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Gestern, am Jahrestag des Mauerbaus

Von Alkalde 14.08.2022, 17:42 – geändert 14.08.2022, 17:53

habe ich eine Dokumentation im TV gesehen und festgestellt, dass die Erinnerungen anderer nicht immer mit den eigenen übereinstimmen.
Als Hauptgrund für die Fluchtbewegung über die offenen Sektorengrenzen wurde in der Sendung der Hang nach Freiheit genannt.
In meiner Erinnerung bestand er aber zur Hauptsache in dem Wunsch nach einem besseren Lebensstandard, der natürlich auch mit dem Verlangen nach freiheitlicher Lebensweise verknüpft war und die Flüchtlinge kamen aus allen Teilen der, von der BRD durch strikte Grenzsicherung abgesicherten, DDR
Für die Ostberliner war das nicht das Problem, denn die Grenzen zu den Westsektoren waren ja frei passierbar.

Berlin, das bis dahin immer Hauptstadt Deutschlands gewesen war, wandelte sich zu einem politischen Monstrum; die drei Sektoren der Westmächte wurden formal zu einem Bundesland der BRD, während der Ostsektor de facto in Hauptstadt der DDR umgewandelt wurde.
Es gab damals zwei Verwaltungen in Berlin, den Senat und den Magistrat, sowie zwei Währungen nämlich DM und Mark; das gab es nirgendwo anders auf der Welt und es stellte darum auch besondere Anforderungen an seine Bewohner.
Westberlin wurde zum "Pfahl im Fleische der DDR“, wie es so schön formuliert wurde. So oder so ähnlich kennen es die meisten Nichtberliner wohl aus den öffentlichen Medien und durch andere Dokumentationen.
Wie viele aber wissen etwas darüber, wie diese großen politischen Ereignisse die Lebensverhältnisse in der Stadt veränderten und die familiären und sonstigen Beziehungen seiner Bewohner beeinflussten?
Da gab es die Wechselstube am Gesundbrunnen, wo man je nach Wechselkurs für DM viel Mark bekam oder umgekehrt viel Mark einzahlen musste und von den Telefonzellen gegenüber, da konnte man sich für Ostgeld in das Westberliner Telefonnetz einwählen.
Die Westberliner nutzten den günstigen Wechselkurs für preiswerte Friseurbesuche, nahmen andere Dienstleistungen in Anspruch, erwarben Konsumgüter oder besuchten kulturelle Einrichtungen in Ostberlin.
Den Ostberlinern wurden für kulturelle Einrichtungen in Westberlin Preisnachlässe gewährt, aber für die begehrten, modischen Konsumartikel, mussten sie tief in die Tasche greifen.

Dann kam der 13. August 1961 und aus einer Stadt mit ihren engen familiären und sonstigen Bindungen und Beziehungen, wurden über Nacht zwei Städte, die nur durch eine Mauer getrennt, für ihre Bewohner aber Lichtjahre entfernt waren.
Über diesen Umstand wurde leider nichts berichtet.

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