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Erotik in der Fantasie und im Erleben/1 - Quellen

Von versemacher Donnerstag 20.02.2020, 22:33

Edwardes & Masters: Quelle der Erotik * )

Lou Andreas-Salomé's Klassiker "Die Erotik" (1910; inzwischen mehrfach neu und kommentiert wieder herausgegeben) nimmt gleich anfangs den Stier bei den Hörnern – und ich zitiere ausnahmsweise einmal ausführlich:

"Man mag das Problem des Erotischen anfassen wo man will, stets behält man die Empfindung, es höchst einseitig getan zu haben. Am allermeisten aber wohl dann, wenn es mit Mitteln der Logik versucht wurde: also von seiner Außenseite her. Bedeutet das an sich ja schon: so lange und so viel unmittelbare Lebendigkeit der Eindrücke abziehn, bis man sich in bequemster Übereinstimmung mit einer möglichst großen Gesellschaft befindet. Oder anders ausgedrückt: die Dinge genügend unsubjektiv, genügend fremd von uns selber vorstellen, um anstatt der Ganzheit, Unzerstücktheit einer Lebensäußerung, ein auseinanderlegliches Stückwerk zu erlangen, das sich eben hierdurch im Wort fest fixieren, praktisch sicher handhaben, einseitig-total überblicken läßt." (a.a.O.)

Dazu ein paar Spekulationen zu einem praktischen Beispiel.
Auf dem privaten Lyrikblog → "versbildner" ← (an dem ich beteiligt bin, s. mein Profil!) besteht die Absicht, ein Jahr lang die Tierkreiszeichen, die Dreh- und Angelpunkt aller Horoskope sind, durch den Kakao ziehen. Hochhangeln würden wir uns daran, dass die Mehrzahl der 12 Zeichen - jetzt einmal als Figuren gedeutet - nämlich Wassermann, Widder, Stier, Krebs, Löwe, Skorpion, Schütze und Steinbock OHNE weibliche Begleitung sind, Jungfrau ohne männliche, während Zwillinge, Waage und Fische in moderner Auffassung eher schon als 'divers' gelten könnten. Diesem Zustand soll dadurch abgeholfen werden, dass jeweils eine "Begleitung" mit anderer "Gender-Ausrichtung" beigegeben oder meinetwegen auch "beigelegt" wird. Bestünde dabei die Gefahr, aus einem erotischen Ulk ins Pornografische abzurutschen?

Dazu ist erst einmal festzustellen, dass "erotisch" und "pornografisch" WEDER notwendigerweise auseinander folgen NOCH zueinander prinzipiell gegensätzlich sind! Ursprünglich (d. h. seit der Antike) gab es nur die Erotik, bis sich an der Wende des Barock zum Vorkapitalismus die Pornografie in den Vordergrund zwängte. Hier greift der wichtige und vermittelnde Begriff des Obszönen ein. Er bezeichnet nach heutigem Verständnis (s. DUDEN) "die Verletzung des Schamgefühls", was auf dem breiten Spektrum vom Persönlichen bis zum Gesamtgesellschaftlichen sich ergeben kann. Also ist
(1) eine Erotik, die das Obszöne nicht in sich trägt (bei deren Erleben also KEIN Schamgefühl aufkommt), per Definition nicht pornografisch!
Zudem gilt, was jedes allgemeine Kunstlexikon auch stets als Ausnahmeregel aufführt:
(2) künstlerische Werke anerkannter Künstler sind per Definition nicht-pornografisch - also von Rembrandt weder der "Mönch im Kornfeld" noch das "Paar auf dem Bett" - sie sind über jeden Vorwurf erhaben.

Am Schluss dieses Teils beziehe ich mich auf den in der Abbildung gezeigten Titel über die Quellen der Erotik im Orient (und in Afrika). Neben philosophischen und biologischen Grundlagen werden dort auf der Ebene der Erotik in den Kapiteln Genital-, Anal- und Oral-Verkehr sowie Promiskuität und Masturbation Liebespraktiken dargestellt, die dem Einzelnen teils auch früher unbekannt waren oder von denen er selbst heute noch nicht einmal dem Namen nach etwas gehört hat. Hier sei einzig auf ein Detail aus dem dort angeführten Buch "Eine Nacht in einem maurischen Harem" verwiesen. Man findet einen Bericht über das Erlebnis, das ein Arabermädchen mit einem Hengst hatte, eine Schilderung, die sich "ihrer literarischen Qualität wegen weit über Pornografie erhebt" (a.a.O., S. 200-1).
- Worauf also kommt es an, ob ein Text, eine Beschreibung oder eine andere Darstellung oder Visualisierung "erotisch" genannt werden kann?
- Einzig auf ihre QUALITÄT!
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Vollständiger Bildtitel:
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* ) Allen Edwardes und R.E.L. Masters:
Quelle der Erotik. Unbekannte Liebespraktiken.
Eine Studie des afro-asiatischen Sexualverhaltens und eine Analyse der erotischen Freiheit in den gesellschaftlichen Beziehungen.
Übersetzt aus dem Amerikanischen. Gebundenes Buch, 396 S.; Stephenson Verlag, Flensburg, 1967 ff. (ja klar: es ist der "Hausverlag" von Beate Uhse!)
Antiquarisch jederzeit verfügbar, Preis 4 € bis 20 € + Versand.
(Titel im Besitz des Verfassers)

Den Beitrag hatte ich zunächst am 02.01.2020 in der Themengruppe "erotische Erzählungen" eingestellt. Am 20.02.2020 (was für ein Datum!) habe ich ihn dann in die von mir gegründete Gruppe "Erotik der 7 Künste" umgesiedelt.

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