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Erotik in der Fantasie und im Erleben/2 - Lexika

Von versemacher Donnerstag 20.02.2020, 22:39 – geändert Donnerstag 20.02.2020, 23:45

Moderne Werke über Erotik: Lexikon (li.); Kulturgeschichte (re. * )

Diese kleine Serie über Erotik begann im Teil-1 mit dem Salomé-Zitat, dass man das Problem des Erotischen wo und wie auch immer anfassen möge, man würde doch empfinden, "es höchst einseitig getan zu haben" – besonders dann, wenn man es mit Logik versuchte. Mit Systematik könnte man dagegen wohl weiterkommen!

Genau dafür gibt es auf jedem Gebiet die "Who-is-who"- und auf manchen auch die "What-is-what"-Bücher. Für das "Fach Erotik" jedenfalls gibt es beides! Nicht schon seit ewigen Zeiten, aber doch seit dem Aufschwung nach dem Weltkrieg-II, und seit den 70-er und 80-er Jahren waren sie in Form umfangreicher, mehrbändiger und üppig ausgestatteter Lexika verfügbar. Wir Deutschen profitierten von einer Art neuen Welle in der französischen Aufklärung im 20. Jahrhundert und brauchten die Who-und-What-Titel nur noch zu übersetzen – mit den beiden BRD-Standardausgaben an der Spitze - das Titelbild zeigt sie oben.


Die 3-bändige "Moderne Enzyklopädie der Erotik" …
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… verweist im Vorwort stolz darauf, dass dieses "anspruchsvolle und nicht zeitgebundene Werk" eine staunenswerte Fülle von Kenntnissen, Fakten, Biografien, Bibliografien und Informationen für berufliche, wissenschaftliche und Studienzwecke bietet – und besonders auch für Sammler von Erotika! Und wenn wir noch die "Liebhaber des Fachs" dazunehmen – dann sind wir schon alle miteinander gemeint.
Zwei ältere Zöpfe hängen dem Werk aber doch noch an, und über die kann man sich köstlich amüsieren:
Erstens: "Das Werk ist nicht für Jugendliche bestimmt" und in der Abgabe" beschränkt auf den Kreis von Personen, die die beruflichen und geistigen /einst hieß das: "die sittlichen"/ Voraussetzungen für den Erwerb dieser Enzyklopädie mitbringen".
Zweitens: Das Pikanteste an Darstellungen ist in einem damals nur apart als Supplement käuflichen Band-3 vereint, dessen Ziel es ist, "die Erotik vom Mythos des Satanischen und den Leser von einer nicht mehr zeitgemäßen Bevormundung zu befreien" und ihm zugängig zu machen, was die Wissenschaftler Freud und Jung als "die Nachtseite der Seele" längst enthüllt hatten.
Aber nun nicht bloß auf den 3. Band schielen – ohne die Bände 1+2 würde man sich schnell verirren! Außerdem wurde in allen drei Bänden der Erotik in der Kunst besondere Aufmerksamkeit gewidmet, so dass dieses Lexikon auch als ein "Handbuch des Erotischen in der Kunst" dienen kann. Dazu am Schluss dann ein Beispiel.

Die 10-bändige "Kulturgeschichte der Erotik" …
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… verfolgt die Wandlung(en) der menschlichen Sexualität in der Kultur, zwar nicht in ihrem chronologischen Ablauf, wohl aber – und für den Laien besser geeignet – in Einzelthemen, die nach dem Alphabet geordnet sind. Zusammenhänge werden durch Verweise ermöglicht, was dem Internetnutzer mit den Links längst vertraut ist.

Machen wir die Probe auf die "Brauchbarkeit" des Werks und sehen uns zwei Hauptgedanken zum Stichwort "Pornografie" an, die den Erotik-Liebhabern ja so gern als Etikett umgehängt wird.
Die Definition ist einleuchtend: als P. werden "Bilder, Schriften, Filme /sowie ferner/ Tonaufzeichnungen und Schaudarbietungen" verstanden, "die hauptsächlich oder ausschließlich der Erregung sexueller Gefühle dienen". Es wird zugegeben, dass es nie gelang, Literatur und Kunst einfach und eindeutig von P. abzugrenzen. Ein Engländer wird zitiert mit der klugen Bemerkung, "WENN es literarischen Werken erlaubt ist, uns zu Tränen zu rühren, unsere Leidenschaft gegen die Ungerechtigkeit zu wecken, uns Schrecken empfinden zu lassen und uns durch Mitleid und Angst zu läutern, DANN ist es ebenfalls erlaubt, uns sexuell zu erregen" /Stephan Marcus/.

Der andere Hauptgedanke ist der, dass es also nicht darauf ankommt, "mit wieviel sprachlicher Kunst oder mit welchem Geschick im Aufbau ein "erotischer Roman" (oder Text) gestaltet ist, sondern darauf, ob er die Sexualität in das übrige Leben einbezieht, oder ob es ihm eigentlich nur auf die Stimulation ankommt". Daher hat die literarische Pornografie weder Anfang noch Ende noch Entwicklung. /beim Stichwort P., Bd. 8, S. 1818/9/.
Auch hier sei aus dem überwältigen Bildmaterial der Bände eine (diesmal aber bekanntere) Abbildung ausgewählt:
Phryne, eine der beiden schönsten Hetären der antiken griechischen Welt, zeigt sich den – sämtlich männlichen – Richtern des Obersten Athener Gerichts zum Beweis ihrer Unschuld … splitterfasernackt! Und der Areopag geht schweigend und nachdenklich geworden wieder auseinander … /Stichwort Phryne, Bd. 8, S. 1783/.

→ Das Bild dient auch als Logo für diese Themengruppe ←
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Vollständiger Bildtitel:
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(1) Lo Duca: Moderne Enzyklopädie der Erotik Sexologia-Lexikon.Bd.1+2.
Verlag Kurt Desch, 1963 ff, 800 S., 1120 Abb., antiquarisch ~ 30 €.
Supplement (=Ergänzungs)-Band 3: Verlag Desch, 1966, 400 S., 500 Abb.,
antiquarisch ~ 20 €. (Spätere Ausgaben auch als 10-bändige TB-Reihe)

(2) Ludwig Knoll: Kulturgeschichte der Erotik. Bd. 1- 10; mit Gesamtregister.
Konzept: Harenberg; Liz. für Verlagshaus Stuttgart, 1982; 2555 S., ~ 2500 Abb.; antquarisch ab 30 €.

Den Beitrag hatte ich zunächst am 07.01.2020 in der Themengruppe "erotische Erzählungen" eingestellt. Am 20.02.2020 (was für ein Datum!) habe ich ihn dann in die von mir gegründete Gruppe "Erotik der 7 Künste" umgesiedelt.

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