Wenn ein Spiegel reden könnte
Von
speedygonzalez
10.10.2021, 09:48
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speedygonzalez
10.10.2021, 09:48
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Ich bin ein Spiegel und hänge an vielen Plätzen in einer Wohnung. Häufig im Flur, damit alle, die hinausgehen, noch einen letzten Blick auf sich werfen können. Auch in den Bädern bin ich immer zu sehen, leider sehr häufig recht beschlagen, so sehe ich eher weniger.
Immer wieder gerne, wenn man zu zweit herein kommt und sich vorrangig um körperliche Pflege statt um Körperpflege bemüht. Doch dann kommen meistens auch schon die Schwaden.
Am liebsten hänge ich jedoch in einem Schlafzimmer, das ist bei weitem abwechslungsreicher, besonders bei jüngeren Ehepaaren. Vor Jahren hatte ich einmal das Glück bei Neulingen.
Manchmal recht unbeholfen, wie er sich anstellte. Dabei wollte sie es genau, wie er. Nur weil die sich noch nie so recht drüber unterhalten hatten, ging so vieles davon in die Hose oder sonst wo hin.
Doch allmählich spielten sie sich ein. Sehr fein war es, wenn sie spielerisch mit einem Kinderzählreim die Initiative übernahm. „Es stieg eine Frau die Treppe rauf …“ Leichte Abwandlung, denn es war nicht sein Arm, wie man es bei den kichernden Kleinen macht, es war sein Bein. Auf halber Strecke musste sie ausruhen und sah sich um. Zu dunkel, sie konnte kaum etwas sehen. Voller Beinschub, weiblich, und es ging ihr ein Licht auf. „Sie stieg weiter hinauf – klopft an …“
Beim dritten Mal brauchte sie nicht mehr anklopfen, meilenweit stand die Tür auf: „Guten Tag, Herr Fitzemann.“ Hatte sie sich da nicht geirrt? Mir kamen Bedenken, denn ein Fitzemann konnte das nicht mehr sein.
Nicht lange hernach drehten die Beiden, diesmal wörtlich, den Spieß um. Ihre Beine sehr hoch, ganz in meiner Nähe, ein köstliches Bild für mich, kam er herab. „Es stieg ein Mann die Trepp herab.“ Kaum zu verstehen, er nuschelte es an ihrem Bein, dem Zappelnden. Ja, tut man denn so was? Richtig festhalten musste er es. „Klopft an - guten Tag, kleiner Fitzemann!“ Es mussten Polstertüren sein, wo er ihn fand.
Zu verstehen war er nicht mehr. Sie jedoch umso mehr.
Ich wurde verkauft und landete in einem Hotel.
Jedenfalls stand das draußen über der Tür. Augenfällig jedoch war, wie kurz die Gäste in der Regel blieben. Selten mehr als eine Stunde. Allmählich ging mir auf, dass einige Damen anscheinend ein Abonement besaßen, denn sie erhielten immer dasselbe Zimmer. Nach meinen Erfahrungen aus dem Schlafzimmer wäre es mir lieber gewesen, dort zu hängen, aber nun …
Dann wurde es doch noch interessant, als eines späten Abends, eher sehr spät, eine Bedienstete hinter dem Tresen stand. Ein anderer Bediensteter, in Dienstkleidung gesellte sich zu ihr und ein kleines Gespräch entspann sich. Oder nennt man das eher schäkern?
Jedenfalls nahm die Situation Formen an, als seine Hand von ihrer Hüfte zu ihrem Po hinunter glitt. Wie es schien, konnte sie gut damit umgehen, denn wenig später war die vorwitzige Hand schon unter ihrem relativ kurzen Rock, schwarz, wie sein Outfit auch. Was hat sie denn, immer dieses Drücken? Die Dame nahm es hin, oder wollte sie gar … Sie legte ihre Arme entspannt auf die Tischplatte, ihre Aufmerksamkeit ganz bei der Eingangstür. Oder sah das nur so aus? Denn da tat sich nichts, was den Beiden wohl sehr gelegen kam. Tiefer verschwand die Hand, immer noch beweglich – etwa auch ein kleiner Fitzemann? Ihr Rücken sank mehr ein, er schob ihren Rock hoch – ja gibt’s denn so was?
Was ich nicht sehen konnte, weil vorne bei ihm, war ihre Hand, die derweil eigene Arbeit gefunden haben musste. Jedenfalls zog er ihr sehr vehement den Slip herab, hell leuchtete ihr Po in dem eher dunklen Design der Rezeption und im Nu stand er hinter ihr.
Einfädeln und Hau-Ruck. Sie hatten es viel eiliger, als die im Schlafzimmer, aber zufrieden sahen sie schon aus – hinterher, als sie alles wieder einsortierten.
Renovierung.
Wieder hing ich in einer Suite. Nennen wir es einmal so. Ich hing über einer sehr eindrucksvollen Stätte der Körperpflege. Zwei kleinere Kollegen hingen rechts und links von mir, wir verstanden uns blendend. Himmel, welche Unmengen an Tiegeln und Töpfchen es hier gab. Dazu alles was man zum Auftragen, Tupfen und Einpudern benötigt hätte. Das könnte interessant werden, auch weil der Blick ins angrenzende Boudoir nicht gestört wurde.
Dort lag auf dem Großbett, Lümmelwiese hatte ein Gast es mal bezeichnet und sich dem entsprechend mit seinem Gschpusie verhalten, eine Dame sehr weiblichen Geschlechts, hingebreitet in all ihrer … vielleicht höre ich noch einen passenden Begriff. Ihre Bekleidung durfte man als großzügig marginal ansehen, betonte jedoch, was betont sein sollte.
Ihr Interesse galt einer unsichtbaren Person, die sich auch dort befand. Jetzt konnte man auch hören, was er, es muss also ein Mann sein, sagte. „Habe ich selbst hergestellt.“ Er kam in Sicht ans Bett und trug ein Servierbrett mit einer Flasche und kleinen Gläschen. „Ach …“ die Dame war erstaunt. „ … Du machst Pfirsichlikör selber?“
Seine Kleidung, auch recht marginal, doch das war für sie offensichtlich kein Manko, sowie ihre Blicke über ihn gingen. Wohlgefällig wäre ein passender Begriff gewesen. Mittig blieben die interessierten Blicke hängen, verweilten an dem kleinen Kleidungsstück, was schwer an seinem Inhalt zu tragen hatte, so sah es wenigstens aus. Gottseidank kam er um das Bett herum, so blieb alles im gut sichtbaren Bereich.
Sie machte ihm etwas Platz und er balancierte sich und das Tablett auf die Bettkante. Interessiert begutachtete die Dame sein Kleidungsstück, prüfend kam sie mit der Hand. „Ein sehr feines Stöffchen.“ Meinte sie. „Es sieht aus, als ob der Inhalt sich dagegen stemmen würde.“ Leicht klopfte sie mit einem Finger auf die Spitze.
Er schenkte, leicht irritiert, von dem duftenden Inhalt in die Gläschen und reichte ihr eines. „Zum Wohl, meine Liebe, auf fröhliches Erleben.“ Die Dame nahm das Gläschen mit der anderen Hand und sie stießen vorsichtig an. Sie tranken ein Schlückchen, ein feines Küsschen folgte, ein eindringlicheres hinterher. Vorsichtig senkte die Dame ihren Zeigefinger in ihr Gläschen und tupfte damit auf die mit schwarzer Spitze verhüllte eine Krone ihrer Schöpfung. Der Pfirsichlikörerfinder, der nichts umkommen lassen wollte, fing mit den Lippen dieses Tröpfchen wieder ein.
Doch dann geschah ein großes Unglück für mich.
Er machte das Licht aus.
Ich bin ein Spiegel und mit Gemurmel oder auch lauten Geräuschen kann ich nicht viel anfangen.