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Es muffelt!

Von Fiddigeigei Donnerstag 14.12.2017, 17:00

Vor Weihnachten sollte man allen Schutt von der überlasteten Seele räumen um mit reinem Herzle platz für das Chriskind zu machen.
Muffel ich

Ich bekenne mich dazu ein Muffel zu sein, jawohl ich bin ein Muffel und zwar nicht einer von der kleinen Sorte, nein ich bin ein absoluter Grossmuffel des allerschwersten Kalibers.

Was ist eigentlich ein Muffel? Zoologisch gesehen ein Paarhufer, Wiederkäuer und Hornträger und gehört zu den Wildschafen. Beim Männchen spricht man vom Widder und zum Weibchen sagt man Schaf. Wenn die Männer um die Schafe kämpfen, rennen sie wie zwei Volldeppen aufeinander zu und treffen mit den Köpfen zusammen, dass es nur so knallt. Die Damen stehen daneben, machen mäh, mäh und gehen mit dem ins Heu, der beim Kopfknallen nicht umgefallen ist.

So einfach ist es bei mir nicht mehr. Die Kämpfe sind vergangen. Es gibt soweit ich es übersehe im Moment keine Gegner mehr im Revier- das sage ich sehr vorsichtig, ohne zu wissen ob es stimmt-.
Aber das Schäfchen hat trotz der altersgerecht abgestoßener Hörnern, mit mir dem Muffelkönig aus dem Hotzenwald noch genug in der Wolle.
Das geht los bei meiner Kleidung. Es gibt für mich nichts schlimmeres als neue Kleider zu kaufen, anzuprobieren und vor allem zu tragen. Da beginnt der Muffel zu wehklagen, als ob man ihm die Hörner absägen wolle. Nein, ich möchte in alten wunderbar ausgebeulten Kleidungsstücke umher wandeln.
Schuhe, ich kann euch sagen, meine neuesten Schuhe sind mindestens 20 Jahre alt, mindestens sage ich euch. Bei Schuhen kann ich mich gut wehren, die kann man nicht einfach kaufen und mir unterschieben, wie es oft bei Hosen, Hemden und Pullis geschieht. Da scharrt der Paarhufer in wirklich historischem Schuhwerk herum, und ist um kein Geld der Welt bereit in ein Schuhgeschäft zu traben um sich für 299€( Ital. Edelschuhe)- diesen Preis habe ich mal bei einem Schaufensterspaziergang gesehen- seine Füße in unbequeme und nicht ausgelatschte Schuhe zu stecken. Seit diesem Preistrauma könnte nicht einmal der Doktor Freud oder einer seiner modernen Jünger mich dazu bringen, wieder einen Schuhladen zu betreten.
Mein absolut gestörtes Verhältnis zu neuen Schuhen hat sich dadurch so dermassen verstärkt, dass mein Schäfchen süßlich blöken wie es will- komm wir wollen bloß mal gucken- nein und nochmals nein. Nicht mal gucken!
Da kann ich auch gleich mein „Aber“ gegen Feinrippwäsche vortragen. Jahrelang war ich dazu verdonnert in dieser- ich gebe zu die Männlichkeit stark betonenden Unterwäsche- herumzustolzieren.
Bis ich dann bei einem Besuch in den USA auf Boxershorts stieß. Dieses für Männer absolut bequeme Unterteil, welches ohne Zwänge uns sein lässt, wie wir nun mal unten herum gebaut sind, ist eine Revolution. Es mag ja vielleicht der Damenwelt nun weniger Einblicke über das Mehr oder Weniger beim Manne gewähren, aber wir Männer fühlen uns von jeglichen (Ein) Zwängen und Zwickereien, befreit. So zu sagen ist man geschlechtlich neutral geworden.
Ein weiteres Feld meiner ausgeprägten Muffelei sind Taschentücher.
Im Hotzenwalde und in Gottes freier Natur aufgewachsen, wurde mir nie gelernt ein Taschentuch zu benutzen. Der Hotzenwälder erledigt dieses Geschäft äußerst hygienisch, in dem er mit dem rechten Daumen das rechte Nasenloch zudrückt und dann durch das linke Nasenloch alles herausbläst, was sich dort angesammelt hat, dann wiederholt er das ganze auf der linken Seite. Kleine Überreste werden einfach an den Ärmeln abgewischt, was den selben bei längerem Gebrauch zu einem einmaligen Glänzen erstrahlen lässt. Dann ist es Zeit dieses Kleidungsstück in die häusliche Wäscherei zugeben.
Diese saubere absolut hygienische und umweltfreundliche Nasensäuberung macht aber den Muffel nicht sehr beliebt bei seinem Schaf, obwohl so mancher Euro weniger für Papiertaschentücher ausgegeben werden muss.Sparsamkeit ist nicht die Sache der Schafe!
Über den Zwang eine Krawatte anzulegen möchte ich hier gar nicht referieren. Bei mir gibt es die einfach nicht. Da kann man in meinem kleinen Kleiderabteil alles umdrehen. Bis auf eine Schwarze, sind alle in einem Secondhandshop für Manager und die es werden wollen gelandet. Gerade die Krawatte dient den Frauen uns zu strangulieren und um zu verhindern, dass wir mit unseren haarigen Widderbrüsten fremde Schafe anlocken, die sich gerne einmal in einer solchen anderen Wolle verfangen möchten.
Die Schäfchen sind dagegen viel freier, indem sie sich oben herum keinen Zwang antun und alle Widder mit ihrem Ausschnitt bis in den Wahnsinn treiben.
Erfolg: Wir müssen dann antreten zum Kopfknallen. Und das tut weh, um so älter der Muffler wird.

Geburtstag, den hätte ich beinahe vergessen. Während viele normalen Mufflons diesen Tag ihrer Geburt jedes Jahr aufs Neue sehnlichst „wiederkäuend“ herbeisehnen, steht mir Muffel so etwas überhaupt nicht an.
An diesem Tag sitze ich wie ein zum -Tode durch das Telefon Verurteilter- in einem Sessel, an diesem vom Teufel persönlich erfundenen Gerät. Vor mir eine Tasse kalt gewordener Kaffee. Und jeder Anrufer, der mir „ Alles Liebe und Gute“ wünscht und noch dazu sagt“ Vor allem Gesundheit- Das ist das Wichtigste“, lässt mich älter und älter werden. Am Abend bin ich nur noch ein Häufchen zittriges, wiederkäuendes Bündelchen von einem paarhufigen Elend, dessen Hörner sich traurig zur Seite geneigt haben, neben die ebenfalls herabhängenden Ohrwascheln.
In dieser Zeit sitzt mein Schaf fröhlich am festlich geschmückten Frühstückstisch und knabbert die frischen Croissants alleine auf.
Noch fröhlicher geht es beim Mittagsmahle zu, wenn der „Gourmet- ins Haus“ seine Schleckerchen serviert. Die Portionen sind leider so bemessen, dass auch einer alleine die servierten Köstlichkeiten wegputzen kann.- Wir wollen doch nichts verderben lassen, gell Schatz-! .
Und spät am Abend sehe ich wie der letzte Tropfen eines teuren Proseccos durch das rosige Hälschen meines Lieblingsschäfchens rinnt.

Verdammt sei der Tag, an dem mein Geburtstag in einem Melderegister eingetragen wurde!

Zu all diesen grösseren Muffeleien gibt es noch einen Sack kleinerer Muffeldinge, die es aber kaum lohnt zu erwähnen. Für dieses Mal sei genug gemuffelt.
Carlos
ein Paarhufer

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