Spaziergang mit Regentropfen Präludium
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Feierabend-Mitglied
30.04.2023, 11:28
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30.04.2023, 11:28
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Ich sitze am Ufer und träume.
Nein, mein Traum ist Wirklichkeit,
wie die blauen Algen im See.
Das Wasser zu meinen Füssen
rauscht mit Geschicklichkeit des Juonglers.
Tänzelnd berührt es die Steine,
zwängt sich eilend durch die Pflanzen
und verliert sich am Ufer im Sand.
Wiederkehrend das gleiche Spiel.
Eine beruhigende Monotonie.
Friedliche Momente.
Die ganze Welt verweilt in stoischer Ruhe.
Mein Blick streift beiläufig den Himmel.
Auf dem Abendhimmel entdecke ich überraschend
eine kleine, dunkle Wolke.
Ein Hydrometeor verirrte sich.
Und schon fallen, laut trommeln,
einzelne Regentropfen.
In der untergehenden Sonne
funkeln sie wie geschliffene Diamanten.
Hörbar durchbrechen sie die Wassermembran,
prasseln drauf mit vollendeter Perfektion,
wie ein Virtuoser auf der Tonleiter.
Mal fester, mal kaum hörbar.
Wie kann man bloß diese Melodie beschreiben?
Schwierig, wie Chopins Regentropfen-Präludium.
Ich mache die Augen zu.
Das Konzert beginnt.
Ein musikalisches Vorspiel, meisterhaft komponiert.
Mal ganz leise, dann laut und lebhaft,
mal wieder mit trommelnden Klang auf den Felsen,
und dann weicher, zärtliche, auf die Hydrophyten fallend.
In tiefer Begeisterung, ganz in mich gekehrt,
lausche ich den Klängen.
Plötzliche Stille weckt mich auf.
Ich merke, das Konzert ist beendet,
der Dirigent hat sich verstohlen zurückgezogen.
Die einsame Zuhörerin verzaubert.
Logischerweise keine Ovationen.