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Wahre Freundschaft

Von Fiddigeigei Mittwoch 15.11.2023, 17:47

Die Namen sind willkürlich gewählt und bedeutungslos.

Aber einer meiner treusten Berg-und Wander-Kameraden.
Hat vom Dunkeln jetzt ins Licht gefunden.

Für meinen Freund:

Das Herbstlaub ist so wunderbunt,
die Blätter fallen müde auf der Erde Grund,
du bist uns aber nicht verloren,
du wirst zu etwas Neuem jetzt geboren.

Carloskar


Max und Marlene
An diesem Morgen öffnete Max seine Augen aber er sah ins Leere. Es gab keine Verbindung mehr zu dieser Welt, in der er biss jetzt gelebt hatte.
Gestern Abend als sie ins Bett gingen, hatte er noch vertrauensvoll ihre Hand ergriffen und sie haben sich wie immer einen Gutenachtkuss gegeben. Eine Zeremonie ohne die Max und Marlene niemals einschliefen. Selbst wenn sie sich verkracht hatten, diente dieses Küssen und Berühren um bereits die Verzeihung für den nächsten Tag einzuleiten.
Es geschah am Tag zu Maxens 65sten. Es wurde gebührlich gefeiert, als Max feststellte, dass er Namen von geladenen Freunden einfach nicht mehr wusste. Bei seiner jährlichen Routineuntersuchung sprach er mit seinem Arzt über das Problem immer mehr der einfachsten Dinge im täglichen Leben zu vergessen und es ihm oft schwer fiele, gebräuchliche Worte zu finden.
Der Test brachte den Beweis,- beginnender Gedächtnisverlust!
Max ging aus der Praxis, setzte sich in sein Auto und sein erster Gedanke war, an eine Wand zu brausen. Er fuhr ziellos einige Zeit in der Gegend herum spielte mit dem Gaspedal, aber dann dachte er an Marlene.
Marlene war eine wunderbare Frau, sie nahm Max in die Arme und sie sprach mit ihm über all die schönen und schweren Zeiten, die sie zusammen erlebt und gemeistert hatten und dass sie ihn nie, niemals im Stich lassen würde.
Max hingegen wollte nicht Marlene mit seiner Krankheit belasten. Er wusste es von guten Freunden was ihr Marlene und ihm Max bevorstehen würde.
Marlene war zum Einkaufen, Max zündete den Holzkohlengrill in einer kleinen Rumpelkammer der Wohnung an. Auf dem Tisch lag für Marlene ein Brief.
Max wollte nicht so leben, er war nicht der Typ, der ohne dem Tod in die Augen sehen zu können, zu sterben. Er wollte nicht Windeln gewechselt bekommen, er wollte nicht gewaschen und gefüttert werden, auch nicht von Marlene und er wollte Marlene nicht mit sich belasten. Er liebte ein freies Leben und Marlene.
Marlene kam früher zurück.
Dann begann Max zu trinken,- bis zur Besinnungslosigkeit sich zu besaufen. Die Flaschen mussten versteckt werden.
Sein Zustand verschlechterte sich zu sehend. Er bedachte Marlene, seine geliebte Marlene mit obszön Ausdrücken, die er noch nie gebraucht hatte. Einmal schlug er voller Wut auf seine Marlene ein.
Man empfahl Marlene Max doch endlich einzuweisen. Niemals sagte Marlene, niemals.
Dann ein letzter Versuch sich zu befreien, er lief auf und davon. Nachbarn, die Polizei und das Technische Hilfswerk suchten 2 Tage und eine Nacht. Max saß eng an einen Baum gedrückt in Wald. Unterkühlt, aber am Leben, an diesem verhassten unwürdigen Leben.
Max wurde immer ruhiger und apathischer, ab und zu gab es noch lichte Momente, wo er sich an Marlene klammerte wie ein kleines Kind an seine Mutter. Andere Menschen um ihn herum waren ihm völlig fremd und oft sogar empfand er sich von ihnen bedroht.
Dann kam dieser Morgen wo auch der letzte Funken des Erkennens in der Dunkelheit erlosch. Es gab keine Marlene mehr, keine Berührung und Küsse schon gar nicht.

Max war abgetaucht, dahin wo ihm niemand aus dieser Welt folgen konnte. Der Körper im Komma. Fütterung über Flaschen und Schläuche. Der Abfall die dieser Torso erzeugte wurde über Schläuche in Flaschen abgefüllt. Ein Kreislauf der Verdauung.
Wo war Max?
Max war ganz in sich gesunken. Er bewegte sich in einer Dunkelheit und Stille, seine Augen, seine Ohren, sein Mund und alle seine Sinne waren abgeschaltet. Er war nur noch er, in einem unerforschten Universum schwebend. Es gab weder Ängste noch Freuden, Marlene ausgelöscht.
Marlene stand alleine vor dem Baum im Friedwald. Auf dem kleinen Messingschildchen stand:
„Marlene und Max, zwei, die nie von einander lassen werden“.
Bei Maxens Namen war ein kleines Kreuz eingraviert.

Marlene ging zurück in ihre Wohnung der Einsamkeit. Sie hatte noch den Holzkohlegrill in der Rumpelkammer aufbewahrt.

Am Ende des dunklen Tunnels wartete Max auf seine Marlene und sie gingen wie sie es sich versprochen hatten, ihren Weg gemeinsam weiter.



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