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Klaus Bonhoeffer an seine Kinder

Von EwigerBrunnen01 Montag 13.11.2023, 09:59 – geändert Montag 13.11.2023, 10:01

Im Gegensatz zu seinem Bruder Dietrich wurde Klaus während seiner Haft entsetzlich gefoltert. Wenige Tage vor seinem Tod hat Klaus Bonhoeffer auf einem Zettel eine kleine Notiz hinterlassen, die gefunden und überliefert wurde, in der er schreibt:

„Ich fürchte mich nicht vor dem Erhängtwerden, aber ich möchte diese Gesichter nie mehr sehen... dieses Maß an Verkommenheit... Ich möchte überhaupt lieber sterben, als diese Gesichter nochmal zu sehen. Ich habe den Teufel gesehen, das werde ich nicht los.“

Kurz vor seiner Hinrichtung schrieb er seinen Kindern einen bewegenden Abschiedsbrief. Wegen der Länge setze ich lediglich einige Auszüge ein:

Meine lieben Kinder!
Ich werde nicht mehr lange leben und will nun von Euch Abschied nehmen. Das wird mir sehr schwer; denn ich habe jeden von Euch so sehr lieb und Ihr habt mir immer nur Freude gemacht. Ich werde nun nicht mehr sehen, wie Ihr heranwachst und selbständige Menschen werdet. Ich bin aber ganz zuversichtlich, daß Ihr an Mamas Hand den rechten Weg geht und dann auch von Verwandten und Freunden Rat und Beistand finden werdet.

Liebe Kinder, ich habe viel gesehen und noch mehr erlebt. Meine väterlichen Erfahrungen können Euch aber nicht mehr leiten. Ich möchte Euch deshalb noch einiges sagen, was für Euer Leben wichtig ist, wenn Euch auch manches erst später aufgehen wird.....
......nach Anerkennung streben macht Euch unfrei, wenn Ihr sie nicht mit Anmut auch entbehren könnt, und das gelingt nicht jedem. Hört nicht auf billigen Beifall. Die Menschen, die Euch sonst begegnen, nehmt, wie sie sind. Stoßt Euch nicht gleich an dem, was fremd ist oder Euch mißfällt und schaut auf die guten Seiten. Dann seid Ihr nicht nur gerechter, sondern bewahrt euch selbst vor Engherzigkeit. Im Garten wachsen viele Blumen. Die Tulpe blüht schön, aber duftet nicht, und die Rose hat ihre Dornen. Ein offenes Auge aber freut sich am unscheinbaren Grün. So entdeckt man bei den Menschen meist verborgene und erfreuliche Seiten, wenn man sich erst einmal in sie hineinversetzt. Wer nur mit sich beschäftigt ist, hat dafür keinen Sinn. Glaubt mir aber, liebe Kinder, das Leben erschließt sich euch erst dann im kleinen Kreise und im Großen, wenn Ihr nicht nur an Euch, sondern auch an die andern denkt .......
....... Die Zeiten des Grauens, der Zerstörung und des Sterbens, in denen Ihr, liebe Kinder, aufwachst, führen den Menschen die Vergänglichkeit alles Irdischen vor Augen; denn alle Herrlichkeit des Menschen ist wie des Grases Blume.....

Der ganze Abschiedsbrief ist in dem Buch „Emmi Bonhoeffer – Bewegende Zeugnisse eines mutigen Lebens“ aufgezeichnet.

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