, dann kann der gealterte Mann sich glücklich schätzen, wenn er noch die Option Ehefrau hat
Wie schon an Anfang gesagt, EHE – errare humanum est –
Irren ist menschlich. Aber seien wir doch ehrlich, es ist in der Regel nicht die schlechteste Entscheidung zu heiraten oder so ähnlich. Es gibt natürlich keine Garantie für’s Gelingen.
Die Ehe ist eine anspruchsvolle, manchmal schwierige, bisweilen sogar konfliktgeladene Reise. Sie ist der Versuch, zu zweit wenigstens halb so glücklich zu werden, wie man allein gewesen wäre.
Nachsatz:EHE-Witz
Treffen sich zwei Männer.
Sagt der eine: “Meine Frau ist ein Engel!.
Sagt der andere: „Hast du ein Glück, meine lebt noch.“