Adventserinnerung
In der Adventszeit geschieht es manchmal, dass ich einen (nicht realen) Duft wahrnehme, der mich an Weihnachten in meiner Kindheit erinnert. Dann vermischt sich der Duft des Weihnachtsbaumes mit dem Geschmack der süßen Kringel, mit denen er auch geschmückt wurde. Dieses geschieht sehr selten, sodass es schon eine kleine Kostbarkeit ist. Im Gegensatz zu heute gab es das Weihnachtsgebäck und die Süßigkeiten auch erst zur Adventszeit zu kaufen, schon dadurch war die Adventszeit etwas Besonderes für uns Kinder. Faszinierend für uns Kinder waren die Schaufenster der großen Kaufhäuser. Damals in Hamburg, aber sicher auch hier in Oldenburg. Dort waren kleine, bewegliche Welten aufgebaut, vor denen wir Kinder lange stehen und immer wieder etwas Neues entdecken konnten. Wir waren fünf Kinder. Ich erinnere mich, dass mein Vater vor Weihnachten viele Überstunden machte, damit jedem Kind ein Herzenswunsch erfüllt werden konnte. Bevor die Bescherung stattfand, musste jedes Kind ein Lied oder ein Gedicht vortragen, erst dann wurde die Tür zum Weihnachtszimmer geöffnet. Mein Lieblingsgedicht war "Knecht Ruprecht" von Theodor Storm. Jedes Jahr übte ich es Tage vorher. Meine Großmutter konnte mir helfen, sie hatte es wohl in ihrem Kopf gespeichert. Sollte es einmal schneller gehen, wurde das Gedicht "Vom Christkind" von mir vorgetragen. Nach unserem Vortrag sahen wir zum ersten Mal den geschmückten Baum, unter ihm die Geschenke. Die Kerzen wurden angezündet und die Bescherung begann. Besonders an Weihnachten 1956 als Zwölfjährige erinnere ich mich. Mein großer Wunsch, ein Fotoapparat, wurde zu meiner Freude erfüllt.

Galerie wird geladen...

20201219_163732.jpg
© Mitglied Maggio44