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offenes Wort zu Putin

Von Feierabend-Mitglied Freitag 05.04.2024, 17:12

Von B.T.

Zeitenwenden merken viele erst viel später. Ich denke, wir haben soeben eine erlebt. In Russland. Dass Russland foltert, ist nicht neu. Aber dass Russland extremste Folterungen öffentlich und mit Bildmaterial zeigt, stolz auf die Barbarei, das ist sehr wohl neu.
Es ist ein Tabubruch. Ein Bruch mit allen bisher geltenden Konventionen. Gefoltert wurde leider immer, weltweit. Aber bislang waren, mit der Ausnahme von Terrorgruppen wie dem IS oder der Hamas, die Verantwortlichen bemüht, das als Einzelfälle abzutun, von denen man sich selbstverständlich scharf distanziere.
Dass ein Staat nun extremste Folter nicht nur verübt, sondern filmt und das Gefilmte der ganzen Welt zeigt, gab es zuvor nicht. Nur Banden wie der IS oder die Hamas filmten ihre Untaten und veröffentlichten die Filme.
Und nein, Guantanamo ist damit nicht vergleichbar. Auch die schlimmsten Untaten diverser Geheimdienste rund um den Globus nicht. Warum nicht? Weil diese Untaten eben nicht öffentlich präsentiert wurden. CIA, Mossad, MI6, DGSE und Co schneiden in aller Regel auch weder Gliedmaßen ab noch stechen sie Augen aus. Deren Foltermethoden sind schlimm genug, aber sie kommen selten zum Einsatz und sind meist körperlich reversibel. Und vor allem anderen: Sie werden nicht in aller Öffentlichkeit verübt, als befänden wir uns im Jahre des Herren 1326.
Islamistische Fanatiker, an die die russischen Foltervideos ebenso gerichtet sind wie an die russische Bevölkerung, werden sich davon nicht beeindrucken lassen. Wen das aber beeindrucken sollte, sind "wir". Putins Russland zeigt hier, dass es absichtlich und endgültig draußen ist aus dem, was wir als Zivilisation bezeichnen.
In der Ukraine hat man zwar ohnehin keine Illusionen mehr über Putins Russland, aber auch dort wird das geradezu lustvoll inszenierte barbarische Quälen von Gefangenen nicht zu einer Demoralisierung führen, sondern im Gegenteil den Widerstandsgeist anregen.
Wie bei der anderen Zeitenwende, dem 7.10., scheinen viele nicht zu begreifen oder begreifen zu wollen, wie signifikant das ist, was wir da sehen. So wie es mit der Hamas kein Verhandeln und keinen "Frieden" geben kann, ist auch eine Koexistenz mit Putins Russland nicht mehr denkbar, sofern man ein Mindestmaß an moralischem Empfinden und politischem Verstand hat. Wieder und wieder zur Rede gestellt werden müssen die Verharmloser und Relativierer der Bestialität, die Sympathisanten und Unterstützer von Feinden der Menschheit wie Putin und Hamas, um bei den genannten Beispielen zu bleiben.
Und alle anderen dürfen nie vergessen: Wenn "Konservative" und Rechtsextreme sagen, das Recht müsse der Politik folgen oder die Menschenrechte seien hinderlich, dann möchten sie barbarische Zustände herstellen. Mit der Verächtlichmachung der Menschenrechte fängt es an, geht dann in ein Zwischenstadium mit öffentlicher Folter und Hinrichtungsspektakeln über und endet in Staatsterror und Genozid.

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